Es summt wieder in den Basler Blumenbeeten. Nach weltweiten Meldungen über das mysteriöse Bienensterben ist die hohe Bienenpopulation in Basel eigentlich ein Grund zur Freude. Doch die vielen Bienen in Basel werden allmählich zum Problem.

«More than Honey» - Mehr als nur Honig. So heisst das Werk des Schweizer Dokumentarfilmers Markus Imhoof, das 2012 die Welt aufrüttelte: Die Bienen sterben in Massen. Eine Hiobsbotschaft, die apokalyptische Bilder vor Augen führt: Wirtschaftskollaps, Hungersnöte und vielleicht sogar das Ende der Menschheit.

Dieses Horrorszenario hat auch in der Schweiz viele «Bienen-Retter» auf den Plan gerufen. Zwar wurde die Region Nordwestschweiz in den letzten fünf Jahren weitgehend vom Bienensterben verschont, trotzdem kam es auch hier zu einem regelrechten Imker-Boom.

Basel sei eines der ertragreichsten Honiggebiete der Schweiz und ein attraktiver Standort für Imker, freut sich Marcel Strub, Leiter der Fachstelle Bienen. Auch Hanspeter Schwaiger, kantonaler Bieneninspektor, beobachtet enormes Interesse. Die jährlichen Imkerkurse sind massiv ausgebucht, die Zahl der Basler Hobby-Imker liegt zurzeit bei 800 bis 850. «Mehr verträgt es aber nicht», sagt Schwaiger.

Fehlendes Know-how schadet

Unter den Imkern werde die hohe Bienenzahl unterschiedlich beurteilt, meint Strub: «Manche halten die Grenze für überschritten, andere freuen sich über die vielen Bienen.» Richtlinien darüber, wie viele Bienenstöcke pro Quadratmeter sinnvoll oder erlaubt sind, gibt es keine. Wie viele Bienen es in einer Region geben soll, sei abhängig vom Nahrungsangebot: Grundsätzlich seien mehr Bienen zu begrüssen, meint Strub. Aber nur, solange sie nicht in Nahrungskonkurrenz stehen würden.

Für Schwaiger steht aber fest, dass dies, wenn es nicht schon der Fall ist, zumindest kurz bevorstehe. Die Zahl der Bienen zu beschränken, hätte aber, laut Schwaiger, noch weitere Gründe. Er mahnt: «In einem Gebiet mit zu hoher Bienendichte wird ein kranker Stock schnell zur Gefahr für die Gesunden». Vor allem dann, wenn die Bienenhalter weder etwas über die Krankheit, noch über deren Bekämpfung wissen.

Zurzeit gäbe es keine ansteckenden Krankheiten unter den Basler Bienen, aber morgen könnte es schon anders aussehen, ist er sich bewusst: «Wer dann nicht in einem Verein ist, ist nicht rechtzeitig über Epidemien informiert und reagiert falsch». Das sei bei vielen Hobby-Imkern der Fall, beobachtet Remigius Hunziker, Präsident des Imkervereins Basel. Sie würden den Zeitaufwand und die notwendigen Kenntnisse unterschätzen: «So einfach wie auf dem Bildchen im Handbuch ist es eben nicht.» Die Imkerkurse seien zwar ausgebucht, das Interesse hoch. Trotzdem gäbe es noch immer viele Laien-Imker ohne Ausbildung und Vorwissen.

Keine Mittel gegen wilde Imker

Bisher stiess die Forderung des Imkerverbands nach einer Pflicht-Ausbildung nicht auf offene Ohren: Im Mai hat sich der Bundesrat gegen einen obligatorischen Fähigkeitsausweis für Imker - und gegen die Expertenempfehlung - ausgesprochen. Bis die Lage in ein paar Jahren nochmals geprüft wird, könne auch kantonal keine Regelung eingeführt werden, bedauert Schwaiger.

Gegen die Wild-Imker gibt es bisher nur eine Massnahme: Imkern, die ihre Bienen nicht artgerecht halten, drohen Bussen. Anzahl und den Standort der Bienenstöcke muss ein Imker beim Kanton melden. Mehr als Empfehlungen aussprechen kann dieser aber nicht.

Der Bieneninspektor sucht inmitten der Stadt nach kreativen Lösungen für den Dichtestress. Weit weg von Spielplätzen und in der Nähe einer Lindenallee seien die Bienenstöcke auf dem Theaterdach beispielsweise ein Glücksfall, meint er. Doch der Platz für solche Glücksfälle sei beschränkt.

Zurzeit sei es deshalb ungünstig, ins Honiggewerbe einzusteigen. Das Maximum an Imkern ist erreicht, zusätzliche Bienenstöcke sind kontraproduktiv. Wer den Bienen tatsächlich helfen wolle, so Schwaiger, solle in seinem Garten Nektar und Pollen spendende Blumen pflanzen. Nur so hätten die vielen Bienchen in Basel auch eine realistische Überlebenschance.