Kulturbudget

Hilferuf: Vier Basler Ensembles brauchen mehr Geld, um Vorgaben des Kantons erfüllen zu können

Das Kammerorchester Basel spielt Don Giovanni – allerdings zu Hungerlöhnen.

Das Kammerorchester Basel spielt Don Giovanni – allerdings zu Hungerlöhnen.

Die Basel Sinfoniette, das Kammerorchester, das La Cetra Barockorchester sowie das Ensemble Phoenix erhalten heute 1,3 Millionen Franken im Jahr. Das reicht ihnen nicht. Sie wollen 743'000 Franken mehr.

Es gleicht einem Hilferuf. Gemeinsam haben vergangene Woche gleich vier Basler Orchester die Mitglieder des Grossen Rats eingeladen, um diesen die aus ihrer Sicht prekäre Lage aufzuzeigen. Fazit: Die Basel Sinfonietta, das Kammerorchester, das La Cetra Barockorchester sowie das Ensemble Phoenix brauchen für die nächste Leistungsperiode ab 2020 mehr Geld.

Denn, während das quasi staatliche Sinfonieorchester jährlich über 13,1 Millionen Franken erhält, müssen sich die vier Orchester um die verbleibenden 1,3 Millionen balgen – nicht mal einem Zehntel. Das aber reiche nicht, um wie von der Politik gewünscht den Orchestermitgliedern die vom Schweizer Musikerverband empfohlenen Tarife zu zahlen. Oder anders: Ihr habt die Rahmenbedingungen vorgegeben, also brauchen wir mehr Geld.

Basel als Musikstadt profilieren

2012 hatte die Basler Regierung sich zum Ziel gesetzt, Basel als Musikstadt zu profilieren. Das Problem: Trotz grossem Potenzial wurde die mögliche nationale und internationale Ausstrahlung nicht erreicht. Gemäss einer unabhängigen Analyse ist ein wichtiger Grund dafür, dass bei den in erster Linie privat finanzierten Orchestern deutlich tiefere Löhne gezahlt werden als beim Sinfonieorchester oder vom Verband empfohlen. Das hat zur Folge, dass gute Musiker immer wieder weggehen.

Der Grosse Rat hat deshalb 2015 mit der neuen Programmförderung ein schweizweit einzigartiges Modell beschlossen: Während das Sinfonieorchester weiterhin direkt subventioniert wird, müssen sich die anderen dem Wettbewerb stellen. Ensembles müssen alle drei Jahre antreten, ihre Programme vorlegen und über ein gewisses Renommee verfügen, wenn sie Geld wollen.

Eine Fachjury wählt dann die «Besten» aus und fördert Vielfalt. Dabei sollen sich die Musikerhonorare an den tariflichen Empfehlungen des Musikerverbands orientieren – im Sinne der Verbesserung der sozialen Sicherheit der Kulturschaffenden.

Nachdem nun während anderthalb Saisons Erfahrungen gesammelt worden sind, kommen die vier Orchester zu einem gemeinsamen Schluss: Die Ziele sind nur teilweise erreicht worden. In einer 22-seitigen Analyse, welche der bz vorliegt, verweisen sie etwa auf die unabhängige Münchner Metrum Management GmbH, wonach die «Basler Orchester unter grundverschiedenen finanziellen Rahmenbedingungen arbeiten».

Das Sinfonieorchester Basel sei zu einem hohen Anteil staatlich subventioniert, während die übrigen eine sehr hohe Eigenfinanzierung erwirtschaften müssten. Die Löhne seien entsprechend tief, was unter anderem Folgen für die künstlerische Kontinuität des Klangkörpers habe. Und: Die aktuelle Förderpolitik löse diese Probleme ungenügend.

Im Rahmen ihrer Analyse haben es die vier Orchester genau ausgerechnet: Um für ihre Basler Konzertreihen tarifübliche Musikerhonorare zahlen zu können, fehlen ihnen jährlich insgesamt 743'000 Franken. Sie beantragen deshalb gemeinsam, die Programmförderung Orchester von jährlich 1,3 auf 2 Millionen zu erhöhen. Das entspricht einer Erhöhung um gut einen Drittel.

Innerhalb des gesamten Basler Kulturbudgets ist es dagegen nur eine Steigerung auf 1,6 Prozent. «Damit würde ein unbestrittener Missstand bezüglich sozialer Sicherheit von Musikerinnen und Musikern behoben und ein konsequenter weiterer Schritt zur Stärkung und Profilierung Basels als Musikstadt getan», zeigen sich die vier Orchester überzeugt.

Weichen werden jetzt gestellt

Dass die vier Orchester gerade jetzt ans Parlament gelangen, kommt nicht von ungefähr. Denn die grossrätliche Bildungs- und Kulturkommission (BKK) berät derzeit den Kredit für das Sinfonieorchester für die kommenden drei Jahre. Die übrigen vier, über welche erst Ende Jahr entschieden wird, dürfen dann noch nehmen, was ihnen das «Staatsorchester» übrig lässt. Die Weichen werden also jetzt gestellt.

Bei den Parlamentariern scheint die Botschaft angekommen zu sein. «Die Arbeitsbedingungen bei den verschiedenen Orchestern scheinen tatsächlich sehr unterschiedlich zu sein», sagt eine Grossrätin auf Anfrage. «Vielleicht müssen wir die Verteilung der Gelder nochmals überdenken.» Diese Diskussionen seien jetzt im Gange.

Allerdings sei an dem Informationsanlass auch darauf hingewiesen worden, dass das Modell im Grundsatz funktioniere, ergänzt ein anderer Parlamentarier. «Im Kulturbereich stellt sich die latente Frage, wo wir Prioritäten setzen», sagt er. «Es wollen alle immer mehr. Das geht langfristig nicht.»

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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