Stadtentwicklung

Horrende Mieten im Lysbüchel – erste Interessenten springen ab

325'000 Franken jährlich will der Kanton für das grösste Eventlokal Basels. Ein möglicher Mieter sprang bereits ab.

Der Zeitplan ist straff. Ab 2020 sollen Mieter an der Elsässerstrasse 209 und 215 einziehen – so lautet das Ziel von Immobilien Basel-Stadt. Das Lysbüchel-Areal soll allmählich zum Leben erweckt werden. 2018 hatte das Basler Stimmvolk den Bebauungsplan für das 11,7 Hektaren grosse Areal gutgeheissen. Geplant ist ein ganz neuer Stadtteil mit 2000 bis 3000 Arbeitsplätzen und 1300 bis 1900 Wohnungen. Daneben, so die Wunschvorstellung, wird sich eine Kulturszene im Lysbüchel entfalten können.

Die Pläne sind hochtrabend. Im Zentrum der Überlegungen steht eine Eventlocation, die ihresgleichen in Basel sucht. Wie der gestern veröffentlichten Baupublikation zu entnehmen ist, soll ein Lokal für rund 1500 Besucher entstehen – auf 2500 Quadratmetern. Es handelt sich um eine sanfte Renovation der bereits bestehenden Halle an der Elsässerstrasse 215. Für rund 600'000 Franken sollen die Räumlichkeiten ausgebaut werden. Die Nebenräume werden mit Kalksteinwänden abgetrennt, die Böden ausgebessert, neue Toiletten installiert.

Ideal für Hochzeiten, Kongresse und Messen

Doch wer soll dereinst hier einziehen? Angedacht war die Eventzentrale GmbH, die eigens für den Betrieb der Eventhalle gegründet worden war. Geschäftsleiter ist Chris de Angelis, der sich mit der Kunstmesse Volta einen Namen gemacht hat. Er war gewillt gewesen, die Halle als Mieter zu übernehmen. Er kennt die Räumlichkeiten. Die Volta führt er jeweils in diesem Gebäude durch – während der Art Basel.

De Angelis war anfänglich optimistisch. «Die Halle hätte sich geeignet für Messen, Kongresse oder grosse Hochzeiten», sagt de Angelis. Als «Fernziel» formuliert er einen dauernden Betrieb analog zum City Beach, das vor einigen Jahren die Markthalle in eine Riesenbar verwandelte. Für Chris de Angelis ist die Eventhalle eine Marktlücke: In dieser Grösse würde sich sonst nichts finden in Basel. Doch diese Träume hat de Angelis begraben. Der Grund: Der Kanton Basel-Stadt habe zu viel Mietzins verlangt – jährlich 325'000 Franken plus Unterhaltskosten. «Das ist viel zu viel. Frühestens nach drei, vier Jahren könnten wir das stemmen», sagt de Angelis – und dies auch nur, wenn die Eventhalle gut ausgelastet sei. Die Eventzentrale GmbH wäre unter dieser Last schon im ersten Jahr zugrunde gegangen. Immobilien Basel-Stadt wollte gestern auf diese Mietzinsforderungen nicht eingehen. Genauso wenig wollte deren Sprecher Christian Schuster Fragen dazu beantworten, inwieweit die Verhandlungen mit anderen potenziellen Mietern vorangeschritten sind.

Im Untergeschoss ist eine Disco angedacht

Die Idee ist, dass das Haus zu einem Kulturzentrum wird. In den Untergeschossen 1 und 2 der Elsässerstrasse 215 ist eine riesige Disco angedacht. Kolportiert wird, dass der Technoclub Nordstern dort einziehen will. Ob es dabei auch Streitigkeiten um die Miete gibt, ist indes unklar. Weder die Nordstern-Verantwortlichen noch Immobilien Basel-Stadt äussern sich zu möglichen Verhandlungen.

Dass dem Lysbüchel bereits ab diesem Sommer kulturelles Leben eingehaucht wird, scheint unter diesen Umständen aber nicht realistisch.

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