Alltag in der Pandemie
«Ich arbeite am sichersten Ort in Basel»

In der Kolumne «Alltag in der Pandemie» kommen Personen zu Wort, die entweder aus persönlichen oder beruflichen Gründen auf besondere Weise von der Coronakrise betroffen sind. Heute: Christian Heiser, stellvertretender Leiter der ersten Abteilung für Coronafälle in Basel. Bz-Redaktorin Ayse Turcan hat seine Erfahrungen aufgezeichnet.

Ayse Turcan
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«Ich fand es sehr berührend zu sehen, wie meine Nachbarn applaudierten und Solidarität zeigten. Sie wissen ja nicht, wo ich arbeite.» (Symbolbild)

«Ich fand es sehr berührend zu sehen, wie meine Nachbarn applaudierten und Solidarität zeigten. Sie wissen ja nicht, wo ich arbeite.» (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/Pavel Golovkin

Für mich hat die Ausnahmesituation schon einige Wochen vor dem Lockdown begonnen. Ich arbeite im Unispital als stellvertretender Leiter der ersten Abteilung für Coronafälle in Basel. Sobald die ersten Fälle in der Schweiz auftauchten, begannen wir mit dem Umbau der Station, die eigentlich eine Abteilung für Dermatologie und Medizin ist. Zuerst waren nur drei Zimmer geplant, mittlerweile ist die ganze Station mit COVID-Patienten belegt.

Es ist das erste Mal, dass ich mich in so einer aussergewöhnlichen Situation befinde. Als bekannt wurde, dass wir die ersten Coronafälle in Basel pflegen sollten, war das im ersten Moment zwar interessant, aber auch mit Respekt verbunden. Die Situation ist anders als bei einer Grippe, mit der man jahrelange Erfahrung hat. Die ersten paar Wochen waren daher schon sehr stressig für mich und meine Mitarbeitenden. Die Tage sind länger geworden. Ich arbeite manchmal zwölf Stunden am Tag und wurde zu Beginn oft auch zuhause angerufen. Wären wir nicht so ein gutes Team, hätten wir das nicht geschafft. Ich bin sehr stolz auf das Team.

Mittlerweile haben sich die Abläufe auf unserer Abteilung eingependelt. Die Stimmung ist gut. Angst vor einer Ansteckung habe ich nicht: Ich habe meinen Mitarbeitenden gesagt, dass wir hier eigentlich am sichersten Ort in Basel arbeiten. Die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften sind hoch – die Wahrscheinlichkeit ist grösser, sich auf der Strasse oder in der Tram mit dem COVID anzustecken.

Was mich beunruhigt, ist nicht das Arbeiten mit betroffenen Patienten, sondern die Tatsache, dass einige Menschen da draussen die Sicherheitsmassnahmen auf die leichte Schulter nehmen. Man merkt schon, dass die Bevölkerung mitzieht – aber halt nicht alle. Dafür freut es mich sehr, dass der Beruf der Pflege gerade so viel Anerkennung erfährt. Wir kriegen viele Komplimente für unsere Arbeit. Und von ausserhalb bekommen wir ab und zu Pralinen geschenkt oder erhalten Grusskarten von Patienten, die wieder gesund sind.

Als die Schweiz an einem Freitag geklatscht hat, war ich zu Hause und bin auch nach draussen gegangen. Ich fand es sehr berührend zu sehen, wie meine Nachbarn applaudierten und Solidarität zeigten. Sie wissen ja nicht, wo ich arbeite.