Es ist eine Art Kapitulation vor dem eigenen Gesetzes-Dschungel, wenn der Kanton Zwischennutzer finanziell unterstützt, damit sich diese beim Einholen von Gesuchen professionelle Hilfe holen. Guy Morin, Vorsteher des zuständigen Präsidialdepartements, erklärt: «Es ist sinnvoll, wenn wir junge, oft unerfahrene Zwischennutzer bei der Gesucheingabe unterstützten.» Die Baubewilligungsgesetze, die Umwelt- und Hygienenormen würden vom Bund und vom Kanton geregelt, der Kanton müsse diese umsetzen. «Der Spielraum für Ausnahmeregeln für Zwischennutzer ist klein.»

Dem widerspricht Sandra Knecht, die im letzten Jahr mit ihrem Zwischennutzungs-Projekt «Chnächt» als Erste Einblicke in die Arbeit der Anlaufstelle Zwischennutzung erhalten hat. Sie sagt: «Der Gesetzes-Dschungel in Basel macht Experimentieren fast unmöglich.» Ihre Erfahrungen mit Projekten in Zürich zeigten, dass das dort angewendete Schnellverfahren viel einfacher zu erhalten sei. «Zudem braucht man in Zürich im Gegensatz zu Basel kein Wirtepatent mehr», sagt die Künstlerin.

Die finanzielle Unterstützung durch den Kanton sei im Gegensatz zum administrativen Aufwand viel zu gering und reiche nirgendwohin. «Das Problem sind wirklich die strengen und detaillierten Vorschriften. Die Baubehörden haben wir zwar als sehr kulant und nett wahrgenommen, aber ihre Bestimmungen müssen umgesetzt werden – und da wird auch kein Unterschied gemacht zwischen temporärer und zeitlich unbegrenzter Nutzung.» Bei ihrem Projekt «Chnächt» beispielsweise sei beanstandet worden, dass eine Ritze im Küchendach mit Silikon abgedichtet werden müsse und dass die Herdplatten nicht hundertprozentig unter dem Dampfabzug seien. «Das mag Sinn machen in einem regulären Restaurant, aber doch nicht in einem temporär als Restaurant genutzten WC-Wagen», sagt Knecht.

Betrag nachträglich herabgesetzt

Dass die finanziellen Mittel für die Unterstützung von Zwischennutzern knapp bemessen sind, liegt unter anderem daran, dass die Regierung nicht die ursprünglich versprochenen 50'000 Franken pro Jahr aufwendet, sondern nur 30'000 Franken. SP-Grossrat Tobit Schäfer, der mit seinem Anzug die Vereinfachung von Zwischennutzungen gefordert hatte und der die Portemonnaie-Lösung der Regierung bereits in der bz als «zweitbeste Lösung» bezeichnete, sagt: «Es ist schade, dass nicht der ganze Betrag zur Verfügung steht, sondern nur etwas mehr als die Hälfte.»

Morin erklärt, weshalb der Betrag nachträglich verringert wurde. «Die Regierung hat im Rahmen der Budgetberatung entschieden, das Pilotprojekt aus eigenen Mitteln zu finanzieren und mit 30'000 statt wie ursprünglich vorgeschlagenen 50 000 Franken zu starten.» Morin verspricht hingegen, dass der Betrag nachträglich immer noch nach oben angepasst werden könne, wenn die Nachfrage grösser sein sollte.