Zu schauen gibt es immer etwas. Doch selten standen auf der Mittleren Brücke so viele Schaulustige wie gestern. Und das, obwohl bis auf ein paar Waghalsige niemand den Rhein herunter schwamm und auch keine Schiffe rheinauf- oder abwärts fuhren. Selbst der obligate rote Fleck unterhalb des Hotels Trois Rois auf Grossbasler Seite fehlte: Die Feuerwehr hatte ihr Schiff aus Sicherheitsgründen bereits am Vortag zum Hafen gefahren. Und auch abgesehen von den fehlenden Schwimmsäcken gab es wenig Buntes für das Auge: Das eigentlich blaugrüne Rheinwasser ist derzeit eine braune Schlammsuppe.

Allerdings eine mit viel Material drin. Etliche Baumstämme mit ganzen Wurzeln dran treiben den Rhein hinunter. Kaum passiert ein solcher Feger die Mittlere Brücke, kommt der nächste. Das Treibholz gibt ein spektakuläres Bild ab, ist aber gefährlich für Schwimmer und Schiffe. «Wer jetzt im Rhein schwimmt, ist fast lebensmüde», sagt Thomas Schwitter, Chef der Basler Rheinpolizei. Eine Rettung würde unter diesen Umständen ausserdem nur verzögert durchgeführt werden können. Auch, weil eines der beiden Polizeiboote aus Sicherheitsgründen am Hafen und nicht wie sonst zwischen der Mittleren Brücke und der Johanniterbrücke steht.

Treibholz als Gefahr für Schlepper

Der Pegel war bis gestern zeitweise so hoch, dass der Basler Rheinabschnitt für die Schifffahrt gesperrt werden musste. Für Schwimmer gilt derselbe Grenzwert. Gefährlich bleibt es wegen des Schwemmholzes und der starken Strömung aber auch bei einem tieferen Pegel.

Die prekäre Lage bereitet derzeit vor allem den Kapitänen des Kleinbasler Kulturflosses Bauchschmerzen – und bringt sie unter Zeitdruck. Am Freitag um acht Uhr sollte das Floss von der Schwarzwaldbrücke, wo es liegt, an den Konzertstandort oberhalb der Mittleren Brücke gefahren werden. Doch Peter Baumann von der verantwortlichen Firma Walo Bertschinger AG sieht schwarz: «Wenn sich die Lage nicht verbessert, können wir es nicht riskieren.» Selbst, wenn der Pegel den Prognosen entsprechend weiter sinken würde, könnte man einen Transport nicht verantworten. Der Schlepper würde steuerunfähig, würde sich ein Baum oder anderes Treibgut im Antriebsmotor verfangen.

Ausserdem sei die Strömung derzeit noch zu stark für den Transport. Es ginge schliesslich nicht nur darum, das Floss von A nach B zu bringen: «Vor Ort müssen wir es am richtigen Platz positionieren, doch bei dieser Strömung ist es schwierig, das Floss stillzuhalten», sagt Baumann. Er rechne damit, den Termin auf Montag verschieben zu müssen. Eine Premiere zum halbrunden Geburtstag: In den 15 Jahren Kulturfloss kam so etwas noch nie vor.

Floss droht eine Hauruck-Aktion

Entsprechend besorgt ist Rolli Schaad. Der Produktionsleiter des Flosses ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die Licht- und Soundtechnik funktioniert. Normalerweise brauchen er und sein Team zwei Nächte, um die nötigen Installationen anzubringen. Nur nachts können die Verantwortlichen testen, ob das Licht richtig eingestellt ist. «Wenn wir das Floss aber erst am Montag herunter bringen können, wird es zeitlich sehr knapp», sagt er. Dann müsse er den «Kopfstand» machen.

Das Erste von insgesamt 17 Konzerten ist für kommenden Dienstag geplant. Im allerschlimmsten Fall müsste der Auftritt von «Moop Mama» abgesagt werden, sagt Schaad. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Konzert nicht durchgeführt wird, allerdings handelte es sich bei den anderen abgesagten Auftritten immer um solche, die während der knapp drei Wochen Flosszeit stattgefunden hätten und nicht am Anfang.

Grund war jeweils der zu hohe Rheinpegel, der es den Weidling-Fahrern verbot, die Bands vom Ufer aufs Floss zu bringen. Die Gefahr, dass der Rheinpegel den Grenzwert in den kommenden Tagen wieder übersteigt, schätzt Thomas Schwitter von der Rheinpolizei allerdings als sehr gering ein. Er ist aber darauf vorbereitet, die Floss-Abnahme nicht wie geplant morgen durchzuführen, sondern erst am Montag.