Nach dem Eklat

«Ich bin bestürzt, dass so auf Stefan Küng geschossen wird» – Riehener Pfarrwahl spaltet die Pfarrei

Die Riehener Pfarrei steht im Fokus der Öffentlichkeit.

Die Riehener Pfarrei steht im Fokus der Öffentlichkeit.

In der Riehener Pfarrei sind die Verantwortlichen bemüht, wieder Ordnung und Ruhe in die Pfarrei zu bringen.

Bereits am Informationsabend war spürbar: Die Pfarrei St. Franziskus Riehen ist in zwei Lager gespalten. Nach Bekanntwerden des Inhalts des Strafbefehls und dem damit verbundenen Rückzug der Kandidatur von Stefan Küng zum neuen Pfarrer gingen die Emotionen ein weiteres Mal hoch.

Für die Kritiker von Stefan Küng, die sich am Informationsabend nur vereinzelt aus der Deckung wagten und gemäss eigenen Angaben in den vergangenen Wochen auch angegriffen wurden, bedeutet der Rückzug eine Genugtuung, wie es aus der Pfarrei heisst.

Für die Anhänger von Stefan Küng jedoch stellt das Ganze eine herbe Enttäuschung dar. So auch für Georges Pfister, langjähriges Pfarreimitglied und enger Vertrauter von Stefan Küng. Für ihn sind vor allem die Medien schuld am Rückzug des Pfarrkandidaten. «Ich bin bestürzt, dass so mit Kanonen auf Stefan Küng geschossen wurde.»

Pfister spricht von einer Gruppe innerhalb der Pfarrei, welche die Aufregung inszeniert habe. Er sei überzeugt, dass der Strafbefehl nicht die ganze Wahrheit zeige. «Ich denke nicht, dass der Vorgang mit dem Jugendlichen so vorgefallen ist, wie im Strafbefehl steht. Jene, die damals Anklage erhoben haben, müssen die Sachlage übertrieben haben. Auch wenn es wirklich so gewesen war, Stefan Küng hat seine Strafe abgesessen und genügend gebüsst.»

Pfister spricht über die Tat von damals von einem «Fauxpas». Für Georges Pfister ist nun vor allem Stefan Küng das Opfer. Auch im Wissen um den Strafbefehl verspürt Pfister Wertschätzung für den Seelsorger. «In den letzten Wochen, als gegen ihn Unterschriften gesammelt wurden, oder zuletzt, als die Anschuldigungen bekannt wurden, verlor er nie ein böses Wort über seine Kritiker. Im Gegenteil: Er betete noch am Dienstagabend für den Frieden innerhalb der Pfarrei und sogar für seine Gegner. Er war zu allen ein herzlicher Mensch.» Sein Gutsein sei ihm am Ende zum Verhängnis geworden.

Gespräch mit dem Bistum

Dass das Klima in der Pfarrei verhärtet ist, will Pfarreiratspräsident Toby Mepurathu nicht bestätigen. Er habe immer beide Seiten innerhalb der Pfarrei angehört. «Uns ist wichtig, dass wir fair und ehrlich zueinander sind und alle zu Wort kommen lassen.» Eine Pfarrei sei schliesslich etwas Positives, wo alle Menschen Zuflucht finden.

Der Pfarreirat bemühte sich stets um Neutralität. Er stellte drei Mitglieder in die Pfarrwahlkommission, die Stefan Küng vorschlug. Die übrigen Mitglieder wurden von der Pfarreiversammlung gewählt. Über die Vorkommnisse wolle sich der Pfarreirat noch nicht äussern, sagt Mepurathu. Es sei nun wichtig, wieder Ruhe und Stabilität in die Pfarrei zu bringen. «Die Gottesdienste und Seelsorge müssen sichergestellt und die Mitarbeitenden betreut werden.»

Seit rund zwei Jahren, seit der Pensionierung von Pfarrer Rolf Stöcklin, besteht bei der Gemeindeleitung eine Vakanz. Die Suche nach einer Nachfolge gestaltete sich schwierig und muss jetzt wieder vor vorne beginnen.

Die Seelsorge wird momentan von Toni Bucher koordiniert. Die Pfarreiverantwortlichen suchen nun das Gespräch mit dem Bistum, erklärt Toby Mepurathu. Erst dann werde sich zeigen, wie es weitergeht.

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