Musical Theater
«Ich muss meine eigenen Dämonen überwinden»

Der international bekannte Schweizer Schauspieler Anatole Taubman spielt in Basel bei der Produktion «Le Petit Prince» den Erzähler. Normalerweise steht er in den USA für Kinofilme vor der Kamera.

Muriel Mercier
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Anatole Taubman gewann 2008 den Prix Walo in der Kategorie «Bester Schauspieler». Szenen aus der Produktion «Petit Prince» (rechts).zvg

Anatole Taubman gewann 2008 den Prix Walo in der Kategorie «Bester Schauspieler». Szenen aus der Produktion «Petit Prince» (rechts).zvg

Der Schweizer Schauspieler Anatole Taubman hat sich in Hollywood einen grossen Namen gemacht. Wohl jeder James-Bond-Fan kennt ihn als den Bösewicht Elvis im Film «Ein Quantum Trost» (2008). Für vier Aufführungen von Le Petit Prince fliegt er nun in die Schweiz und betritt am Samstag nach langer Zeit in Basel die Theaterbühne.

Herr Taubman, Sie spielen in Hollywood in Blockbuster-Filmen mit. Wie kommen Sie dazu, in der kleinen Schweiz bei der Produktion
«Le Petit Prince» mitzumachen?

Anatole Taubman: Ich wollte immer zurück auf die Theaterbühne. Nach 21 Jahren tue ich das zum ersten Mal wieder mit «Le Petit Prince». Eine riesengrosse Herausforderung für mich, wo ich meine eigenen Dämonen überwinden muss.

Was für Dämonen?

Barrieren, die ich überspringen muss. Die Theaterbühne erscheint mir zurzeit wie das Mount-Everest-Gebirge. Das Besteigen ist machbar, aber schwierig.

Haben Sie Angst vor den Auftritten?

Ich bin aufgeregt. Aber ich empfinde es als positive Aufregung. Jedoch spielen Moleküle, Rezeptoren und Synapsen in mir verrückt. Aber als die Anfrage kam, ob ich den Erzähler und den Piloten bei «Petit Prince» verkörpern möchte, dachte ich mir, das ist eine gute Gelegenheit, mich dem Thema Theater «süferli» zu nähern.

Sie übernehmen in Filmen häufig die Rolle des Bösewichts. Neben jenem bei James Bond unter anderem einen albanischen Kriminellen in «96 Hours» oder einen serbischen Kriegsverbrecher in der BBC-Serie «Waking the Dead». Passt «Petit Prince» überhaupt zu Ihnen?

Es ist nach wie vor so, dass in englisch-sprachigen Produktionen kontinental-europäische Schauspieler eher die Rolle des Antagonisten als die des Gutmenschen übernehmen. Das schreibt der Markt so vor und hat wohl auch mit meiner Physionomie zu tun. Meinen Augenringen und den kantigen Wangenknochen. In deutschsprachigen Produktionen schaue ich immer mehr darauf, dass ich nicht den Bösen spiele.

Die Geschichte «Petit Prince» ist sehr poetisch. Sind Sie ein Poet?

Ich bin kein Poet, sondern eher ein Romantiker. Aber ich trage sicherlich auch Poesie in meinem Herzen.

Eine der Hauptaussagen in der Geschichte ist der Satz «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Leben Sie nach dieser Philosophie?

Zumindest versuche ich, das bewusst zu leben. Mein anderes Lebensmotto lautet: Prinzipien über Persönlichkeit stellen.

«Le Petit Prince» ist eine Kindergeschichte. Welchen Bezug hatten Sie zu Antoine de Saint-Exupérys Text, bevor Sie die Rollenanfrage erhalten haben?

Ich habe die Geschichte als Jugendlicher gelesen. Es ist eine zeitlose, generationenübergreifende Geschichte über Freundlichkeit und Menschlichkeit. Der Text ist nicht nur für Kinder, sondern für das Kind im Erwachsenen. Dieses Märchen ist in unserer Zeit von Reizüberflutung gefragter denn je.

Und es ist weltweit wohl eine der meist verkauften Erzählungen. Denken Sie, die Menschen verstehen die eigentliche Botschaft noch?

Zu hundert Prozent. Sie funktioniert global, unabhängig von Religion, Geschlecht oder Hautfarbe. Sie spricht das Kind als Kind und das Kinder-Ich im Erwachsenen an, das jeder von uns hat. Ich wünsche mir, dass es jeder hat.

Am Samstag ist die letzte «Petit-Prince»-Vorstellung in Basel. Gehen Sie dann zurück zum Filmset?

Ja, am Montag stehe ich im Versailles des 17. Jahrhunderts vor der Kamera für eine neue internationale Serie.

Und die Theaterbühne? Haben Sie einen konkreten Plan, wann Sie diese für länger betreten möchten?

Nein, aber ich kann mir vorstellen, in Basel mit Helmut Förnbacher zu arbeiten. Er ist ein Bekannter von mir, den ich als Mensch und Künstler schätze.

«Le Petit Prince» Samstag, 24. Januar,

Musical Theater Basel, 19.30 Uhr