Die Hitze ist da. Und sie bleibt. In der Stadt sogar wortwörtlich. Seit Beginn der Sommerferien sind die Temperaturen in beiden Basel hoch, in Basel sind es dieser Tage regelmässig über 30 Grad Celsius.

Denn das ist der Wärmeinsel-Effekt: Dichte Bebauung und eingeschränkte Windzirkulation führen zu einem regelrechten Hitzestau. Hinzu kommt laut Meteoschweiz, dass versiegelte Flächen die Hitze absorbieren und Gebäude, Industrie und Verkehr wiederum selbst Hitze abgeben.

Und da sich Basel dank des Mikroklimas in der Oberrheinischen Tiefebene ohnehin eher mediterraner Sommer erfreuen kann, bedeutet dies regelmässige Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt.

Fische kämpfen ums Überleben

Aktuell sind es aber vor allem die Fische, die an der Hitze zugrunde zu gehen drohen. Die Wasserstände der regionalen Gewässer sind wegen anhaltender Trockenheit und Wärme bereits jetzt sehr tief. Und kurze Gewitter und Regenschauer entspannen die Situation keineswegs, sagt Dominik Keller, stellvertretender Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie.

Vor allem Forellen und Äschen sind betroffen. Noch seien keine toten Fische aufgefunden worden, aber «eine gewisse Mortalitätsrate» sei nicht auszuschliessen. Abgefischt wurden die Gewässer bislang noch nicht.

Alles trocknet aus

Auch im Baselbiet wird die Situation eingehend beobachtet. Für Notabfischungen von austrocknenden Flüssen ist zwar alles bereit, noch musste aber im Kanton keine eingeleitet werden, wie es auf Anfrage bei der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) heisst. Wahrzunehmen ist das aktuelle Fliessvolumen zurzeit relativ simpel: Allein in Basel sieht man den Flüssen Birs und Wiese den tiefen Pegelstand deutlich an.

Das betrifft auch den Rhein. Waren vor einem Monat noch Hochwasser zu beobachten, ist der Basler «Bach» mittlerweile bereits sehr warm. Hier finden die Fische teilweise noch Zuflucht, da sie sich bei warmen Temperaturen von alleine in kältere Abschnitte von Gewässern zurückziehen. Andernorts kann das für die Tiere aber gefährlich werden: Wird der Rückzugsort durch ausgetrocknete seichtere Stellen abgeschnitten, überleben sie auch dort nicht lange.

Hoch ist derzeit auch die Waldbrandgefahr. Die VGD hat für das Baselbiet bereits Warnungen ausgegeben. Auf offene Feuer ist zu verzichten, ebenso auf das Wegwerfen von Zigarettenstummeln. Das Problem hierbei ist das eigentliche Brandgut: Die Laubstreuschicht und die humusreichen oberen Bodenschichten trocknen aus und sind dadurch sehr leicht entzündlich. Ein Regenschauer hilft da nicht; das Wasser bleibt meist ohnehin auf den belaubten Baumkronen liegen.

Die Hitze drückt wirklich aufs Hirn

Direkt betroffen sind aber auch die Menschen: So geben die kantonsärztlichen Dienste beider Kantone Verhaltenstipps aus, denn mit der Hitze nehmen auch die Kreislaufprobleme zu. Trinken, Schatten suchen, Anstrengungen meiden sind die generellen Regeln. Da in Hitzeperioden auch die Todesfälle zunehmen, ist besondere Achtsamkeit geboten.

Das Universitätsspital Basel ist zumindest vorbereitet. Spezifische Zahlen zu Hitzeopfern werden allerdings nicht erhoben, sagt Spitalsprecherin Monica Terragni. Sondermassnahmen seien allerdings nicht nötig, da ganzjährig gekühlte Infusionen im Notfallzentrum des Universitätsspitals vorhanden seien.

Dass hohe Temperaturen allerdings auch Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit haben, ist ebenfalls erwiesen. So wurde bereits in mehreren medizinischen Studien erwiesen, dass Hirnleistung und damit die Intelligenz von Menschen, die sich in überhitzten Umgebungen aufhalten, abnehmen.

Dank UV-Strahlen sauberer Rhein

Wer Abkühlung im Rhein sucht, hat allerdings Vorteile. Nicht nur hat das Wasser für Badende mit 23,7 Grad regelrechte Badi-Temperaturen, auch ist das Wasser dank der UV-Einstrahlung tendenziell sauberer als in Regenperioden.

Das Basler Kantonslabor erhebt regelmässig die Wasserqualität und bestätigt, dass in Tagen intensiver Sonneneinstrahlung Bakterien an der Oberfläche abgetötet werden. Angeraten wird aber auch, dass grössere Flüsse mit guter Durchströmung aufgesucht werden, weil dort Schmutz und andere Einträge von aussen schneller abgeführt werden.

Noch kein Drama

Für die Landwirtschaft ist die Trockenperiode noch nicht dramatisch. Ein Wasserentnahmeverbot für die zusätzliche Bewässerung steht derzeit nicht in Aussicht, wie Mediensprecher Nico Buschauer von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion sagt. Generell gehe der Kanton zurückhaltend mit solchen Verboten um. Im Gegensatz zu anderen Kantonen wie dem Aargau, wo bereits ein Wasserentnahmeverbot ausgesprochen wurde.

Für das Getreide verheisst die Hitzeperiode Gutes; die Ernte verlaufe rasch und gut, die Qualität sei hoch. Ebenfalls sehr gute Erträge gab es bei den Kirschen. Der Gemüseanbau brauche derzeit allerdings viel Bewässerung, erklärt VGD-Sprecher Rolf Wirz.

Schwieriger kann es beim Futteranbau werden: Noch sei es zu keinen nennenswerten Ertragsausfällen gekommen. Sollte es bis Ende August aber nicht mal richtig regnen, würden hohe Einbussen anstehen. Wirz aber beruhigt auch: Es sei «auf jeden Fall» noch kein Vergleich zum intensiven Hitzesommer 2003.