Wer kannte es nicht: Ein schöner Abend im Stadtcasino, das Konzert beginnt, die Musik ist bewegt, bezaubert, berauscht. Eine halbe Stunde später sinkt der Sauerstoffgehalt im Musiksaal rapide. Die Zuschauer werden müde, dem einen oder anderen fallen die Augen zu. All das ist nun Geschichte. Denn mit dem Erweiterungsbau des Stadtcasinos wird sich so einiges in den historischen Gemäuern ändern. Der Einbau einer Lüftungsanlage im Musiksaal ist nur ein kleiner Teil davon. Allzu viel möchten die Zuständigen heute noch nicht verraten.

«Damit der Überraschungseffekt bei der Eröffnung am 22. August 2020 grösser ist», sagt Christoph B. Gloor, Präsident der Casino-Gesellschaft Basel. Einiges ist allerdings bereits gut sichtbar: das grosse zweigeschossige Foyer, das künftig vom Barfüsserplatz aus zugänglich sein wird, beispielsweise. Es wurde an der bisherigen Rückseite des Stadtcasinos angebracht. Die beiden Geschosse sind durch eine Decke verbunden, die in der Mitte und an den Rändern Aussparungen hat. «Dadurch ist der Sichtkontakt der Besucher im oberen und unteren Bereich möglich. Schliesslich ist mit einem Konzertbesuch auch immer ein Sehen und Gesehen-Werden verbunden», sagt der Architekt Jacques Herzog.

Die neue Fassade ist die alte

Die bisherige Aussenfassade des Musiksaals aus dem 19. Jahrhundert wurde für den Erweiterungsbau eins zu eins gespiegelt. Diese bildet nun die Aussenfassade des Foyers in Richtung Barfüsserplatz. «Der Laie wird so von aussen nicht erkennen, dass das Foyer aus dem 21. und nicht dem 19. Jahrhundert stammt», sagt Herzog.

Das Herzstück ist aber weiterhin der Musiksaal. Noch sind Wände und Boden hinter Folien, Brettern und Gerüsten versteckt. Das Gehäuse der Orgel thront leer über der Bühne. Von dem zukünftigen Glanz ist wenig zu sehen. Alles, was hier erneuert wird, orientiert sich am Originalbau von 1876. Dafür wurden die Substanzen aus dem 19. Jahrhundert genaustens untersucht und an die heutigen Möglichkeiten und Auflagen angepasst. Wobei der Architekt Jacques Herzog nicht gerne von einer genauen Wiedergabe des Ursprungszustands spricht: «Bei Renovierungen fällt immer wieder auf: Es gibt kein authentisches Zurückgreifen auf einen Originalzustand. Schon nur die Beleuchtungsverhältnisse waren im 19. Jahrhundert ohne Elektrizität komplett anders. Dadurch veränderten sich das Licht, die Gerüche, die Stimmung.»

Akustiktests für Konzertstühle

Trotzdem sind die Bemühungen, den historischen Zustand wieder herzustellen, gross. Dabei liegt jeweils ein grosser Fokus auf dem Erhalt der einzigartigen Akustik, für die der Musiksaal europaweit gelobt wird. So wurden Stühle, Farben und Materialien sämtlichen akustischen Tests unterzogen. Auch die Fenster spielen bei dem Klang eine grosse Rolle. In den 60er-Jahren wurden sie zugemauert, um den Stadt- und Tramlärm draussen zu halten. «Heute haben wir aber ganz andere isolatorische Möglichkeiten. Deshalb konnten wir die Fenster wieder öffnen und haben nun auch Tageslicht im Musiksaal», sagt Herzog.

Obwohl das Stadtcasino nicht komplett neu gebaut werden muss, belaufen sich die Kosten dafür auf 77,5 Millionen Franken. 38 Millionen erhielt die Casino-Gesellschaft von der Stadt. Den Rest muss sie durch Spendengelder finanzieren. Einer dieser Spender ist die BIZ, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Den Check in der Höhe von 1 Million Franken übergab der Generaldirektor Agustìn Carstens am Mittwoch persönlich. Die Entscheidung, die Casino-Gesellschaft bei ihrem Bauprojekt zu unterstützen und somit ein Bekenntnis zum Standort Basel zu setzen, bestand schon seit der Feier zum 75-jährigen Bestehen der BIZ. Da das Neubauprojekt damals nicht zustande kam, fand die Spende nun 13 Jahre später statt.