In Basel bauen Schweizer Soldaten seit Kurzem Sicherheitszäune auf. Mit 5000 Armeeangehörigen und rund 1000 Polizisten sind die Sicherheitsmassnahmen für den Gipfel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) immens. Das sozialistische Bündnis gegen die OSZE spricht in Anlehnung an die beiden Weltkriege gar vom Messeplatz als einer «roten Zone». Die Sicherheitsefforts erstrecken sich bis ins Baselbiet und das Schwarzbubenland: So ist in Bretzwil, Nunningen und Himmelried die mobile Radarkompanie 21 der Schweizer Luftwaffe einquartiert.

Bei Basel Tourismus sieht man die Situation nicht so dramatisch: «Es ist vor allem die Schweizer Presse, die die Sicherheitsvorkehrungen kontrovers diskutiert. Im internationalen Umfeld ist man sich das gewohnt», sagt Christine Waelti, Sprecherin von Basel Tourismus. «Schweizer Touristen werden sich durch die Sicherheitsvorkehrungen wahrscheinlich nur am Durchführungsdatum selber von einem Besuch abhalten lassen.»

Einen positiven Effekt erhofft sich Basel Tourismus insbesondere bei den Besuchern aus dem Ausland. Mit dem OSZE-Gipfel wird Basel für einmal weltweit in den Medien präsent sein und sich als Kongressstadt profilieren können. Christine Waelti glaubt zwar nicht daran, dass das unmittelbar einen riesigen Touristenansturm auslöst. Sie sagt aber auch: «Alles, was hilft, den Namen Basel bekannt zu machen, kann aus touristischer Sicht nur gut sein. In manchen Märkten ist der Name einer Destination das Wichtigste.» Ganz nach dem Motto: Dort muss man gewesen sein. Dies könnten künftig mehr Touristen von Basel denken.

Stadtpläne für alle Politiker

Doch mit dem Namen ist noch kein Inhalt vermittelt. Dieses Ziel will Basel Tourismus mit zwei Infoständen am Bahnhof SBB und bei der Messe erreichen, wo sich die Gäste zum Beispiel nach dem Weg ins Zentrum, aber auch nach den wichtigsten Sehenswürdigkeiten erkundigen können. Diese Infostände stellt Basel Tourismus im Auftrag des Präsidialdepartements auf. Sie sollen den Besuchern einen herzlichen Empfang bieten. Alle Delegierten erhalten von der Abteilung Standortmarketing der Stadt Basel ein Willkommensgeschenk. Dazu gehören auch ein Stadtplan und die Broschüre «Ihr Basel», beide von Basel Tourismus.

Basel Tourismus hat ein eigenes Hotelbuchungssystem. Dieses bildet zwar nur einen Teil aller Basler Hotelbuchungen ab – doch zusammen mit den Rückmeldungen der Hotels lässt sich daraus zumindest eine allgemeine Tendenz erkennen: «Insbesondere in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember sind die Beherbergungsbetriebe gut gebucht», sagt Wälti. In welchen Betten schlafen die Kongressteilnehmer? Einen grossen Teil der Buchungen im Zusammenhang mit dem OSZE-Gipfel wickelt die Basler Firma Congrex ab. Diese will sich zu den Buchungsvorgängen rund um die OSZE nicht äussern.

Keine Wachen vor Hoteleingang

Kein Geheimnis aus seiner Arbeit macht Felix Hauser. Der Präsident des Basler Hoteliervereins sagt: «Grundsätzlich nehmen das Swissôtel und das Ramada die Kongressteilnehmer auf.» Aber auch andere Hotels profitieren vom OSZE-Gipfel. Felix Hauser ist zum Beispiel Chef des Radisson Blu, wo 60 von 206 Zimmern im Zusammenhang mit dem Kongress reserviert sind. «Es handelt sich dabei vor allem um Mitarbeiter der hochrangigen Politiker, zum Beispiel Berater», sagt Hauser. Genauere Informationen über die Gäste hat er aber nicht, da die Buchungen über Congrex abgewickelt wurden. «Das Radisson Blu ist zwar ausgebucht, aber nicht nur wegen des OSZE-Gipfels.» Hauser kann sich vorstellen, dass insbesondere auch die Hotels Pullman, Hilton, Dorint und Novotel dank des Kongresses einige Buchungen verzeichnen. «Bei uns kommen die ersten OSZE-Gäste bereits am 29. November und sie bleiben bis zum 6. Dezember.»

Die Hotels treffen selber keine Sicherheitsvorkehrungen. So gibt es zum Beispiel kein Sicherheitspersonal vor dem Hoteleingang. «Die Organisatoren hätten uns sicher mitgeteilt, wenn das nötig wäre. Die öffentliche Hand hat die Sicherheit im Griff», sagt Hauser.

Er hofft auch, dass sich der OSZE-Gipfel auf den Basler Tourismus positiv auswirkt. «Jetzt können wir beweisen, dass wir auch so grosse Anlässe gut bewältigen können.» Damit das klappt, hat Hauser in seinem Hotel vorgesorgt. Das Radisson Blu kennt das Programm seiner Gäste nicht, stockt aber das Personal an der Rezeption auf. «So sind wir bereit und können jeden Wunsch erfüllen.» Auch für den Zimmerservice steht mehr Personal zur Verfügung. «Es kann sein, dass die Gäste, die im Zusammenhang mit dem OSZE-Gipfel nach Basel kommen, auf ihrem Zimmer essen wollen, um ihre Ruhe zu haben», sagt Hauser. Kulinarische Spezialwünsche seien bisher aber noch keine angekündigt worden. Das Küchenpersonal wird denn auch nicht aufgestockt.

Der OSZE-Gipfel findet am 4. und 5. Dezember statt. Es werden rund 1200 Delegierte aus 57 Ländern erwartet.