Basel Tourismus

«Ich könnte mir vorstellen, dass man Badeflosse in den Rhein baut»

Daniel Egloff

Daniel Egloff

Der Kanton müsse bei der Umgestaltung des Rheinufers viel weiter gehen, fordert Tourismusdirektor Daniel Egloff. Neben Badeflössen im Rhein kann er sich auch vorstellen, dass beide Uferwege durchgehend begehbar werden.

Herr Egloff, Sie waren eben mit den Mitgliedern von Basel Tourismus in Riga. Welche Eindrücke haben Sie aus der lettischen Hauptstadt nach Basel mitgenommen?

Daniel Egloff: Ich war positiv überrascht von der historischen Bausubstanz. Die Jugendstilbauten in Riga werden sehr aufwendig und detailgetreu restauriert. Positiv überrascht hat mich zudem, dass in Riga schöne Häuserzeilen nachts wirkungsvoll beleuchtet werden. Wir regen in Basel seit langem an, unsere ebenfalls sehr schöne Bausubstanz besser in Szene zu setzen. Vor einigen Jahren hat der Grosse Rat ein Millionenpaket abgesegnet, um die Stadt besser zu beleuchten. Am Rheinufer dünkt mich die Beleuchtung gleichwohl noch bescheiden. Abgesehen vom Hotel Les Trois Rois und dem Münster sind die Bauten am Grossbasler Rheinufer nachts kaum zu erkennen.

Lässt sich mit schönerem Nachtlicht die Stadt besser vermarkten?

Davon bin ich überzeugt. Es ist ja nicht alleine die Beleuchtung. Wir könnten in Basel allgemein unsere Sehenswürdigkeiten und schönen Plätze besser in Szene setzen. Den Brunnen auf dem Barfüsserplatz nimmt man kaum wahr, viele wissen gar nicht, dass es dort einen gibt. Informationstafeln könnten Abhilfe schaffen. Zum Beispiel am Käppelijoch: Es wäre interessant zu wissen, was man von dort aus alles sieht. Ein positives Beispiel ist für mich das Metallrelief auf Kleinbasler Seite, an dem Blinde die Ansicht des Grossbasler Rheinufers abtasten können.

Basel-Tourismus-Präsident Hanspeter Weisshaupt sagte in Riga, dass ihm in Basel Sicherheit und Sauberkeit Sorgen bereiten.

Die Aussage meines Präsidenten ist im Kontext zu den Verhältnissen in Riga zu sehen. Die Stadt ist nicht zugepflastert mit Abfallkübeln, trotzdem sieht man am Boden kaum Papierli und anderen Unrat. Unsere Guides in Riga betonten, dass in der Erziehung Wert darauf gelegt wird, Sorge zur Stadt zu tragen. Es gibt dort einen Aktionstag «Wir räumen die Stadt auf», an dem Tausende teilnehmen. Ich muss es deutlich sagen: Punkto Sauberkeit kann es Basel nicht mit der lettischen Hauptstadt aufnehmen.

Kriegen Sie in Basel negative Rückmeldungen zur Sauberkeit?

Nein, das nicht. Uns sind umgekehrt auch keine positiven Reaktionen bekannt. Die Schweiz ist als Tourismusdestination ein Qualitätsprodukt. Die Erwartungshaltung an die Schweiz und die Schweizer ist entsprechend hoch. Punkto Sauberkeit ist Basel im internationalen Kontext guter Durchschnitt. Für uns ist das zu wenig.

Welche anderen lokal beeinflussbaren Rahmenbedingungen müssten verbessert werden, um mehr Gäste nach Basel zu locken?

Die Aufenthaltsqualität am Klein- und Grossbasler Rheinufer. Das Wasser muss zugänglicher werden.

In diesem Bereich ist aber bereits einiges passiert.

Durchaus. Der Kanton hat Buvetten und Grillstellen eingerichtet und an einigen Orten das Ufer umgestaltet. Ich finde aber, man müsste in der Gestaltung des Rheinufers viel weiter gehen. Ich könnte mir vorstellen, dass man Badeflosse in den Rhein baut und dass beide Uferwege durchgehend begehbar werden.

Die Logiernächte haben in Basel 2013 leicht zugenommen, dies auch im Stammmarkt Europa, der zuletzt wegen der Euro-Krise schwächelte.

Wir stellen fest, dass der Knick wegen des starken Frankens eine Talsohle erreicht hat. Irgendwann ist der Währungseffekt in den Büchern drin. Nun nehmen die Logiernächte von Gästen aus dem Euro-Raum wieder zu. Wir sind allerdings noch nicht dort, wo wir mal waren.

Wie sind die Aussichten für 2014?

Wir erwarten für nächstes Jahr ein Wachstum von 3 Prozent. Dieses Jahr werden es 1,5 bis 2 Prozent sein. Basel legt bei den Logiernächten seit acht Jahren ununterbrochen zu. Das ist der Unterschied zu Städten wie Zürich. Dort ist die Entwicklung volatiler. Basel wächst langsamer als andere Destinationen, dafür kontinuierlich. Wir sind zufrieden.

Weshalb erwarten Sie nächstes Jahr ein stärkeres Wachstum?

