Clubfestival
Hinter jeder Tür eine Überraschung – So wars an der BScene

Ob Nerd, Rockstar oder Stimmwunder: Am Basler Clubfestival BScene findet jeder sein Publikum. Ein Augenschein.

Samuel Hufschmid
Merken
Drucken
Teilen
BScene 2016
5 Bilder
Erfrischend Kreativ: Das Finale der Loop Session am Beatbox Battle im Volkshaus mit Thorsen (links) und Tioneb.
Bei «Mistral» in der 8Bar gabs Mundart gabs nur zwischen den (französischen) Liedern.
Karin Portmann & Band im Jazzcampus
Der Auftritt der Basler Hip-Hop-Crew Brandhärd in der Kaserne war eines der Highlights der BScene 2016.

BScene 2016

Nicole Nars-Zimmer

BScene 2016 – das war vor allem ein Beweis für die grossartige Vielfalt der Basler Musikszene. Da stehen drei Basler und eine Baslerin auf der improvisiert wirkenden Kleinbühne der 8Bar und singen französische Chansons. «Weil der Wein nirgends besser schmeckt als in Frankreich», sagt der Sänger. Und wegen der musikalischen Vorbilder.

Etwa die Hälfte der geschätzt 150 Zuhörer dürften «Mistral»-Fans sein, die auch bei den unbekannteren Chansons mitsingen. Der Rest teilt sich auf in BScene-typische Zufalls- und Stammgäste. Letztere mussten ihren angestammten Platz am Tresen nicht räumen, weil die BScene gestern zu Besuch in der 8Bar war, sondern durften für einen symbolischen Beitrag von 10 Franken sitzenbleiben. Was sie vermutlich auch taten. Der Rest liess sich mit dem «Noir Desir»-Hit «Le vent nous portera» im Ohr weitertragen, beispielsweise ins Volkshaus.

Die Helden der Mundakrobatik

Dort herrscht eine ganz andere Stimmung. Viel kompetitiver, denn auf der Bühne wird im «Grand Beatbox-Battle» gegeneinander angetreten. Unter den rund 500 Zuschauern sind viele Beatbox-Fans und sogar auf der Toilette wird munter vor sich hin gebeatboxt. Auf der Bühne präsentiert sich die Crème de la Crème der Mund-Akrobatik. Der amtierende Weltmeister «Skiller» aus Bulgarien heizte der Menge mit einer unfassbar schnellen Aneinanderreihung von Pop- und Zischlauten ein, bis kurz nach 10 Uhr das Finale in der Loop Session startet.

Loop Session ist gewissermassen die perfekte Mischung aus analog und digital, aus Beschränkung und unendlicher Möglichkeit: Die Künstler dürfen die Beats nur mit ihrer Stimme erzeugen, diese aber auf einem elektronischen Gerät abspeichern und wiedergeben. So bauen sie Loop für Loop ein halbes Orchester auf, um nach exakt drei Minuten Jury und Publikum maximal überzeugt zu haben.

Einmal um den Block herum, taucht man ein in eine ganz andere Welt. Im Jazzcampus brennt ein Kaminfeuer im Vorgarten und drinnen spielt Karin Portmann mit ihrer Band. Es ist so still im Saal, dass man das Knipsen der Fotografin zu hören glaubt – das Publikum scheint der Baslerin an den Lippen zu hängen, wenn sie, von Schlagzeug, Cello, Klavier und Gitarre begleitet, ihre selbst geschriebenen Lieder singt. Die Stille bleibt, bis der letzte Ton verstummt ist, und weicht dann frenetischem Applaus.

Zum Abschluss des BScene-Samstags wirds wieder eng und laut. Eine grosse Schlange hat sich gebildet vor der Kaserne, wo um Mitternacht die Basler Hip-Hop-Urgesteine Brandhärd einen Mix aus alten und neuen Hits in die Reithalle posaunen. Über 100 Dezibel und von hier und dort – trotz Rauchverbot – eine leichte Cannabis-Wolke in der Nase, zeigt die BScene, was sie eben auch und vor allem ist. Das Basler Clubfestival.