Hotellerie
Der «Märthof» in Basel ist eingeweiht: Die Erwartungen an das 4-Sterne-Hotel im Herzen der Stadt sind gross

Das historische Gebäude öffnet nach fast zwei Jahren Bauzeit wieder seine Tore. Die zur Coop-Gruppe gehörende «Bâle Hotels» sorgt mit 68 Zimmern und dem Restaurant Bohemia, das als Begegnungsort gedacht ist, für einen neuen Glanzpunkt am Marktplatz. Wir nehmen Sie mit auf einen Rundgang.

Rahel Empl
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Grandiose Aussicht: Die Dachterrasse ist aber nur für Hotelgäste und gebuchte Anlässe geöffnet.

Grandiose Aussicht: Die Dachterrasse ist aber nur für Hotelgäste und gebuchte Anlässe geöffnet.

Juri Junkov

«Vor rund zwei Stunden ist die Dachterrasse fertig geworden. Quasi in letzter Sekunde», sagt Martin von Bertrab - und strahlt. Der Chef von «Bâle Hotels» hat sich neben einem der grossen Sonnenschirme postiert; diese seien noch am Morgen installiert worden. «Jetzt sind wir bereit für alles Schöne, das hoffentlich kommt.» Von Bertrab kann das mit einem gewissen Mass an Unbeschwertheit sagen. Die Aussichten für sein frisch eröffnetes Hotel Märthof sind trotz der Coronakrise, die viele andere Häuser darben lässt, gut.

Nicht nur im wahrhaftigen Sinne, wenn man von der Dachterrasse aus auf den Marktplatz sowie auf einen grossen Teil der Basler Altstadt blickt und in der Ferne sogar den Gempen erspäht. Auch im übertragenen: In 20 Monaten hat das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner den historischen Märthof mit seiner unverkennbaren Neubarock-Fassade aus dem Jahr 1897 von Grund auf saniert und zu einem wahrlich hübschen Boutique-Hotel auf fünf Etagen mit 68 Zimmern, einem Wellnessbereich und dem Restaurant Bohemia aus- und umgebaut, das nun trotz Pandemie auf grosses Interesse stösst.

Bald kommt hier viel Leben rein: Die Bar des Restaurants Bohemia.

Bald kommt hier viel Leben rein: Die Bar des Restaurants Bohemia.

Juri Junkov

Das 4-Sterne-Haus trumpft mit einer freigespielten Fassade, grosszügigen Fensteröffnungen und einem Innendesign aus Eichenholz, Marmor und Stahl sowie Samt und goldenen Elementen im Art-Déco-Stil auf. «Ein bisschen wie ein Märchenschloss», sagt von Bertrab dazu.

Ein bisschen wie ein Märchenschloss: Die Fassade des «Märthof».

Ein bisschen wie ein Märchenschloss: Die Fassade des «Märthof».

Juri Junkov

Nichts erinnert mehr an die vergangenen Jahre, als der Elektronikfachhändler Interdiscount (gehört auch zu Coop) eine Filiale betrieb und das schmucke Gebäude ein Schattendasein fristete. Jetzt ist vielmehr Genuss und Party angesagt, das pure Leben halt: Das «Bohemia» mit einer fünf Meter langen Bar, dessen Terrasse direkt an den Marktplatz anknüpft, sei explizit als Begegnungsort auch für die lokale Bevölkerung gedacht; sie solle sich mit den Hotelgästen vermischen, sagt von Bertrab. So werde etwa samstags und sonntags jeweils ein ausgiebiger Brunch serviert - à la Carte.

Es wird rege gebucht – bereits für die Fasnachtstage

Von Bertrab sprach anlässlich eines Rundgangs mit Journalisten und der zeremoniellen Schlüsselübergabe an Hoteldirektor Alvaro Ferrandis von einem emotionalen Moment in diesen stürmischen Zeiten:

«Es ist sicher nicht der ideale Zeitpunkt, um ein Hotel zu eröffnen. Aber die vielen Rückmeldungen und Anfragen, die uns erreicht haben in diesen Tagen, sprechen eine positive Sprache.»
Hoteldirektor Alvaro Ferrandis bei der zeremoniellen Schlüsselübergabe mit Martin von Bertrab (rechts).

