Mit 205 Metern und 50 Stockwerken wird der Bau 2, wie er bei Roche heisst, das höchste Bürohochhaus der Schweiz. Jürg Erismann, Leiter Standort Basel und Kaiseraugst, erklärt: «Deshalb ist das Hochhaus wohl auch so populär.»

Insgesamt drei Milliarden Franken werden bei der Gesamterweiterung des Roche Campus zwischen Rhein, Grenzacherstrasse und Wettsteinallee bis 2023 verbaut. Das zweite Hochhaus mit seinen 3000 Büroarbeitsplätzen, bei dem man mit dem Fundament begonnen hat, wird 550 Millionen Franken kosten. Allein das geplante neue Forschungszentrum wird mit 1,2 Milliarden Franken zu Buche schlagen. Die Grundfläche des zweiten Hochhauses ist mit 30 mal 60 Metern deutlich kleiner als die von Bau 1, des bestehenden, mit 30 mal 110 Metern.

Neue Hochhaus wird schlanker

Erismann verdeutlicht: «Weil es 30 Meter höher ist, wird das neue Hochhaus deutlich schlanker. Es erweckt den Eindruck, wie wenn die beiden Gebäude als Paar ineinander um 90 Grad verdreht sind. Das Ensemble scheint spannender und eleganter als der einzelne Bau 1.»
Ab Anfang 2019 wächst das neue Hochhaus langsam aus der Erde.

Es müsse aber erst die Höhe der umliegenden 40 Meter hohen Gebäude erreichen, ehe es wirklich sichtbar werde, erläutert Erismann. «Dann werden wir alle 14 Tage ein Stockwerk betonieren.» Zum Bau gehören auch mehrere Caféterien, Videokonferenzräume und Sitzungszimmer sowie im Untergeschoss 400 Veloabstellplätze mit Duschen und Garderoben.

Ein Auditorium und Personalrestaurant wie im Bau 1 fehlen im zweiten Hochhaus. Eine riesige steinerne Skulptur wie die von Fischli & Weiss vor Bau 1 wird es vor dem Bau 2 nicht geben. Erismann ist überzeugt: «Das Kunstwerk ist so präsent, das es auch als Aufhänger für Bau 2 dienen kann.» Das neue Hochhaus befindet sich auf der anderen Seite der Grenzacherstrasse direkt gegenüber von Bau 1. Überhaupt werde man mit der Kunst im neuen Bau dezent umgehen, gibt der Standortleiter preis.

An der Wettsteinallee entsteht noch bis 2019 für 245 Millionen Franken ein Gebäude für Tierversuche, wo Roche aber neu nur noch mit Nagetieren und Fischen forschen wird. Da der neue Bau 10 für die medizinischen Dienste bereits fertig ist, wird sich der Schwerpunkt der Bauarbeiten 2019 von der Wettsteinallee noch mehr in Richtung Grenzacherstrasse verschieben. «Im Jahr 2019 werden zehn Kräne auf dem Campus stehen», sagt Erismann.

Forschungszentrum 2023 fertig

Mehr am Herzen als das neue zweite Hochhaus liegen ihm die Forschungsgebäude 4 bis 7 in der Grenzacherstrasse. Hier wird gerade das alte Gebäude 74 abgerissen. Die vier Gebäude mit Laboratorien und Forschungszentrum sollen bis 2023 fertig sein und wie erwähnt 1,2 Milliarden Franken kosten.

«Für uns als Unternehmen bedeutet die Innovation und die Forschung den Kern unserer Zukunft», sagt Erismann. Das Forschungszentrum kann sich teils auch von der Höhe her sehen lassen: «Das vierte Gebäude wird 114 Meter hoch sein.» Das sind immerhin neun Meter mehr als der Messeturm mit 105 Metern. Unter dem Forschungszentrum wird es mitsamt Infrastruktur wie Duschen Abstellplätze für 1400 Velos geben.

Die derzeit grösste Baustelle befindet sich in der Grenzacherstrasse, wo das ehemalige unterirdische Parkhaus mit 900 Parkplätzen ein neues Fundament erhält und bis 2023 wieder eröffnet werden soll. Auf Ende Jahr soll beim Badischen Bahnhof für 19 Millionen Franken ein provisorische Parkhaus mit 650 Plätzen in Betrieb genommen werden. 2026 wird es wieder abgerissen.

Roche hält während der Bauarbeiten an seinem Mobilitätskonzept fest, dass nur Mitarbeiter, die mit dem öffentlichen Verkehr länger als 45 Minuten brauchen, Anrecht auf einen Park & Ride Platz haben. Erismann betont: «Den müssen sie dann aber auch bezahlen.» Derzeit gibt es unter anderem im Joggeli oder bei Endress und Hauser in Weil Friedlingen Park & Ride-Anlagen. Positiv habe sich der Bus 42 zum Bahnhof Basel SBB entwickelt. «Das ist wie eine S-Bahn light», findet Erismann.

Plädoyer für S-Bahn-Haltestelle

Grosses Potenzial sieht er für eine neue S-Bahn-Haltestelle Solitude. Der Kanton habe sie für 2023 in Aussicht gestellt, überhaupt sei der öV dessen Aufgabe. «Das wäre ideal für uns. Je früher desto besser.» Positiv sei auch eine neue Tramlinie durch die Grenzacherstrasse. Die Präferenz aber ist klar: «Die S-Bahn deckt unsere Bedürfnisse besser ab», so der Standortleiter. Die Anwohner, die einem Tram mehr als skeptisch gegenüberstehen, dürften das mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.

Die Beziehungen zur Nachbarschaft, die teilweise angespannt waren, haben sich laut Erismann normalisiert. «Wir haben Lärmschutzwände aufgestellt, Lärmschutzfenster und auch Entschädigungen für die Immissionen bezahlt.» Ausserdem gebe es ständige Ansprechpartner für die Anwohner. Erismann räumt aber ein: «Bei einer derartig grossen Baustelle geht es nicht ohne Lärm und Verkehr.»

Derzeit arbeiten in Basel 8300 Personen bei Roche – davon 2000 im neuen Hochhaus. Einen Zuwachs von bis zu 3000 Personen wird es mit Bau 2 geben. Erismann hofft, dass mit dem Mobilitätskonzept und der neuen S-Bahn-Haltestelle die Zahl der Mitarbeiter, die mit dem Auto kommen, gegenüber heute sogar abnehmen könnte.