Arbeitsbedingungen in der Gastronomie

Hilferuf von Restaurant-Mitarbeitenden blieben ungehört

Mitarbeitende der Kleinen Freiheit und des Za Zaa berichten von unzulässigen Arbeitsbedingungen.

Mitarbeitende der Kleinen Freiheit und des Za Zaa berichten von unzulässigen Arbeitsbedingungen.

Mitarbeitende und Ex-Mitarbeitende der Restaurants «Za Zaa» und «Kleine Freiheit» beschweren sich wegen unzulässigen Arbeitsbedingungen. Die Betroffenen wandten sich gar an die zuständigen Behörden. Doch der Hilferuf verhallte.

Steuerhinterziehung, Arbeitszeit-Unregelmässigkeiten, fehlende Betriebsbewilligungen: Die Anschuldigungen gegenwärtiger und ehemaliger Mitarbeiter der Restaurants «Za Zaa» und «Kleine Freiheit» in der bz von gestern warfen hohe Wellen. Insbesondere ein Brief, welcher der bz vorliegt, sorgte für Reaktionen – weil er ohne Konsequenzen blieb.

Einige Mitarbeiter sandten diesen nebst der Steuerverwaltung auch an das Amt für Wirtschaft und Arbeit, das Bau- und Gewerbeinspektorat, die Sozialversicherung GastroSocial und die Kontrollstelle für den L-GAV des Gastgewerbs. Sie wandten sich mit einer anonymen Meldung an die behördlichen Instanzen, um diverse Missstände in den Lokalen anzuprangern.

Von der Heftigkeit der Anschuldigungen zeigt man sich in der Szene überrascht. Maurus Ebneter – als Präsident des Wirteverbands und damit als Vertreter der Arbeitgeberseite kein Adressat des Briefs – sagt: «Zu Einzelfällen kann ich mich nicht äussern. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass  systematische Missstände, so wie sie hier angeprangert werden, ganz klar die Ausnahme und nicht die Regel im Gastgewerbe sind.»

Ebneter zufolge sei die Geschichte kein Indikator für zu schlechten Arbeitnehmerschutz in der Gastronomie: «Wir haben seit über vierzig Jahren einen fortschrittlichen GAV, der den Bedingungen und Möglichkeiten unserer Branche Rechnung trägt. Obendrein gibt es diverse Instanzen wie kantonale Inspektorate, Gewerkschaften oder die sozialpartnerschaftlich organisierte Kontrollstelle, an die sich Arbeitnehmer wenden können und sollen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.»

Die angeprangerten Filialen hatten Bewilligungen

Damit es nicht so weit kommt, führt die in Basel ansässige Kontrollstelle in der Schweiz jährlich über 2000 Stichproben durch. Auch an diese wandten sich die Mitarbeiter mit ihrem anonymen Brief – doch Konsequenzen blühten den Betreibern keine. «Wir bewegen uns hier im Privatrecht, es handelt sich bei solchen Vorwürfen um ein Antragsdelikt, wozu ein namentlich bekannter Kläger nötig ist», begründet die Kontrollstelle ihr Vorgehen.

Ob der Betrieb in der Zwischenzeit kontrolliert worden ist, will sie aus Datenschutzgründen nicht verraten. Ähnlich klingt es beim kantonalen Gewerbeinspektorat. Die Meldung ist auch dort eingetroffen – beantworten konnte man sie nicht, da der Absender anonym geblieben war. Obendrein entkräftet die Behörde zumindest einen Punkt der Mitarbeiter-Anschuldigungen: Über die nötigen Bewilligungen für ihre Filialen habe die Gruppe immer verfügt.

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