Der trockene Titel täuscht: Was in «Perspektiven 2030» steckt, ist aufsehenerregend: Marc Fehlmann, seit Juni Direktor des Historischen Museum Basel (HMB), skizziert auf 42 Seiten Missstände und Lösungsansätze. Adressaten des vertraulichen Berichts ist die Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rats sowie das für Museen zuständige Präsidialdepartement. Das Papier liegt der «Schweiz am Wochenende» vor.

Reduktion oder Expansion

Die neue Museumsleitung schlägt Umstrukturierungen vor, die zugleich kühn und plausibel klingen: Entweder den Mut zum Verzicht, sprich eine räumliche Verkleinerung des Museums, zu dem heute die Standorte Barfüsserkirche, Kirschgarten und Lohnhof gehören; oder eine Expansion, eine räumliche Erweiterung, die den Berri-Bau (heute: das Naturhistorische Museum) oder sogar den Casino-Bau am Barfüsserplatz integriert. Im Gegenzug würde das Museum Kleines Klingental überflüssig, in dem hauptsächlich Exponate aus dem Historischen Museum ausgestellt seien. So könne man der grossen Sammlung gerecht werden, zugleich der jüngeren Zeitgeschichte mehr Platz einräumen und international Strahlkraft erreichen.

Eine andere Option wäre ein räumliches «Gesundschrumpfen», wozu die Aufgabe des Musikmuseum-Standorts gehören würde. Das würde bedingen, dass die politischen Erwartungen an die Leistung des Hauses, «immer mehr Besucher und immer mehr Angebote», redimensioniert würden. Unter den aktuellen Bedingungen lasse sich Sammlung und Infrastruktur nicht an mehreren Orten bewirtschaften und zugleich die Qualität hochhalten.

Tatsächlich leidet das Museum nicht nur unter dem Missmanagement der Vergangenheit, sondern auch unter hohen Belastungen: Jährlich muss es 2,5 Millionen Franken – ein Viertel des Staatsbeitrags – für Miete entrichten. Subventionsgelder fliessen so gleich wieder in die Staatskasse zurück. Auf der anderen Seite fällt auf, dass der Werbeetat auf einen fünfstelligen Betrag gekürzt werden musste.

Sammlung vernachlässigt

Offiziell hat Fehlmann bereits drastische Sparmassnahmen angekündigt, damit die Finanzen wieder ins Lot gebracht werden können. Die Eintrittspreise sollen erhöht, das Museums-Café gestrichen werden. Auch finden 2018 keine Wechselausstellungen statt. Die Bildungs- und Kulturkommission nimmt die «unsichere Finanzsituation besorgt zur Kenntnis».

Dabei sind das noch längst nicht alle Probleme, wie dem vertraulichen Papier zu entnehmen ist. So hat der neue Direktor festgestellt, dass die Depot-Situation völlig ungenügend ist. Ein Lager sei wegen regelmässiger Wassereinbrüche nicht tauglich. Andere würden wegen Platzmangel keine feuerpolizeilichen Richtlinien einhalten. Hinzu komme, dass viele Exponate gar nicht inventarisiert oder lokalisierbar seien, was die Direktion als alarmierend bezeichnet. Das Personal sei zudem in mehreren Bereichen völlig überlastet und könne seine Aufgaben nicht mit der nötigen Sorgfalt wahrnehmen. Von Burn-outs ist die Rede.

Wie dem Papier zu entnehmen ist, sei «Weiterwursteln wie bisher» keine Option. Um flexibler agieren zu können, sei auch eine andere Form der Trägerschaft in Betracht zu ziehen: eine Stiftung etwa – oder eine Aktiengesellschaft wie beim Zoologischen Garten. Das hätte eine geringere Einflussnahme durch die Abteilung Kultur zur Folge.

Direktor Fehlmann will sich derzeit nicht zu seinem Papier äussern. Am 1. Dezember werde er über den aktuellen Stand informieren.