Das Wetter ist freundlich an diesem Dezembernachmittag, als Herbert Wüscher mit grossem Rollkoffer und Rucksack den Münsterberg hochstapft. Er ist extra aus Mainz angereist, um zum dritten Mal in Basel zu singen. «In Basel bleiben die Menschen sogar in der Fussgängerzone stehen», beschreibt er seinen Erfolg.

Im Repertoire finden sich die bekanntesten Opern- und Operettenarien, von «Nessun Dorma» über «Ave Maria» oder «La donna immobile» – aber nichts Modernes. «Mein Interesse ist beim Verismo der italienischen Oper stehengeblieben», lacht Wüscher.

Zum Solist reichte es nie ganz

Seine Leidenschaft konnte er lange auch an Opernhäusern pflegen. Nach seinem Gesangsstudium ging er erst nach Würzburg, dann nach Chemnitz und schliesslich nach Wiesbaden – bis eine schwere Fussverletzung dieser Karriere vorerst ein Ende bereitete. Allerdings schaffte er es kaum zu Solistenrollen, er war Chorsänger. «Als Berufsfachschulabsolvent stehen dir nicht die gleichen Netzwerke zur Verfügung wie an der Hochschule», stellt er fest. «Aber ich hab den Kampf noch nicht ganz aufgegeben.»

So begann er, auf Hochzeiten und Festen zu singen. Und auf der Strasse. «Man hat einen sehr direkten Kontakt zum Publikum und merkt gleich, wie gut man ist.» Bleiben 200 Leute stehen, sei er gut. Nach 35 Minuten ist jedoch spätestens Schluss: «Dann ist die Puste raus.» Es sind ja auch nur Hochkaräter, die er präsentiert. Schon morgens zu Hause oder im Hotel bereitet er sich akribisch vor, im Zug gibt es höchstens noch ein stummes Einsingen. Dann geht es los: Er stellt den Ghettoblaster auf und setzt mit «panis angelicus» ein. Seine Stimme trägt weit, ein schöner, lyrischer Tenor klingt über den Münsterplatz. Die Menschen bleiben fasziniert stehen.

«Irgendwann haben die Leute aber genug», weiss Wüscher. «Dann musst du in eine andere Stadt.» Deshalb ist er nach Basel gekommen. Das erste Mal vor vier Wochen. Sorgen macht er sich höchstens wegen den Bestimmungen. Die seien in jeder Stadt anders und die Polizei sei mal mehr, mal weniger kulant. «Ich mache hochkarätige Musik, da sind sie meist nachsichtig», gibt er sich selbstbewusst.

Der Ghettoblaster ist verboten

Doch da stehen schon zwei Polizisten bei ihm und verbieten ihm aufzutreten. Falsche Zeit und kein Ghettoblaster, heisst es. Strassenmusik ist in Basel nur in bestimmten Zeitfenstern erlaubt. Technische Verstärkung ist generell verboten. «Die Hauptsache ist doch meine Stimme», empört sich Wüscher. So schnell gibt er nicht auf. Sonderbewilligungen gebe es bei der Allmendverwaltung, sagt die Polizei. Wüscher zögert keine Sekunde. Vor Ort wird freundlich aber bestimmt auf die Verordnung zur Strassenmusik verwiesen. Für technische Verstärkung brauche es eine Lautsprecherbewilligung und das dauere. Zu lange für den aus Mainz angereisten Sänger.

«Du musst dir jeden Tag einen Traum erfüllen», sagt er. «Wenn Magie entsteht zwischen Sänger und Publikum, dann bin ich glücklich.» Wenn alles glatt läuft wird Herbert Wüscher bis Montag trotzdem in Basel zu hören sein und diese kleinen Träume erfüllen. So zum Beispiel heute um 16 und 17 Uhr auf dem Münsterplatz. Falls doch nicht, gibt es seine CD im Internet, im Juni nächsten Jahres folgt die Neue.