Jetzt dürfen sie. Sie alle – und wie. Sie schränzen, pfeifen, trommeln aufs Mal los. Soooo viel Freude und Glück liegt in der Luft. Und Erleichterung: Uff, es regnet nicht! Es sah ja mal ganz danach aus ...

Doch nach der ersten Freude entsteht beim Publikum bald ein Klumpen im Magen. Denn so schön und einzigartig die drey scheenschte Dääg sind, so brutal ehrlich sind sie auch. Dieses Jahr zeigen die Cliquen das Dunkelste des Weltgeschehens.

Die Sujets liegen meist schwer. Wildhunde mit dunklem, gekrausten Fell und wütend geöffnetem Mund schleichen den Steinenberg herunter. Jedes Wildtier trägt um seinen Kopf ein Schild: «Meerder», «Schlepper», «Liegner», «Schwarzhändler». Dem Zug vorneweg ziehen die Vorträbler eine Holzkiste, auf dem ein Geköpfter kniet. Alle sind «Sauhind», wollen uns d Basler Zepf Ziri mit ihrem Sujet sagen. Auf der Laterne leuchtet der Eifelturm, «e Hommage an d Sauhind». Die VKB läuft den Cortège zu «Hol s der Deifel». Die übermenschlich grossen Gehilfen des Teufels ziehen einen riesigen schwarzen Grabstein, der einem die Tür in die Hölle zeigt und umgeben ist von Totenlichtern. Ihr Requisit ist ein Käfig, in dem sie Seelen transportieren.

Es werde eine vielschichtige, vielseitige Fasnacht, prophezeite der Obmann Christoph Bürgin vor einigen Wochen. Ein Hauptsujet sei nicht auszumachen. Mit 33 Einheiten dominiert aber denn doch das Thema «White Dinner» den Montagscortège. Und das als Cliquen, Guggen, Gruppe oder Wagen. Basel Tourismus also hat zumindest in Basel und Umgebung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. D Sporepeter, eine Pfeifer- und Tambourengruppe, zwängt sich in schicke Anzüge und eine Alti Dante – in schneeweiss. Die Schrift auf dem Cliquen-Zeedel ist nur mit zusammengekniffenen Augen lesbar. Auch dort bleiben sie der Linie treu:

Im Grund gnoo isch es e Blamaasch:
e Zeedel, wo d nid lääse kaasch!
Doch unser Sujet will s esoo,
s muess alles farblos überekoo
wie das vor fuffzig Joor, s isch glunge,
der Roy Black mit Schmalz hett gsunge.
«Ganz in weiss», hett är druf beschtande
miess eini sy zem byynem z lande.»

Auch die Pfeifer der Junge Garde der Rätz-Clique sagt «White Dinner – fir Spinner?»

Geisslechlöpfle ist auch dabei

Warum die diesjährige Fasnacht so vielseitig ist, liegt sicher auch an den kleinen Grüppchen, die irgendwie ganz aus der Reihe tanzen. Ein Schweizer Brauchtumszug reiht sich ein: Eine gemischte Fünfergruppe jodelt und singt in ihrer Schweizer Tracht, zwei Jungs lassen eine Geissel in der Luft schmettern – «Geisslechlöpfe» heisst das im Fachjargon. Und auch beim Fünfliber-Schwingen können die Cortège-Besucher mal nicht nur durch den Fernseher zuschauen.

Unterborchen wurden die White-Dinner-Züge und die Züge des dunklen Bösen unter anderem von der farbenfrohen Stammclique der Basler Rolli. Ihre Ritter tragen auf ihrem Helm Riebli. «Örbn Gardening – Aabauschlacht Reloaded – oder Mir rischten ys», nennen sie ihr Sujet. Es geht um Life-Style-Hobby-Gärtnern.

Papa-Mobil reiht sich ein

Für einen der herzigsten Momente am Cortège sorgt wohl d Ainzelmassge Old Boy Johanniter. Auf einem Dreirad strampelt Franziskus leise den Cliquen und Guggen hinterher.

«Dr Franziskus meint: dr Vatikan
muess spaare
dr FIFA-fo (isch dr Sepp no do?)
wurds au nit schaade.
Wenn das so wytergoht
kauf d Chinese no dä Laade»

ist das Statement aus dem Vatikan an die Fasnächtler.
Die sich übrigens je länge je mehr ein warmes Plätzchen suchen in einer Beiz. Der Wind nämlich pfeift immer stärker den Aeschengraben hoch. Die Räppli tanzen zu seiner Bise.