Hooligan-Konkordat
Hooligan-Konkordat: Dürr wehrt sich gegen den Druck von aussen

Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr stellt Forderungen an Baschi Dürr. Da die Zürcher mit 85 Prozent Ja-Stimmen dem Hooligan-Konkordat zugestimmt hätten, müssten nun auch die Basler nachziehen. Dürrs Amtskollegen fordern auch eine Zustimmung.

Nicolas Drechsler
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Gewalt bei Fussballspielen ist zurzeit ein heisses Thema. Hier beim Spiel FC Lausanne gegen Servette im Mai 2013.

Gewalt bei Fussballspielen ist zurzeit ein heisses Thema. Hier beim Spiel FC Lausanne gegen Servette im Mai 2013.

«Baschi Dürr muss dafür sorgen, dass in Basel über das Konkordat abgestimmt wird», sagte Fehr den Medien (bz von gestern). Nur, so einfach ist das nicht. Die Basler Regierung hat bereits, wenn auch ohne Begeisterung, dem Grossen Rat empfohlen, das Konkordat anzunehmen.

Verfassungsrechtlich unmöglich

Baschi Dürr hält fest: «Im Kanton Basel-Stadt ist es nicht möglich, eine Vorlage am Parlament vorbei direkt vors Volk zu bringen. Genauso wenig wie in Zürich», und dass der Grosse Rat die Vorlage ablehnen wird, ist so gut wie sicher, sind doch 56 der 100 Grossräte Mitglied im Komitee gegen das Konkordat.

Ein Referendum wäre also nur möglich, wenn der Grosse Rat, gegen seine Überzeugung, zustimmen würde und den Beschluss dem obligatorischen Referendum unterstellen würde. Oder wenn sich jemand findet, der in Basel auf der Strasse Unterschriften sammelt für eine Initiative zugunsten des Referendums.

Dass nach dem Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser nun auch der Zürcher Mario Fehr Basel unter Druck setzt, dazu will Baschi Dürr nichts sagen: «Ich möchte nicht öffentlich einen Regierungskollegen aus einem anderen Kanton kommentieren.»

Einmischung unerwünscht

SP-Grossrat und Fanarbeiter Thomas Gander hat weniger Hemmungen: «Wir haben uns in Zürich nicht eingemischt, nun sollen sich auch Zürcher Exponenten hier nicht einmischen», sagt der Konkordatsgegner. Dass Fehr erklärte, Basel nehme es in Kauf, «ein Hort der Gewalt zu werden», stösst Gander sauer auf: «Wir haben seit 2009 keinen grösseren Zwischenfall mehr in Basel gehabt. Dass wir nun zum ‹Hort der Gewalt› werden sollen, ist abstrus.»

Etwas vorsichtiger geworden ist ein anderer Gegner des Konkordats, SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser. Er konstatiert in einer Medienmitteilung: «Es gibt ein Kommunikationsdefizit zwischen Fans, Behörden, Politikern und Fussballveranstaltern in Basel-Stadt einerseits und den übrigen Fussball-Standorten in der Schweiz auf der anderen Seite.»

Nun fordert Ueberwasser eine «Lagebeurteilung» und eine Kommunikationsoffensive von Basler Seite her, damit nicht noch mehr freundeidgenössisches Geschirr zerschlagen wird.

Das sei auch die Motivation der Regierung gewesen, für eine Zustimmung zu plädieren, so Dürr: «Wir haben die Verschärfung in der Regierung verabschiedet und dem Grossen Rat zur Zustimmung empfohlen. Wir betonen in der Vorlage ja auch, das geschehe im Interesse einer gesamtschweizerischen Regelung.»

Und Ueberwasser warnt vor einer Blockade durch ein «rasches und trotziges Nein».

Nüchterne Basler

Das befürchtet Gander nicht. Im Gegenteil, er habe das Gefühl, in Basel laufe die Debatte über die schärferen Regeln bei Fussball- und Eishockeyspielen deutlich gelassener ab als andernorts in der Schweiz: «Dieser Druck ist Zeichen für die Emotionalität der Diskussion. Wir sollten uns davon nicht anstecken lassen.» Aber einen Grund, nun für das Konkordat zu sein, sehe er nicht.

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