Das Lokal befindet sich an bester Passantenlage. Die Streitgasse verbindet die Freie Strasse mit dem Barfüsserplatz, dem Herzen Basels. Im Haus mit der Nummer 5 bot bis im Mai 2018 der Confiseur Beschle Gipfeli, Cappuccino, Prosecco und weiteren Schmaus an. Seit der Geschäftsaufgabe steht der Laden, der sich im selben Gebäude wie das Grand Café Huguenin und das «Des Arts» befindet, leer. Seit vier langen Monaten. Warum bloss?

Vonseiten der Hauseigentümerin, der Zürich Versicherung, wird dafür kein konkreter Grund angegeben. Mediensprecher David Schaffner sagt dazu lediglich: «Das Konkursverfahren um die bisherige Mieterin ist noch nicht abgeschlossen.» Man sei mit mehreren möglichen Mietern im Gespräch: «Im Interesse der Versicherten wird Zurich Schweiz die Fläche so bald wie möglich neu vermieten.» Nachfragen lässt er unbeantwortet. Etwa, bei welchem Betrag der Mietzins für das Lokal mit einer Fläche über 50 Quadratmetern angesetzt wurde. Nur, dass es sich dabei um marktübliche Konditionen handle.

Quadratmeterpreis: 2000 Franken

Es gibt tatsächlich mehrere Interessenten für den Laden. Oder wohl vielmehr: es gab Interessenten. Wer mit dem Gedanken geliebäugelt hat, an die Streitgasse 5 zu ziehen, wurde vom hohen Mietzins, der verlangt wird, vergrault.

Die bz hat sich in der Gastroszene umgehört: Laut verschiedenen Exponenten handle es sich um einen «horrenden» jährlichen Quadratmeterpreis. Entsprechende Angaben liegen zwischen 1750 und 2000 Franken, was bei der Fläche einen monatlichen Mietzins über 10 000 Franken ergibt. Beschle bezahlte dem Vernehmen nach noch einen Quadratmeterpreis über 1600 Franken.

Ein Gastro-Unternehmer sagt dazu: «Das ist einfach nur noch Wucher, es geht denen um nichts anderes als die Rendite. Mit dem Verkauf von Gipfeli holst Du das nie im Leben rein.» Jedenfalls nicht ein lokaler Anbieter. Mathias Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt, konstatiert: «Angesichts des eher hohen Mietzinses ist es aktuell nur realistisch, dass tendenziell ein nationaler oder internationaler Anbieter einziehen wird.»

Der Immobilien-Unternehmer Gabriel Zekry, der seit zwei Jahrzehnten im Raum Basel Ladenlokalitäten an nationale und internationale Player wie Inditex (Zara, Zara Home, Massimo Dutti), H&M und Mango vermittelt, sieht das anders: «Die Retail-Mietpreise sind derzeit allgemein zu hoch, angesichts der stetig sinkenden Umsätze im stationären Handel um 20 bis 30 Prozent.» Sie stünden in keinem Verhältnis zur aktuellen Entwicklung, die das Einkaufen im Internet mit sich bringe, so Zekry. «Damit dürfte es sogar schwierig werden, eine internationale Marke vom Beschle-Laden zu überzeugen.» Dass wieder ein Food-Anbieter einzieht, schliesst er aus. «Wenn, dann eine Bekleidungsmarke, eine Parfümerie oder Ähnliches.»

Eine Preisblase – oder doch nicht?

Allerdings gibt Zekry zu bedenken, dass viele internationale Topmarken derzeit am Darben seien. Als Beispiel nennt er die erst kürzlich pleite gegangene italienische OVS, die den Laden am Barfi dicht machen musste. «Warum gibt es so viele Leerstände in der Stadt? Warum steht etwa der ehemalige Mango-Laden an der Freien Strasse seit zwei Jahren leer? Viele Brands können sich das einfach nicht mehr leisten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Preisblase bei Retailflächen in Basel platzt.»

Die Freie Strasse ist in der Tat ein noch teureres Pflaster als die Streitgasse. Hier betragen die aktuellen Spitzenmieten 3500 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Das zeigen Daten der Immobilienberatungsfirma Wüest Partner. Im Vergleich mit Zürich (9300 Franken) und Genf (5400 Franken) ist das zwar moderat, aber: Während die Preise für Ladenflächen schweizweit ins Rutschen geraten sind, steigen sie in Basel noch leicht an. Robert Weinert von Wüest Partner erklärt: «Dies hat mit der guten wirtschaftlichen Entwicklung zu tun. Das bewirkt eine hohe Kaufkraft, die Basel für internationale Marken attraktiv macht. Ich denke nicht, dass es sich hier um eine Preisblase handelt.»

Längerfristig aber geht Weinert davon aus, dass die Basler Mietpreise unter Druck geraten: «Angesichts des florierenden E-Commerce gestaltet es sich für die Brands immer schwieriger, auf den Verkaufsflächen ausreichend Umsätze zu generieren. Die Nachfrage nach solchen Flächen wird deshalb zurückgehen.»