Kandertal

Hochwasser in Südbaden tötet Neunjährigen und einen Kajakfahrer

Sogar das Flüsslein Dreisam in Freiburg im Breisgau entwickelte sich wegen des vielen Regens zum reissenden Gewässer.

Sogar das Flüsslein Dreisam in Freiburg im Breisgau entwickelte sich wegen des vielen Regens zum reissenden Gewässer.

Im Kandertal waren 550 Einsatzkräfte auf der Suche nach einem Neunjährigen der in den Wollbach gefallen war – er konnte nur noch tot geborgen werden. In der Albschlucht bei Albbruck kam es zu einer dramatischen Rettungsaktion für einen Kajakfahrer - auch er überlebte das Drama nicht.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag fielen in Südbaden und im Schwarzwald bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Dies führte zu Hochwasser in zahlreichen Flüssen und kleinen Bächen, die zu reissenden Gewässern wurden. Es kam zu mehreren Unglücksfällen, bei denen zwei Menschen ums Leben kamen.

Am dramatischsten gestaltete sich die Suche nach einem Neunjährigen, der Sonntagmittag gegen 12 Uhr beim Spielen in Wollbach im Kandertal in den Wollbach gefallen war, der erheblich mehr Wasser als normal führte. Der Bub ging unter. Sein kleinerer Bruder, der mit ihm gespielt hatte, alarmierte darauf die Eltern, die sofort die Rettungskräfte zu Hilfe riefen, wie die Lörracher Polizei berichtet.

Am Sonntagnachmittag waren bis zum Eindunkeln 550 Einsatzkräfte im Einsatz – darunter auch zwei Hubschrauber der Rega sowie im Rahmen der Nachbarschaftshilfe drei Fahrzeuge und 13 Personen der Berufsfeuerwehr Basel, ein Feuerlöschboot und zwei Beiboote. Laut deutscher Polizei standen auch Polizeidienstellen aus der Schweiz und Frankreich im Einsatz.

Wassersperren an den Brücken

Wollbach liegt 20 Kilometer nordöstlich von Basel. Der Wollbach fliesst in die Kander und von dort in den Altrhein. Die Rettungskräfte bauten an jeder Brücke Wassersperren auf, da sie befürchteten, dass das Kind in den Altrhein gespült werden könnte. Die Berufsfeuerwehr Basel sicherte Sonntagnachmittag die Mündung der Kander. Auf dem Sportplatz in Wollbach wurden Kleidungsstücke des Bubs gefunden. Beim Eindunkeln war der Junge noch immer nicht gefunden worden.

Kleinere Gruppen von Einsatzkräften setzten die Suche die ganze Nacht fort. Am Montagmorgen wurde diese mit starken Kräften wieder aufgenommen. Gegen 8 Uhr entdeckten Feuerwehrleute eine leblose Gestalt in der Kander. «Taucher der Rettungswacht begaben sich daraufhin in das Wasser und bargen die leblose Gestalt untere schwierigen Bedingungen.»

Der vermisste Junge wurde 1,5 Kilometer von dem Ort, wo er ins Wasser gefallen war, gefunden. «Ein Arzt konnte nur noch den Tod des Jungen feststellen», so die Polizei. Sie geht von einem tragischen Unglücksfall aus, sperrte den Fundort ab und forderte Kriminaltechniker an. Die Staatsanwaltschaft Lörrach hat eine Obduktion beantragt.

Weiteres Unglück bei Waldshut

Zu einer dramatischen Rettungsaktion kam es auch in der Albschlucht bei Albbruck, das bei Waldshut zirka 50 Kilometer östlich von Basel liegt. In den Nachmittagsstunden des Sonntags kenterte dort ein Kanufahrer in der hochwasserführenden Alb. Am Mittag hatte laut «Badische Zeitung» eine Gruppe von acht Kajakfahrern trotz Hochwasser und des unberechenbaren Flusses die Fahrt aufgenommen. Drei brachen sie ab. Fünf von ihnen fuhren weiter. «In den Nachmittagsstunden kenterte ein Kanufahrer. Mehrere seiner Begleiter konnten den Verunglückten aus dem Wasser ziehen und erste Rettungsmassnahmen einleiten. Zwei weitere Kanufahrer konnten die Alb bis Albbruck abwärts fahren, um einen Notruf abzusetzen», so die Polizei.

Da die übrigen Kajakfahrer sich in «steilem, felsigem Gelände an der schwer zugänglichen Stelle, etwa 100 Meter unterhalb der Strasse, befanden», wie der Pressesprecher der Bergwacht Schwarzwald zur «Badischen Zeitung» sagte, musste ein Team der Schweizer Rega den schwer verletzten Mann mit einer Seilwinde aus der Schlucht holen. Der 32-jährige Mann wurde in ein Krankenhaus geflogen, wo er später seinen Verletzungen erlag. Die übrigen unverletzten Männer wurden samt ihrer Boote von vier Bergrettern, die sich abseilten, aus der Schlucht geholt.

Glimpflicher verlief ein Unfall auf der Dreisam in Freiburg, wo ein Kanufahrer kenterte, sich aber selber retten konnte.

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Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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