Knall in den BVB: Nachdem die parlamentarische Geschäftsprüfungskommission (GPK) am Donnerstag einen überaus kritischen Bericht zu Problemen innerhalb der Basler Verkehrs-Betriebe veröffentlichte, teilte das Unternehmen gestern den sofortigen Rücktritt von Direktor Erich Lagler mit. BVB-Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler erklärte an der Medienkonferenz, Lagler habe den Entscheid auf eigenen Wunsch gefällt. Persönlich äusserte sich der abgetretene Direktor allerdings nicht über die weiteren Hintergründe seines Rücktritts.

Lagler, der Protagonist dieser Geschichte, war an der gestrigen Medienkonferenz der grosse Abwesende. In einer Mitteilung, welche das Unternehmen den Medien gestern zustellte, wird er folgendermassen zitiert: «Das offensichtlich fehlende Vertrauen bei wichtigen Anspruchsgruppen dieses Unternehmens verunmöglicht mir eine Weiterführung meiner Arbeit.» Der Verwaltungsrat bedauere den Rücktritt sehr.

Die Konferenz war gestern früh von den BVB einberufen und den Mitarbeitenden via Live-Stream übertragen worden. Es war die zweite kurzfristige Medieninformation in diesem Monat, und «die letzte im Juni», wie BVB-Sprecher Benjamin Schmid gleich zu Beginn erklärte. Gut möglich, dass Schmid sein Versprechen nicht halten könnte, wäre am Montag nicht bereits der Monatserste. Zu vieles spricht dafür, dass beim Unternehmen momentan noch einiges im Argen liegt. Seit Jahren kommt es in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat regelmässig zu Wechseln.

Massnahmen noch nicht konkret

Vor den Medien äusserte sich Verwaltungsratspräsidentin Hunkeler kritisch über die Vorwürfe der GPK. Der Verwaltungsrat nehme den Bericht zur Kenntnis. Einverstanden sind die Verwaltungsratsmitglieder mit dem Fazit indes nicht: «Wir wehren uns entschieden gegen den Vorwurf der GPK, wir hätten falsche Prioritäten gesetzt und nicht gehandelt.» Ein Grossteil der im Bericht angesprochenen Themen sei den BVB bereits bekannt: die Schienenschäden, die ungenügende Mitarbeiterzufriedenheit, der Auftrag, der unrechtmässig verteilt wurde.

«Wir haben diese Themen BVB-intern aufgearbeitet und Massnahmen beschlossen», so Hunkeler. Schliesslich wünsche sie sich ja auch, dass die Zufriedenheit unter den Mitarbeitenden besser werde. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, bleibt allerdings unklar. Die einzelnen Aufgabenbereiche seien noch damit beschäftigt, Lösungen zu entwickeln, der Prozess sei momentan noch im Gange. «Ein Massnahmenkatalog ist in Erarbeitung», so Hunkeler. Er solle noch in der zweiten Jahreshälfte vorliegen.

Medien- und Politikschelte

Hunkeler betonte, die rund 1200 Mitarbeitenden der BVB würden momentan eine hervorragende Arbeit leisten. «Ja, wir sind in einer Krise, was unsere Reputation betrifft.» Allerdings sei dies in erster Linie die Schuld der Politik und der Medien: «Was hier politisch und medial auf dem Rücken von Erich Lagler ausgetragen wird, macht mich betroffen.» Das Unternehmen stehe unter höchster Beobachtung, so Hunkeler: «Die aktuelle Situation löst bei mir ein Wechselbad der Gefühle aus.»

Die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat habe gut funktioniert: «Wie in jedem Unternehmen waren wir uns nicht immer einig. Aber es gab keine grundsätzlichen Differenzen. Wir haben in der Sache gefightet.» Auch mit Eignervertreter Hans-Peter Wessels habe ein regelmässiger Austausch stattgefunden.

Seit den neusten Vorwürfen der GPK stehen nicht nur die BVB, sondern auch Wessels zum wiederholten Male in der Kritik. Die SVP und die BDP forderten nach Veröffentlichung des GPK-Berichts gar den Rücktritt des SP-Politikers. Wessels Partei steht derweil hinter dem Regierungsrat. Es fehlten der Regierung schlicht die nötigen Kompetenzen, um sich durchzusetzen, weshalb es eine Wiedereingliederung der BVB in die kantonale Verwaltung brauche (siehe Box unten).

Hunkeler wollte sich am Freitag nicht zu den Forderungen äussern, hob aber hervor, dass die aktuelle Situation «kürzere Entscheidungswege» ermögliche. Ausser dem Rücktritt Laglers wurden gestern indes keine Entscheide bekannt gegeben. Auch Laglers Nachfolge ist noch nicht geklärt.