Für ein erhöhtes Risiko sorgen im Augenblick zwei Faktoren, erklärt Toprak Yerguz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD): die Hitzeperiode, die viele Personen ins Wasser locke – und dann das viele Wasser selbst. «Nur geübte Schwimmer sollten sich bei diesen Bedingungen in den Rhein wagen: Die Flussgeschwindigkeit ist grösser, und mit der Strömung entstehen Strudel und Widerwasser, oft auch unter der Wasseroberfläche.»

Blaue Flecken am Badestrand

Im Schnitt gebe es pro Jahr nur ein paar wenige Dutzend Einsätze auf dem Rhein, wovon Personenrettungen nur einen kleinen Teil ausmachten, so Yerguz: «Polizei und Berufsfeuerwehr rücken zum Beispiel auch bei abgetriebenen Booten aus.» Damit es diese Saison bei möglichst wenig Vorfällen bleibt, ruft der JSD-Sprecher die wichtigsten Verhaltensregeln in Erinnerung. Zuallererst: «Der Rhein ist ein Fluss, kein Gartenbad. Man sollte sich darin nie zu sicher fühlen.»

Laut Yerguz sollten sich nur geübte Schwimmerinnen und Schwimmer in den Rhein wagen und dort die bekannten Gefahrenzonen meiden: kein Baden mit Schwimmhilfen oder im Hafengebiet («verboten»), kein Schwimmen hinter den Brückenpfeilern («gefährlich»). «Das Schwimmen ausserhalb der Bojen in der Schifffahrtsrinne ist zwar nicht verboten», führt Yerguz weiter aus. «Wir raten aber wegen der Schifffahrt dringend davon ab.» Und ganz generell gehörten Badende an den Flussrand: «Je näher sie am Ufer sind, desto schneller kommen sie wieder heraus.»

Berufsfeuerwehr rettet zwei Schwimmer aus dem Rhein

Im Rhein auf Grossbasler Seite sind am Dienstagabend zwei Personen in eine Notlage geraten. Die Berufsfeuerwehr konnte die beiden unverletzt bergen.

  

Gerade auf Kleinbasler Seite zwischen Solitude und Wettsteinbrücke ist das mit der Ufernähe aber so eine Sache. Die Verbreiterung des «Stadtstrands» im vergangenen Herbst mit dem Aushub aus der Schifffahrtsrinne ist potenziell gefährlich, findet Christian Senn von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG).

«Es gibt beim Rheinschwimmen drei Punkte zu beachten: Lufttemperatur, Wassertemperatur und Wasserstand», erklärt Senn. Die Temperaturen seien im grünen Bereich, aber derzeit herrsche Hochwasser. Zum Vergleich: Vor einem Jahr floss nur gerade die Hälfte der jetzigen Wassermenge im Rhein.

«Die Schleusen bei Birsfelden stehen offen», sagt Senn. Das Wasser führe Treibholz mit sich – und Schmutz. Die überspülten Verbauungen am Kleinbasler Badestrand seien deshalb schlecht einsehbar und müssten vorsichtig umschwommen werden, so Senn. «Weil es sich dabei um Felsbrocken mit Ecken und Kanten handelt, können blaue Flecken aber nicht ausgeschlossen werden.»

Gefahr: Selbstüberschätzung

Vinzenz Winkler von der IG Rheinschwimmen war diese Saison erst auf Grossbasler Seite im Wasser. Den Badestrand schätzt er als unproblematisch ein. «Der Kiesstreifen ist ja nicht breit, es hat immer noch Platz genug zum Schwimmen», erklärt Winkler. Die Strömung sei nur beim Aussteigen hinderlich. Aber wer die Wellen beobachte, sehe sofort, ob sich unter ihnen ein Felsen befinde.

«Das mag für die geübten Mitglieder der IG Rheinschwimmen stimmen», entgegnet Senn, der für die breitere Bevölkerung ein gewisses Gefahrenrisiko sieht.

Klar sei ein Bad im Rhein erfrischend, erklärt Senn, doch im Augenblick könnten sich die Badenden nicht so verhalten wie bei einem normalen Rheinschwimmen: «Da kommt noch viel Schmelzwasser herunter. Am besten wäre es vielleicht, noch ein wenig zu warten.» Denn das grösste Risiko ortet Senn nicht im oder unter Wasser: «Die grösste Gefahr, die für Schwimmerinnen und Schwimmer derzeit besteht, ist die Selbstüberschätzung.»