Romana Moser

Ihre Handschrift ziert ganz Basel: Diese Frau steckt hinter den Schriftzügen unzähliger Lokale

Für die Bäckerei Jetzer gestaltet Romana Moser immer wieder kunstvolle Angebotstafeln.

Für die Bäckerei Jetzer gestaltet Romana Moser immer wieder kunstvolle Angebotstafeln.

Bäckerei Jetzer, Café del Mundo, «Parterre One», «Rhystärn» und Union Diner: Das sind nur einige Lokale unter vielen, welche die Handschrift von Romana Moser tragen. Doch wer ist die Frau hinter den kunstreichen Lettern?

«Wenn du dich auf Schriften zu achten beginnst, siehst du sie plötzlich überall», beschreibt die Wahlbaslerin Romana Moser die Anfänge ihrer Karriere. Was sie über die Bedeutung von Schriften im Alltag sagt, trifft genauso auf die ihren in Basel zu: Wer sich einmal auf die stilvollen Kreideschwünge achtet, wird ihnen an so manchen Orten begegnen. 

Aufgewachsen ist Romana Moser in Wettingen im Kanton Aargau. In der Nachbarstadt Baden liess sie sich zur Hotelfachassistentin ausbilden. Während ihrer gastronomischen Berufstätigkeit im Engadiner Sils rückte aber eine alte Leidenschaft immer mehr ins Zentrum: die Schriftmalerei.

Ausbildung führte sie nach Basel

Schon als Kind entdeckte Moser die Liebe zur Schrift. Beim Malen merkte sie plötzlich: «Ich zeichne immer das Gleiche und komme nicht weiter.» Also entschloss sie sich, Buchstaben in Kunstwerke zu verwandeln. Etwa im Biologieunterricht, als sie den Titel einer Hausarbeit über den Igel so gestaltete, als sei der Schriftzug selbst ein Stacheltier. Aber auch in Sils sei sie von Mitarbeitenden manchmal gefragt worden, ob sie nicht vielleicht im falschen Beruf sei.

Trotz ihrer Liebe zur manuellen Handschrift entschied sich Moser dann für die computerlastige Ausbildung zur Polygrafin, die sie nach Basel führte, wo sie nun schon seit 17 Jahren wohnt. Doch wie es der Zufall wollte, war es wiederum das gastronomische Umfeld, das sie ihrem Traumberuf näherbrachte. 2006 fiel ihr bei der Eröffnung des Gundeldinger Café del Mundo die noch unbeschriftete schwarze Tafel auf, und Moser fragte kurzerhand, ob vielleicht sie das Design übernehmen dürfte.

Kaum Konkurrenz auf ihrem Gebiet

Fünf Jahre später, während derer sie diese Arbeit stets ausüben durfte, entschied sie sich, selbst im Café zu arbeiten: «Um zu beobachten, wie die Leute auf die Schrifttafeln reagieren», erzählt Ramona Moser. Die Reaktionen waren erfreulich, die Konkurrenz klein.

Zu dieser Zeit seien fast alle Tafeln von den Ladenbesitzenden selbst oder von Kunstschaffenden anderer Disziplinen wie Tätowierenden gestaltet worden. Und so entschloss sie sich 2013, den selbstständigen Weg ins Glück zu suchen.

Das Café del Mundo gehört immer noch zur Stammkundschaft Mosers. Doch unzählige Betriebe sind inzwischen dazugekommen. Dies mag auch daran liegen, dass in der Schweiz ausser ihr nur eine Handvoll Kunstschaffender, die sie fast alle persönlich kenne, auf das Tafel- und Fenstermalen spezialisiert sei.

In Basel selbst messe sie sich nur mit einer Mitstreiterin. Von feindseliger Konkurrenz kann aber nicht die Rede sein; ist jene doch eine Künstlerin, die am Anfang ihrer Karriere von Moser selbst zu Weiterbildungen mitgenommen wurde und damit den Schritt zur Blackboard-Artistin machte.

Instagram als Plattform für den Austausch

Ihre Inspiration holt sich Moser im Alltag oder auf Reisen; eigentlich überall, wo es Schriftzüge gibt. Zu ihren liebsten Tätigkeiten gehören entsprechend Städtereisen: «Ich liebe es, alleine durch Städte zu gehen und mir schöne Beschriftungen, Schilder und Wandbilder anzuschauen.»

Aber auch die Schriftmalerei ist von der Digitalisierung nicht verschont geblieben. So sei es vor allem die Social-Media-Plattform Instagram, auf der sich internationale Kunstschaffende austauschten. Via dieses Medium präsentiert auch Moser ihre Werke: Auf dem Kanal «romanaschrift» können sie betrachtet werden.

Die grösste Kunst aber, sagt Moser, liege bei der Schriftmalerei nicht im Künstlichen: «Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Perfektion und persönlicher Handschrift.» Es sei schade, wenn man einer Schrift nicht mehr ansehe, dass sie von Hand gestaltet ist.

Deswegen rät sie Kundinnen und Kunden, die nur eine perfekte Kopie eines computergenerierten Schriftzuges wünschen, den Griff zum Plotter. Die Schriftkunst ist eben nicht blosse Reproduktion – sie ist der Ausdruck einer sich immer wandelnden, ganz persönlichen Handschrift.

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