In Basel führt die Autobahn mitten durch die Stadt. Und sie ist erst noch fast täglich verstopft. Vergangene Woche kündeten der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels, seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro und Rudolf Dieterle, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), an: Der Verkehr der Osttangente kommt unter den Boden. Die Vertreter der «IG Osttangente Ausbau Nein» sind aber trotz des 1,4-Milliarden-Franken-Projekts nur halb zufrieden. Im Interview erklären sie, wieso.

Herr Locher, finden Sie als Vertreter der «IG Osttangente Ausbau Nein» den Vorschlag gut, der vergangene Woche präsentierte wurde?

Markus Locher: Wir finden gut daran, dass die oberirdische Autobahnverbreiterung vom Tisch ist. Das war für uns die erste grosse Bedrohung: Dass Häuser für die Verbreiterung abgerissen werden müssen, oder dass der Verkehr noch näher an die Häuser heranrückt. Problematisch ist aber, dass noch mehr Strassenkapazitäten geschaffen werden.

Glauben Sie denn wirklich, dass der oberirdische Ausbau der Osttangente vom Tisch ist? Die Finanzierung der Tunnel-Autobahn ist ja noch sehr unklar.

Das hoffen wir schon sehr. Ich denke, die Baselbieter Regierung muss noch mal über die Bücher. Frau Pegoraro sagt salopp, dass die Untertunnelung ein Sonderwunsch von Basel-Stadt sei. Da erfasste Sie das Problem nicht. Das sagte sie aus taktischen Gründen, weil sie einfach nicht zahlen will.

Sie erwarten also, dass auch das Baselbiet seinen Beitrag leistet?

Auf jeden Fall.

Was halten Sie denn von der Haltung des Bundes, dass Basel-Stadt und Baselland für die zusätzlichen Kosten für den Tunnel aufkommen müssen?

Das können wir nicht akzeptieren. Für den Leiter des Astra ist es offenbar ein Sonderwunsch der komischen Basler, dass ihnen der Verkehr nicht durch den Garten fährt. Das ist eine Frechheit. Die Tangente geht mitten durch die Stadt, da sind nicht nur drei Häuser betroffen.

Aus Ihrer Medienmitteilung von gestern kann man aber herauslesen, dass Sie am liebsten gar keine neue Strasse hätten.

Es ist problematisch, wenn noch mehr Verkehr kommt. Aber wir möchten schon, dass die Strasse in Tunnellage geführt wird.

Das wäre ja mit dem angekündigten Projekt erfüllt.

In einem gewissen Sinne ja. Die Strasse verschwindet oberirdisch aber nicht. Es kann sein, dass es dann obendurch immer noch gleich viel Verkehr hat wie vorher – trotz des Tunnels. Es ist ja erwiesen, dass mehr Strassen auch mehr Verkehr anziehen. Das ist nicht nur eine grüne Meinung; da sind sich auch Experten einig.

Sie fordern, dass die heutige Autobahn zurückgebaut werden muss?

Ja. Da müssen noch massiv Dinge passieren. Wie erwähnt: Es gibt Stimmen, die davon ausgehen, dass mit dem Tunnel der Verkehr auf der Osttangente nicht abnimmt, sondern dass der Tunnel einfach den zusätzlichen Verkehr schluckt. Dann sind wir wieder gleich weit.

Der Zeitplan ist sehr langfristig. Vorderhand wird sich nichts ändern.

Das stimmt. Wir wollen aber Druck aufsetzen, dass auch kurzfristig etwas passiert, damit der Lärmschutz verbessert wird. Zuerst einmal mit Lärmschutzwänden. Auch die Begrenzung der Geschwindigkeit auf 60 Stundenkilometern brächte einiges. Man muss die Osttangente ohnehin sanieren; da kann man vielleicht auch mit leisem Belag etwas machen.

Dann ist das aber nur kleiner Schritt, der letzte Woche präsentiert wurde.

Das stimmt. Immerhin geht es in die richtige Richtung.