Hoteldirektor Alvaro Ferrandis bei der zeremoniellen Schlüsselübergabe mit Martin von Bertrab (rechts).

Juri Junkov

So kann Ferrandis auf Anfrage berichten, dass bereits rege Zimmer gebucht würden, «auch von Anwohnern». Für die Eröffnungstage seien die Suiten mit frei stehender Badewanne und Blick auf den Marktplatz ausgebucht. Und sogar für die Fasnacht Anfang März würden Anfragen reinkommen - und nicht nur Zimmer, sondern auch für Bankette und private Anlässe im Restaurant und im sechsten Stock auf der Dachterrasse und dem zugehörigen Saal.

Die Nachfrage ist derart gross, dass auch der Verein Pro Innerstadt Basel keine Chance mehr hatte. Man hätte gerne einen Anlass auf der Dachterrasse durchgeführt, jedoch sei diese an jenem Datum schon besetzt, berichtet Geschäftsführer Mathias F. Böhm. «Das freut mich aber, weil es zeigt, dass das Konzept funktioniert.» Er sei begeistert von der Entwicklung vor Ort, denn das Hotel Märthof stärke den Marktplatz und seine Umgebung mit Unternehmen aus Gastronomie und Retail direkt und bringe die interessante Gruppe der Freizeittouristen ins Herz der Stadt. Auf diese Gästegruppe, so Ferrandis, wolle man im «Märthof» mehrheitlich den Fokus legen, «was in der jetzigen Situation, in der sich der Geschäftstourismus noch längst nicht erholt hat, ein Glücksfall ist».

Offenes Badezimmer, viel Tageslicht und Art-Déco-Elemente: ein Superior-Doppelzimmer im dritten Stock.

Offenes Badezimmer, viel Tageslicht und Art-Déco-Elemente: ein Superior-Doppelzimmer im dritten Stock.

Juri Junkov

Der Senkrechtstart des «Märthof» dürfte in der Hotellerieszene für Gesprächsstoff sorgen - und vielleicht auch für das eine oder andere neidvolle Wort. Mitnichten, meint Raphael Wyniger, Teufelhof-Patron, Leiter der Wyniger-Gruppe sowie Präsident der Basler Hoteliers auf Anfrage - zumindest nicht aus seiner Sicht: «Mit dem ‹Märthof› bringt ‹Bâle Hotels› ein richtiges Bijou auf den Markt. Ich freue mich auf das Haus. Zudem ist die Gruppe lokal verankert und hat mit von Bertrab einen weitsichtigen Chef, der sich für die Destination einsetzt.»

Wyniger gibt aber zu, das der Standort «sehr privilegiert und in diesem Sinne einzigartig» sei. Hätte er, der in den vergangenen Jahren sein Unternehmen durch mehrere Zukäufe deutlich vergrössert hat, nicht am liebsten gleich selbst zugegriffen? «Da gab es nichts zum Zugreifen, ist der Standort doch Bestandteil des Immobilienportfolios von Coop, zu der die ‹Bâle Hotels› gehören.»

War das erst der Anfang, und kommen nun weitere Hotels dazu?

Mit der Eröffnung des «Märthofs» hat sich die Division von Coop nun als wichtiger Player in der Basler Hotelszene etabliert. Denn neben dem Haus am Marktplatz gehören noch drei weitere 4-Sterne-Hotels der Gruppe an, nämlich das Hotel Pullman Basel Europe an der Clarastrasse, das Hotel Victoria beim Bahnhof SBB, das Hotel Savoy in Bern sowie das 3-Sterne-Hotel Baslertor in Muttenz.

Ist Coop nun auf den Geschmack gekommen und wird zeitnah weitere Immobilienbesitztümer in Gasthäuser umbauen? Nach der Schlüsselübergabe auf der Dachterrasse darauf angesprochen, lacht Martin von Bertrab laut auf: Es sei nichts spruchreif, «aber man sollte im Leben niemals etwas ganz ausschliessen». Interessante Möglichkeiten würden von Coop durchaus geprüft:

«Im Moment haben wir ohnehin genug damit zu tun, den ‹Märthof› zum Fliegen zu bringen.»

Sagt es, blickt über die Stadt - und geniesst die guten Aussichten.

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