Sie brennt, die Sonne, gnadenlos. Um 15 Uhr kratzt das Thermometer an der 37-Grad-Marke. Eine Bruthitze, die Normalsterbliche in den Schatten flüchten lässt. Nicht so Vasco. Der
69-Jährige lässt sich am Rheinbord bei der Oetlingerbuvette die Sonne auf den Bauch scheinen. Unterhält sich dabei mit einer jungen Blondine, winkt einem vorbeigehenden Herrn zu. Die Leute kennen Vasco hier, diesen Mann mit der tief gebräunten Haut und dem breiten sympathischen Lächeln, das noch breiter wird, als der Ausdruck «Hardcore-Sünneler» fällt: «Ja, vielleicht bin ich das... Aber meine Haut verträgt das. Ich komme ursprünglich aus Montenegro.» Trägt er wenigstens genug Sonnenschutz auf? «Nütt», meint Vasco, «ich habe mich noch nie im Leben eingecremt, hatte auch nie einen Sonnenbrand.»

Nebenan macht Ilya gerade Pause vom Zügeln, reckt das Gesicht der Sonne entgegen. «Es ist schon hart an der Grenze jetzt. Länger als eine Stunde halte ich es nicht aus.» Der 26-Jährige denkt, dass Sonnenbaden auch bei der Hitze nicht bedenklich ist, «solange man sich eincremt und nicht zu lange an der Sonne ist». Seine Freundin aber sei zuhause geblieben, «sie verträgt die Hitze nicht so.»

Ein paar Schritte weiter. Tara nimmt einen kräftigen Schluck Wasser. Sie hat sich mit ihrer Lehrerkollegin Rea bereits zur Mittagszeit auf den Stufen zum Rhein installiert. Bis um 18 Uhr wird «gsünnelet». «Wir kühlen uns immer wieder im Rhein ab, so hält man es aus», sagt Tara. Und regelmässig eincremen, das sei das Wichtigste. Rea ist diesbezüglich «voll ausgerüstet», wie sie sagt: «Ich hab jeweils Cremes mit Sonnenschutzfaktor 20, 30 und 50 dabei.» Es sei ihr schon wichtig, gebräunt zu sein: «Ich bin Hauttyp eins, eine schöne Bräune ist für mich der Mount Everest», lacht sie. Ihr Dekolleté ist gerötet. Das gehöre dazu, meint sie.

Im «Rhybeli» gegenüber auf der Grossbasler Seite, dem Rheinbadhaus St. Johann, hat derweil die Vernunft obsiegt. Jedenfalls bei Stammgästen wie Rodolfo und der durchtrainierten Sheila. Beide haben einen Schattenplatz. Rodolfo sagt: «Ich war das ganze Leben an der Sonne, weil ich so viel im Schrebergarten gearbeitet habe. Bewusst in die Sonne gelegen bin ich nie.»

Sowieso habe er einen Eingriff hinter sich, weil der Dermatologe weissen Hautkrebs bei ihm entdeckt habe. «Ich hoffe, jetzt ist wieder gut.» Auch Rodolfo trägt niemals Sonnenschutz auf, «ich mag diese Cremes nicht.» Ausserdem halte er sich jetzt ja im Schatten auf. Den Hinweis, dass die UV-Strahlen auch durch den Stoff der Sonnenschirme dringen, quittiert der 80-Jährige mit Erstaunen: «Dann muss ich mir das mit dem Eincremen vielleicht doch überlegen.»

Sheila hält es mit dem Sonnenschutz derweil ziemlich professionell. In einer Sprühflasche hat sie Sonnenschutzöl, Faktor 50, mit Wasser gemischt, sprayt sich immer wieder damit ein. «Neben dem Schutz ist das dann auch sehr erfrischend», sagt die 60-Jährige. Ein gebräunter Teint sei ihr wichtig. «Manwird zum Glück auch im Schatten braun.»

Es gibt aber noch genug Badegäste, die aufs Ganze gehen im «Rhybeli». Eine Dame im gelben Bikini etwa, die in der Sonne liegt. Oder der Herr in sportlichen Shorts, dessen Rücken von Minute zu Minute röter wird. Sie ist gnadenlos, die Sonne.