Acht junge Anwälte haben Grund zum Feiern. Sie haben vorgestern die Anwaltsprüfung in Basel-Stadt bestanden. Die Kandidaten haben nach einem Master-Abschluss juristische Praxiserfahrung gesammelt, eine fünftägige Hausarbeit durchgeführt, zwei elfstündige Klausuren und fünf mündliche Prüfungen von je einer halben Stunde Dauer absolviert.

Das Anwaltsexamen gilt als streng: Geprüft werden das eidgenössische und kantonale Staats-, Verwaltungs-, Zivil- und Strafrecht, das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht sowie das Zivil-, Straf- und öffentliche Prozessrecht. An dieser Stofffülle und an der geforderten Tiefe scheitern jedes Jahr etwa die Hälfte der Prüflinge. Dieses Jahr sind sogar 12 von 20 Kandidaten durchgefallen.

«Die Prüfungen waren schon immer streng», äussert sich ein erfahrener Anwalt, der nicht genannt werden möchte. «Die Hürde ist so hoch, damit die Qualität aufrechterhalten werden kann.» Den ab und zu gehörten Vorwurf, die Prüfungskommission betreibe Marktabschottung, entkräftet er mit dem Argument, dass das Examen nach Vorgaben der Universität und der Gerichte durchgeführt werde und nicht dem Einfluss der konkurrierenden Anwälte unterliege.

Diese Sicht bestätigt Bruno Lötscher, Präsident der Prüfungskommission und des Zivilgerichts. Die Prüfungsbehörde setze sich aus zwei Universitätsprofessoren, der Strafgerichtspräsidentin, dem Zivilgerichtspräsidenten und nur einem Vertreter des Anwaltsverbandes zusammen. Sämtliche Prüfungen werden gemäss Lötscher immer direkt vom jeweiligen Examinator und dem Experten – allesamt renommierte Fachleute – zusammen beurteilt. Lötscher betont: «Es gibt keine vorher festgelegte Durchfallquote.»

Einem Laien stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine solch strenge Selektion erst gegen Ende der Ausbildung sein mag. Wäre es nicht besser, bereits im Jus-Studium oder – noch früher – am Gymnasium dafür zu sorgen, dass weniger Anwärter zu Abschlussexamen gelangen, denen dann der Berufseinstieg verwehrt werden muss?

«Diese Frage ist wohl falsch gestellt», erklärt der Zivilgerichtspräsident und oberste Prüfungsverantwortliche. Das Jus-Studium öffne die Tür für viele Berufe, Anwalt sei nur einer davon. Insofern finde die Selektion zu Beginn der Berufslaufbahn statt. Das Versagen an einer Anwaltsprüfung sei jedoch belastend für die Prüflinge. Drei der acht Kandidaten, die am Montag bestanden haben, sind bereits zum zweiten Mal angetreten. Der Druck, beim zweiten Mal zu bestehen, werde als besonders hoch empfunden.

Das wissen auch die Prüfenden – und die Politiker: Grossrat David Jenny und Landrat Hans Furer haben bei den Regierungen von Basel-Stadt und Baselland eine gleichlautende Motion eingereicht, welche die Regelungen der Anwaltsprüfungen koordinieren möchte. Sind der Grosse Rat in Basel und der Landrat in Liestal damit einverstanden, dann wird künftig die Hürde zum Anwaltsberuf zwar gleich hoch bleiben, aber die Prüflinge dürfen neu maximal drei statt wie bisher zwei Anläufe nehmen, um sie zu überwinden.