Die Gewalt soll aus dem Fussball verschwinden. Das war das Grundanliegen aller Teilnehmer der Podiumsdiskussion gestern Abend in der Aula der Uni Basel. Von FCB-Präsident Bernhard Heusler über den Basler Polizeikommandanten Gerhard Lips, SP-Grossrat Tobit Schäfer, der sich im überparteilichen Komitee gegen das Hooligan-Konkordat engagiert, und Fanarbeiter und Basler SP-Grossrat Thomas Gander sowie den Berner Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser waren sich alle einig, dass Vorkommnisse wie jene 2006 im St.-Jakob-Park, als FCZ-Fans Pyros in die Zone der heimischen Fans warfen, möglichst verhindert werden sollen.

Die Frage war: Wie soll das gehen? Käser, der sich als einziger Podiumsteilnehmer vehement für die Verschärfung des bereits bestehenden Konkordats einsetzte, hatte einen schweren Stand. Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt. Über 450 Interessierte fanden sich ein, darunter erwartungsgemäss viele FCB-Fans, die ihrem Unmut über die Verschärfung des Konkordats Luft machten und Käser in der geöffneten Diskussionsrunde ins Kreuzverhör nahmen. Auch Gander und Schäfer sprachen sich gegen die Verschärfung aus. «Es wird weiterhin zu Gewalt im Fussball kommen, ob mit oder ohne Verschärfung. Das ist die gesellschaftliche Situation», sagte Schäfer.

Auswärtsspiele als Problem

Dabei wären die Basler Fans in ihrem Heim-Stadion kaum von weiteren Massnahmen betroffen, würden der Grosse Rat und der Baselbieter Landrat der Verschärfung des Konkordats zustimmen. Das Problem liegt hauptsächlich in den Auswärtsspielen, wo die FCB-Fans «der Willkür der Sicherheitsleute ausgeliefert sind», betonten einige aus dem Publikum. «Die Fanarbeit und die Zusammenarbeit in der Sicherheit sind hier in Basel auf dem richtigen Weg», betonte auch Heusler. Unterstützt wird er von Lips: «Wir sind in ständigem Dialog mit den Verantwortlichen des FCB vor den Spielen und sind dementsprechend jeweils gut vorbereitet.» Die Vorteile in Basel sind auch, dass auch die Fans und die Fanarbeiter in den Dialog mit einbezogen werden. Vieles wird in Basel bereits so gemacht, wie es die Verschärfung des Konkordats fordert.

Gewalt nicht endgültig im Griff

Obwohl man in Basel auf einem guten Weg ist, was die Sicherheit im Stadion betrifft, wies Heusler darauf hin, dass man die endgültige Lösung für die Gewaltproblematik auch hier nicht gefunden hat. Er erwähnte die Probleme bei der Kontrolle der Auswärts-Fans, welche jeweils auf ein massives Aufgebot an (oft privaten) Sicherheitsleuten treffen. Dies ist auch Gander ein Dorn im Auge. Seine Forderung lautete daher: «Weniger repressive Massnahmen und weniger Sicherheitspersonal.» So würden sich die Fans weniger provoziert fühlen, was automatisch weniger Gewalteskalationen zur Folge hätte.

Ungelöst ist auch die Alkohol-Problematik ausserhalb des Stadions. Hinweise aus dem Publikum haben gezeigt, dass betrunkenen Personen Einlass ins Stadion gewährt wird, obwohl dies offiziell nicht erlaubt wäre. Ein Verkaufsverbot alkoholischer Getränke rund ums Stadion steht zur Diskussion. Dieses müsste kantonsübergreifend stattfinden, was die Situation erschwert. «Hier würde die Verschärfung Abhilfe verschaffen», sagte Lips. «Dann wäre es für alle Kantone gleich.»