Ausverkauft
«Ich blühe auf in der Einschränkung»

Als letzte Band vor der Sommerpause spielt heute Cocorosie in der Kaserne. Die beiden Schwestern Bianca (31) und Sierra (33) Casady präsentieren dabei unter anderem ihre neue Single «Gravediggress» aus ihrem Album «Tales of a Grass Widow».

Von Moritz Kaufmann
Drucken
Teilen
Bianca Casady in der Kaserne Basel. So ungeschminkt sieht man das Cocorosie-Mitglied selten.

Bianca Casady in der Kaserne Basel. So ungeschminkt sieht man das Cocorosie-Mitglied selten.

Kenneth Nars

Hektik im Backstage-Bereich der Kaserne Basel. Der Tourmanager und Tontechniker der amerikanischen Schwesternband Cocorosie hat sich beim Aufbauen der Bühne den Kopf angeschlagen. Die Wunde musste mit 20 Stichen genäht werden. Das Konzert beginnt in ein paar Stunden.

Bianca (31) und Sierra (33) Casady, die zusammen die Band Cocorosie bilden, tragen Material vom Tourbus in die Kaserne. Der Interviewtermin verzögert sich. Schliesslich kommt Bianca, die Sängerin, Texterin und Flötistin. «Hallo, ich bin Bianca. Ist es o. k., wenn nur ich zum Interview komme? Sierra ist beschäftigt.»

Bianca, Du und deine Schwester Sierra, seid ihr mehr der Sommer- oder mehr der Wintertyp?

Bianca Casady: Ich glaube, wir waren mal Sommertypen. Aber wir haben uns verändert in den letzten Jahren. Ich schreibe gerne drinnen. Und ich mag das Licht im Winter. Ich gehe oft an Winterabenden spazieren. Ich mag die tote Jahreszeit. Die Natur wirkt viel aktiver, weil es weniger Menschen unterwegs hat.

Bei Cocorosie ist man ja nie sicher, ob es Wintermusik oder Sommermusik ist.

Ja (überlegt). Ich würde sagen, es ist alles vermischt.

Du machst jetzt seit 10 Jahren Musik mit deiner Schwester. Vorher hattet ihr euch zehn Jahre nicht gesehen. Wie gehts dir, wenn du zurückschaust?

Über das Gesamte gesehen geht es uns grossartig. Natürlich hatten wir viele schwierige Momente. Aber ich glaube, immer wie weniger. Wir sind mit Cocorosie erwachsen geworden. Wenn man auf Tour ist, in einer kleinen Gruppe lebt, alles teilen muss und unter grossem Druck steht, zwingt einem sich anzupassen. Ich liebe es, auf Tour zu sein.

Aber könntest Du dein ganzes Leben auf Tour sein?

Ich glaube, ich könnte das. Ich kapsle mich ab von der Welt, ich lebe einfacher. Ich habe auch nie Lust, den Ort zu verlassen, wo wir auftreten. Ich verschmelze mit dem Leben, in dem man wenig Platz hat. Im Tourbus hat man ja bloss sein kleines Kajütenbett als Privatsphäre. Ich blühe auf in diesen Einschränkungen? Auf Tour sein ist wie Ferien.

Ich wollte gerade fragen, braucht man danach nicht Ferien?

Ich mag das Konzept Ferien eigentlich nicht. Es bedeutet ja, dass man vor etwas davon laufen muss.

Im Mittelpunkt eures Albums «Tales of a Grass Widow» steht ein fünfjähriges Mädchen, das zwangsverheiratet wird...

So konkret ist es nicht. Es gab verschiedene Figuren, die uns beeinflusst haben. Die fünfjährige Kinderbraut basiert auf einer wahren Geschichte, die in Indien passiert ist. Dann gab es vor kurzem diesen schrecklichen Fall eines Mädchens in Saudi Arabien. Es kommt aber nicht wirklich drauf an.

Wer ist denn die «Grass Widow», die verheiratete Mätresse?

Sie ist ein gesichtsloses Wesen. Es ist ein Kind, aber eines, das Witwenkleider anhat, weil ihm die Kindheit genommen wurde.Der Charakter ist wandelbar.

Wie war denn deine Kindheit? Konntest du deine Träume verwirklichen?

Schon als ich neun Jahre alt war, wollte ich Künstlerin werden. Da ich in einer Künstlerfamilie gross geworden, bin war das nichts Spezielles. Ich musste niemandem etwas beweisen. Es ist ganz natürlich passiert. Es ist ein sehr erfüllender Beruf.

Muss man Künstler sein, um sich im Beruf erfüllt zu fühlen?

Nein, absolut nicht. Aber ich glaube, es ist wichtig, dass man das Gefühl hat etwas sinnvolles zu tun. Man kann also auch Lehrer sein (lacht).

Aktuelle Nachrichten