Hotellerie

Hotelkette Ibis stellt mit Tiefstpreisen den Basler Markt auf den Kopf

Das Ibis Budget steht noch nicht ganz. Bis Anfang September wird an der Grosspeter-Kreuzung kräftig gebaut.

Das Ibis Budget steht noch nicht ganz. Bis Anfang September wird an der Grosspeter-Kreuzung kräftig gebaut.

Basel birgt viel Potenzial für die Hotellerie. Die Messen locken zahlreiche Gäste ans Rheinknie. Trotzdem ist die Hoteldichte überschaubar. Im September eröffnet am Grosspeter ein Hotel fürs kleine Budget. Die Konkurrenz ist nicht glücklich darüber.

Für 75 Franken in Basel übernachten. Zu dritt, in einem Zimmer. Das ist keine Traumtänzerei, sondern ab September ein festes Angebot in der Basler Hotellerie. An der Grosspeter-Kreuzung entstehen mit dem Ibis Budget (2 Sterne) und dem Novotel (4 Sterne) zwei neue Hotelbauten. Ersteres wird mit einem Zimmerpreis ab 75 Franken vor allem junge Touristen anziehen – und Business-Leute, denen die Firma das Spesenbudget gekürzt hat.

Hoteldirektor Robin Deb weiss, dass er mit anderen Unterkünften, die ebenfalls mit preiswerten Übernachtungsmöglichkeiten handeln, in Konkurrenz tritt. «Wir mischen den Markt auf.» Basel habe ein grosses Potenzial, Übernachtungen zu generieren mit den vielen Messen, die hier stattfinden, den 70 Flugzeugen, die täglich am Euro-Airport landen, und dem Dreiländertourismus.

Beispiel Baselworld: «Die Gäste aus aller Welt müssen Hotels in Zürich, Deutschland oder Frankreich buchen. Und Anlässe, die mehrere tausend Besucher in die Schweiz holen, finden in anderen Städten statt, weil Basel gar keine Kapazität an Übernachtungsmöglichkeiten hat.» Deb kann nicht verstehen, weshalb hier nicht schon längst eine Hoteldynamik stattgefunden hat, wie er sie nun in die Hand nimmt.

Problem für das Backpack

Was Hoteldirektor Deb mit seinem Ibis Budget möglicherweise Erfolg bringt, kann für die anderen Basler Low-Budget-Unterkünfte zum Problem werden. Stefan Warschke, Teilhaber am Hostel Backpack an der Dornacherstrasse, ist nicht glücklich über die Situation am Grosspeter. Bei ihm kostet eine Übernachtung im Doppelzimmer inklusive Bad 129 Franken, ein Bett im gemischten Schlafsaal – mit acht Betten – 32 Franken pro Nacht. Zumindest beim Doppelbett kommt er im Vergleich schlecht weg. Aber: Das Backpack ist ein Boutique-Hostel, jedes Zimmer ist individuell gestaltet. «Wir hoffen, dass wir uns von anderen Angeboten abheben. Und, dass das Ibis Budget auf unsere Reservierungen keine Auswirkungen hat.»

Christine Waelti von Basel Tourismus erkennt in der Basler Entwicklung in Sachen Billigübernachtungen nichts Schlechtes. «Die Möglichkeit, im Ibis Budget zu niedrigen Preisen schlafen zu können, ist nicht zwingend eine Verdrängung von einem Hotel zum anderen. Es kann auch eine tolle Ergänzung zum sonstigen Angebot in Basel sein.» Es sei möglich, dass die Anzahl Touristen im Low-Budget-Segment aufgrund von Ibis Budget gesamthaft ausgeweitet werde. Hinzu kommt die Tatsache, dass Touristen je länger, je mehr günstig nach Basel reisen können, fügt sie an. «Diese suchen oft Angebote, mit denen sie preiswert übernachten und somit den gesamten Aufenthalt günstig gestalten können.»

Ausgebucht wegen EM-Spiel

Auch keine Bedenken zum Neubau vom Ibis Budget hat Valérie Stucki vom Easy Hotel am Basler Riehenring. «Ich finde es gut, dass es noch andere günstige Hotels gibt.» In ihrer 25-Zimmer-Unterkunft kostet eine Nacht von heute auf morgen 75 Franken, eine Nacht im Dezember 59 Franken. Das Prinzip des Easy Hotel funktioniert genauso wie das der dazugehörenden Fluggesellschaft Easyjet: Je früher man bucht, umso billiger ist die Nacht.

Wie auch immer die Hoteldynamik in Basel ihren Lauf nimmt: Anfang September eröffnet Robin Deb sein Ibis Budget. Die Nachfrage ist da, zumindest um den 8. September herum. An diesem Abend nämlich spielt die Schweiz gegen England im Joggeli das erste Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft 2016. Das Hotel ist heute schon ausgebucht. «Dieses Spiel ist ein guter Test für uns», sagt Deb.

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