Es ist eine reizvolle Vorstellung: Statt einer Handvoll Leute am Sitzungstisch können Hunderte Personen Ideen und Vorschläge in eine Diskussion einbringen. Je mehr Leute, desto grösser der Ideengewinn. Genau diese Schwarmintelligenz möchte nun eine neue Basler Online-Plattform generieren. «Baselcrowd» heisst das Portal, dessen merkwürdig futuristische Flyer zurzeit in Dutzenden Basler Briefkästen liegen.

Hinter dem neuen Online-Projekt stecken fünf Basler Unternehmer, unter ihnen der parteilose Gemeinderat von Bubendorf Charles Rüdi. Die Organisatoren möchten mit Baselcrowd «innovative Projekte» ins Leben rufen. Die ersten zwei sollen bereits im Juni lanciert werden: Dann können interessierte Personen auf der Internetseite ihre konkreten Umsetzungsideen einbringen. Bisher zählt die Community 108 Mitglieder, Geschäftsführer Frank Wolff geht aber davon aus, dass sie auf gut 500 Personen anwachsen wird. Die besten Ideen sollen von einer Fachjury prämiert und umgesetzt werden.

Über die Pläne der Initianten informiert ist auch Stadtentwickler Lukas Ott. Er sieht im Online-Projekt durchaus Potenzial: «Solche Initiativen begrüssen wir grundsätzlich», schreibt er auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». «Es sind neue und innovative Formen der Entwicklung, welche die Schwarmintelligenz zu nutzen versuchen, um in wichtigen Handlungsfeldern Anregungen, Impulse und Hinweise zu geben und zu gewinnen.» Das Projekt könne eine Möglichkeit sein, Anliegen und Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfahren.

Austausch mit Verbänden gewünscht

Welche Bedürfnisse das sind, zeigt ein erster Blick auf die Umfrage, die momentan auf der Website läuft. Besonders die Idee, Basel zu einem Vorbild in der No-Plastic-Bewegung zu machen, stösst auf Anklang. Der Vorschlag erhält 17,4 Prozent aller Stimmen und liegt damit knapp vor dem Anliegen, dem Ladensterben in der Innenstadt ein Ende zu setzen (14,4 Prozent). Noch diesen Monat sollen die ersten zwei Projekte in die Ideenphase starten.

Mitglieder können online ihre Konzepte und Vorschläge einreichen. Welches die ersten zwei konkreten Ziele sein werden, möchte Geschäftsführer Wolff noch nicht verraten. Eines der Vorhaben wird selbst initiiert sein, das andere stammt von einem Auftraggeber. Sicher ist: Auch das Plastikthema möchten die Organisatoren bald angehen. «Wir überlegen uns jetzt, mit wem wir das Gespräch suchen möchten und streben den Austausch mit entsprechenden Verbänden an», so Wolff. Ein Thema, das auch Stadtentwickler und Grünen-Mitglied Ott am Herzen liegt. «Die Eindämmung der Plastikflut ist ein wichtiges Thema», kommentiert er das Anliegen.

Umweltthemen beschäftigen User

Auffällig an den Vorschlägen, die auf der Online-Plattform zurzeit diskutiert werden: Freizeit- und Umweltthemen schwingen obenaus. Wie könnte der Rhein in Basel «noch besser» genutzt werden? Welche Massnahmen helfen, um Food Waste zu verhindern? Nachhaltigkeit scheint von der Community als besonders wichtig eingestuft zu werden. Ein Zeichen dafür, dass auch künftig vor allem grüne und umweltpolitische Begehren angepackt werden sollen? Wolff verneint: «Grundsätzlich sind wir neutral und möchten uns ganz bewusst keiner politischen Gruppierung zuordnen.» Einer Zusammenarbeit mit Parteien oder Politikern stehe aber «absolut nichts im Wege».

Um möglichst viel zu bewirken, möchten die Organisatoren die gesamte Region und nicht nur die Stadt Basel ins Auge fassen. Das bedeutet, dass nicht nur die Agglomeration, sondern auch die grenznahen Gebiete in Frankreich und Deutschland eingeplant werden sollen.

Die Träume der Initianten sind gross. Ob und in welcher Form die Visionen dann umgesetzt werden, wird sich noch zeigen. Bis es soweit ist, müssen sich die Initianten nämlich erst beweisen; insbesondere bei ihren Auftraggebern. Das weiss auch der Geschäftsführer: «Die ersten Projekte müssen wirklich gut sein, sonst interessiert sich bald niemand mehr für unsere Plattform.»