Littering

Illegale Abfallentsorgung kostet den Basler Steuerzahler jährlich zehn Millionen

Eine Woche wurde der Abfall beim Theaterplatz gesammelt. Das Ergebnis ist imposant.

Beissender Gestank umweht die Serra-Plastik am Theaterplatz. Eine Woche wurde hier der Urin nicht weggespült. Vor den Journalisten erhebt sich ein Abfallberg. Rund 10 000 Bierdosen, Zigarettenstummel und Verpackungen von Esswaren, die einfach liegengelassen wurden, hat die Stadtreinigung zusammengetragen.

«Jedes Mal hat jemand willentlich etwas auf dem Theaterplatz liegengelassen, hat beispielsweise eine volle Dose Bier zum Theaterplatz getragen, aber sich nachher nicht die Mühe gemacht, und die leeren Dose zum Abfall gebracht», sagt Dominik Egli, der Leiter der Stadtreinigung.

Polizei hat kaum eine Handhabe

Die Stadtreinigung lud am Freitagmorgen die Medien zum etwas anderen Stadtrundgang vom Theaterplatz über das Rheinbord zur Abfallsammelstelle an der Feldbergstrasse. Den Journalisten sollte vor Augen geführt werden, mit welchen Kehrichtmengen die Abfallmänner in den Sommermonaten zu tun haben.

Ebenso eindrücklich wie die Abfallberge sind die finanziellen Folgen des Litterings. Rund die Hälfte der Kosten der Stadtreinigung fallen für illegal entsorgten Müll an. Zwanzig Millionen gibt der Kanton dafür aus, die Strassen und Trottoirs sowie die Plätze zu reinigen und die Abfallbehälter zu leeren. Auf rund fünf bis sieben Millionen Franken beziffert Egli das Littering, weitere zwei bis drei Millionen Franken würde den Steuerzahler die illegale Entsorgung des Hausmülls in öffentlichen Kübeln kosten.

Das Problem zeigt sich vor allem bei Kehrichtsammelstellen. «Viele kommen bewusst hierher, um ihren Abfall zu entsorgen», sagte Egli bei der Sammelstelle an der Feldbergstrasse. Nur ein kleinerer Teil der illegalen Abfallentsorgung sei darauf zurückzuführen, dass die Leute versehentlich etwas mitgenommen und liegengelassen hätten, das sie nicht legal entsorgen konnten.

Was die verbotene Abfallentsorgung in Basel angeht, gibt es demnach eine grosse kriminelle Energie. Dieser zu begegnen, ist nicht einfach. Bussen für Littering werden nur sehr selten ausgesprochen, da der Aufwand zu gross ist. Polizeibeamte müssten die Sünder schon in flagranti erwischen, um die 80-fränkige Busse auszusprechen. Biertrinker am Theaterplatz und beim Rheinbord müssten länger beschattet werden.

Polizeisprecher Toprak Yerguz sagt: «Das Problem ist, dass in Anwesenheit uniformierter Polizisten nur wenig Littering passiert. Das längere Überwachen von Örtlichkeiten, um fehlbare Personen wegen ihres weggeworfenen Abfalls zu büssen, ist selten verhältnismässig.» Seit Jahren bewegt sich die Zahl der verteilten Bussen zwischen 70 und 80 – diese Zahl wird kaum steigen. Die Stadtreinigung stellt auch nicht Forderungen nach restriktiverem Durchgreifen auf. Sondern vertraut auf die mediale Wirkung der Bilder von Abfallbergen.

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