Allan Stewart Konigsberg war ein süsses, glückliches Kind. Bis er im Alter von etwa fünf Jahren erfuhr, dass alle Menschen, also auch er, sterben müssen. Das hat ihn tödlich gekränkt. Eigentlich war er bereits von da an Woody Allen – der komische Traurige, der intellektuelle Stadtneurotiker, der ewig linkische Grübler.

In «Annie Hall» wird Allens Alter Ego Alvy Singer als Neunjähriger (ein Rothaariger mit schwarzer Hornbrille) von seiner Mutter zum Psychiater geschleppt. Der Sohn sei deprimiert, da sei etwas, das er gelesen habe. Das Universum dehne sich aus, erklärt Alvy, also werde es eines Tages wieder zusammenbrechen und alles werde zu Ende gehen. «Er hat aufgehört, seine Hausaufgaben zu machen», klagt die Mutter. Klein Alvy antwortet: «What's the point?»

So, schon von Kind an der finstersten Wahrheit ins Auge blickend, stellt Woody Allen sich dem Tod und anderem Unbill mit seinem ureigenen Humor. Auch wenn seine Figuren am Boden liegen – beziehungsunfähig, mittellos, erfolglos, feige, sterblich, generell allzu menschlich – so reichen manchmal ein paar gute Sprüche, und die Situation wird wieder lohnend. Zumindest für den Zuschauer.

Seit 40 Jahren jährlich ein Film

Woody Allen sei nicht normal, nicht von dieser Welt, sagt im Dokumentarfilm «Woody Allen» seine Filmpartnerin aus «Manhattan», Mariel Hemingway. Verrückt fleissig ist er auch. Seit er 16 sei, verdiene er mehr als seine Eltern, heisst es im Dokfilm – dort wird auch seine Kindheit dokumentiert.

Mit Anfang 20 schrieb Allen bereits für die grössten amerikanischen Unterhaltungsshows Gags und trat – zuerst hoffnungslos aber zunehmend erfolgreicher – selbst als Komiker in New Yorker Clubs auf.

Sein Debüt als Filmschauspieler und Drehbuchautor gab er in «What's New, Pussycat» (1965). Doch offenbar wurde seine Vorlage stark verändert. Das ärgerte ihn dermassen, dass er sich schwor, fortan dafür zu sorgen, die komplette Kontrolle über seine Filme zu haben. Er wurde Regisseur. «Take the Money and Run» (1969) gilt als sein erster, wirklich eigener Film.

Seither bekommen wir jährlich unseren neusten Woody Allen. Drehbuch schreiben, drehen, schreiben, drehen. Das tut der Mann nun seit 40 Jahren. Unermüdlich, unbeirrt, gute wie schlechte Kritiken ignorierend. Er macht einfach weiter. Wie eine Filmmaschine.

Das Stadtkino Basel ehrt einen der grössten lebenden Filmemacher mit einer Hommage. Es zeigt im Dezember 14 seiner besten Filme. Los geht es am 1. Dezember, das ist auch Woody Allens 78. Geburtstag, mit seinem eigentlichen Erstling «Take the Money and Run». Parallel läuft in anderen Kinos Allens neustes Werk «Blue Jasmine».

Zweite Filmreihe: Happy Ends

Hinter Woody Allens Tragikomik schimmert stets das Glück des Daseins hindurch. Umgekehrt sei es bei vielen Filmen, die glücklich enden. Filmspezialist Johannes Binotto argumentiert in seinem Essay «Zur Verteidigung des Happy Ends!», dass dieses sich als «faszinierend doppelbödige Konstruktion» erweise: «Indem es sich als offensichtliche Fiktion herausstellt, lässt es die dahinter sich verbergende Tragik doch hindurchschimmern.» Es sei also ungerecht, dass das Happy End als heuchlerisch oder kitschig verrufen sei (Vortrag im Stadtkino am 2.12., 19.45 Uhr).

Mit Binotto verteidigt auch das Stadtkino das Happy End (Anglizisten machen gern darauf aufmerksam, dass es korrekt «Happy Ending» heissen müsste). Es zeigt, ebenfalls im Dezember, zwölf schöne Beispiele, darunter den wunderbaren Weihnachtsklassiker «It's a Wonderful Life».

Woody Allen lebt in einem Happy End. Er ist glücklich verheiratet, hat mehrere glückliche, süsse Kinder, ist ein weltberühmter Regisseur und ein talentierter Klarinettist. Er habe alles im Leben erreicht, was er erreichen wollte, sagt er selbst am Ende des Dokfilms über ihn, fügt aber gleich verwundert hinzu: «Why do I feel that I got screwed somehow?»

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