Ihre Arbeit polarisiert. Deshalb dürfte sich die Direktorin Marie-Paule Jungblut mit jeder Zeile, die sie las, mehr gefreut haben. Ihr vorgenommener Kurswechsel im Historischen Museum Basel sei couragiert und innovativ, stand unter anderem in dem Brief, den sie letzte Woche erhielt.

Diese Zeilen stammen von David Hoffmann, Leiter des Rudolf Steiner Archivs und früherer Leiter des Schwabe Verlags. Er reagiert damit auf die Kritik von Gönnern, die wegen der Neuausrichtung des Historischen Museums erwägen, ihre Unterstützung zu beenden. Die Konsequenz zog bereits ein Sammler: Er gibt seine wertvolle Schatzkunst anstatt in die Barfüsserkirche ins Ausland (bz berichtete).

David Hoffmann begrüsst die Neuausrichtung.

David Hoffmann begrüsst die Neuausrichtung.

Mit Befremden habe er dies gelesen, sagt David Hoffmann. Die geäusserte Kritik kann er nicht nachvollziehen. «Früher glich das Historische Museum eher einem Elfenbeinturm, heute geht es mehr um das Aufzeigen der historischen Sachverhalte und Zusammenhänge», sagt er. Dadurch habe sich das Museum innert kurzer Zeit zu einem Diskussions- und Vermittlungsort entwickelt. So wie dies auch der öffentliche Auftrag von Jungblut fordere.

Vermittlung als Bringschuld

«In vielen Museen steht das Sammeln, Bewahren und Forschen im Vordergrund. Die Vermittlung wird leider häufig vernachlässigt. Zu Unrecht, denn das ist eine wesentliche Bringschuld der Museen», sagt David Hoffmann. Dabei unterscheide sich ein Museum erst durch die aktive Vermittlung von einem blossen Archiv und gewinne dadurch seine öffentliche Legitimation. Hoffmann stört sich am Angriff auf die inhaltliche Arbeit der Direktorin: «Es ist leicht, jemanden zu kritisieren, aber schwierig, es besser zu machen.»

Fotoapparat des Urgrossvaters

Das Historische Museum Basel bekommt nicht nur moralische Unterstützung von David Hoffmann. Seine Familie schenkt der Institution die «Fotoapparatesammlung Hoffmann». Diese umfasst rund 200 Objekte der Basler Fotografen Theodor, Carl und Felix Hoffmann. Das sind der Urgrossvater, der Grossvater und der Vater von David Hoffmann. Die drei Generationen arbeiteten in ihrer «photographischen Anstalt» im Kleinbasel.

Das Historische Museum erhält nun die Fotokameras, Studiolampen, Projektoren oder Laboreinrichtung der Fotografenfamilie. Die Direktorin Marie-Paule Jungblut bezeichnet die Sammlung als «Kulturerbe der Stadt Basel», das in verschiedenen Ausstellungen öffentlich zugänglich gemacht werde. Über «das Zeichen des Vertrauens» der Familie Hoffmann freue sie sich. «Insbesondere in einer Phase, in der sich das Historische Museum Basel weiter entwickeln will, ist die Unterstützung durch Sammler ein wichtiger Faktor», sagt Marie-Paule Jungblut.

Strategie unbekannt

Hinter der von ihr begonnenen Neuausrichtung stehe grundsätzlich auch die Kommission des Historischen Museums, sagt Urs Gloor. Der Kommissionspräsident geht davon aus, dass die Kritik mit der fehlenden Strategie zusammenhängt. «Momentan herrscht viel Unsicherheit, weil diese noch nicht bekannt ist. Dies überträgt sich auch auf die Sammler», sagt Gloor. Auch die Kommission kenne die Details nicht.

Bevor jedoch die Strategie diskutiert werde, müsse der Personalkonflikt gelöst werden, sagt Gloor. Dieser muss klar von der inhaltlichen Kritik an Jungblut getrennt werden. Zurzeit klärt eine externe Stelle die massiven Vorwürfe von Mitarbeitern gegenüber der Direktorin ab. Sie werfen ihr unter anderem vor, eine «Atmosphäre der Angst» geschaffen zu haben.