Die Bettenkapazitäten werden 2014 erhöht, das Hotel Europe wird wieder-, zwei weitere Hotels neu eröffnet. Die höheren Kapazitäten helfen in Zeiten hoher Belegung wie während der Baselworld, Logiernächte abzuschöpfen. Ein Top-Ereignis ist zudem die OSZE-Ministerkonferenz im Dezember 2014. Welche Auswirkungen sie haben wird, ist noch unklar: Sie bringt zwar Teilnehmer nach Basel, könnte aber Touristen abschrecken, zum Beispiel aufgrund von Restriktionen bei der Sicherheit. Diesen Effekt gab es in Genf oder Zürich während der Euro 08. Imagemässig wird Basel mit der OSZE-Ministerkonferenz aber sicher toll in Szene gesetzt - und das bei einer unserer Kernkompetenzen.

Wichtiger als die Anzahl Logiernächte ist der Ertrag pro Zimmer, also Auslastung mal Preis.

Ja, das ist die entscheidende Grösse. Wir sind auch in diesem Bereich zufrieden. Wir konnten in den letzten zehn Jahren den Durchschnittsertrag pro Zimmer jedes Jahr steigern. Luzern hat das nicht geschafft. Die Auslastung der Hotelbetten ist in Basel höher als im Schweizer Durchschnitt, aber tiefer als in Genf oder Zürich. Das heisst nicht, dass die Hotels in diesen Städten generell eine höhere Rendite erzielen würden. Die Tatsache, dass Private in den nächsten Jahren in Basel kräftig in die Bettenkapazitäten investieren, bedeutet, dass die Verdienstmöglichkeiten positiv eingeschätzt werden.

Hat Basel das Hotelangebot, das von den Gästen nachgefragt wird?

Basel hat sich in den letzten zehn Jahren sehr positiv entwickelt: Neben dem quantitativen Wachstum hat die Hotellerie qualitativ zugelegt. Wichtig war zum Beispiel, dass wir mit dem Hotel Les Trois Rois in der Fünfsterne-Plus-Kategorie ein Angebot haben. Das hat vor 2006, als das Les Trois Rois unter dem neuen Eigentümer Thomas Straumann wieder eröffnet wurde, schmerzlich gefehlt

Basel Tourismus interessiert sich für neue Märkte wie Brasilien und den Nahen Osten. Diese spielen rein zahlenmässig noch eine kleine Rolle. Was erwarten Sie von diesen Märkten?

Die Zuwachsraten sind sehr hoch. Sehr hoch ist zudem der Durchschnittsertrag - zumindest bei den Gästen aus dem Nahen Osten. Von einer aktiven Bewerbung Basels in diesem Markt sehen wir gleichwohl aus mehreren Gründen ab: Basel bietet nicht das, was Reisende aus den Golfstaaten suchen. Das Einzige, was sie interessieren könnte, ist das Hotel Les Trois Rois und unsere Spitzenmedizin. Fondation Beyeler, Kunstmuseum, oder auch der Zoo - das zieht nicht. Im brasilianischen Markt hingegen ist das Potenzial riesig und deren Interesse für historische Städte mit einem hochstehenden Kulturangebot vorhanden. Allerdings ist Basel dort noch nicht sehr bekannt.

Wie kann Basel neben weltweit bekannten Namen wie Luzern und dem Jungfraujoch bestehen?

Die klassischen Destinationen stossen in den Sommermonaten an Kapazitätsgrenzen. Luzern oder Interlaken können nicht unendlich neue Hotels bauen, zumal diese ausserhalb der starken Sommermonate nicht ausgelastet werden können. Basel wird deshalb als Übernachtungsort für Reisende, welche die Schweizer Sehenswürdigkeiten abklappern, immer wichtiger. Hinzu kommt, dass die schnelle TGV-Verbindung Basel als Zwischenstation zwischen Paris und dem Jungfraujoch gestärkt hat.

Wo steht Basel Tourismus im aufstrebenden russischen Markt?

Auch in Russland ist Basel noch keine Marke. Jene Russen, die sich das Reisen leisten können, wollen Rolex, Hermès, St. Moritz, Dubai. In Russland haben Ferien noch stark Prestigecharakter. Dennoch sehe ich in diesen neuen Märkten Potenzial: Viele Russen und Brasilianer sind kulturaffin - nur können sich diese das Reisen noch nicht leisten. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich dies ändert.

Das Basler Taxiwesen ist eine Malaise. Die Preise sind hoch. Der Flug von Berlin nach Basel ist fast günstiger als die Taxifahrt vom Euro-Airport in die Stadt.

Den Preis halte ich nicht für das grösste Problem. Dieser ist im Vergleich zu den übrigen Kosten nicht übermässig hoch. Die Schweiz ist ein touristisches Premium-Produkt. Was ich unglücklich finde im Vergleich zu anderen Städten: Die Qualität der Taxis, die am Strassenrand gerufen werden, ist nicht angemessen. Die Taxis, die via Zentrale bestellt werden, sind in der Regel in Ordnung.

Wie kann das Taxiwesen verbessert werden?

Wir kennen in Basel keine ausgeprägte Informationspflicht. Ich war eben in New York: Dort hängt in jedem Taxi ein A4-Papier mit den wichtigsten Infos wie ungefährer Fahrpreis vom Flughafen in die Stadt, Kosten pro Kilometer und Minute oder Reklamations- und Notfallnummern. Ein offizielles Informationsblatt schafft Vertrauen. In Basel hat der Fahrgast keinen Anhaltspunkt, ob er übers Ohr gehauen wird. Die Qualität der Taxis verbessern wir nicht, in dem wir - wie im Ratschlag an den Grossen Rat gefordert - Kontingente einführen. Das ist der Qualität eher abträglich. Der Markt soll spielen. Es braucht aber Vorgaben punkto Qualität wie Sprach- und Verhaltensprüfungen. Auch könnte ich mir vorstellen, dass die Fahrzeuge Mindeststandards erfüllen müssen.

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