Jugendbewilligung
Illegale Partys: Soll das Zürcher Modell auch in Basel eingeführt werden?

Zürich gibt Jugendlichen neu die Chance, ihre Partys vereinfacht bewilligen zu lassen. In Basel findet die Idee auch Unterstützung – an vorderster Front setzt sich Juso-Chefin Sarah Wyss ein. Allerdings kommt die Idee nicht überall so gut an.

Nadine Böni
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Nach den Ausschreitungen an einer illegalen Party bei der Grosspetergarage wenden in Basel einige ihre Blicke Richtung Zürich. Dort wird seit Mitte April im Rahmen eines Pilotprojekts eine Jugendbewilligung getestet.

Veranstalter im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mit Wohnsitz in der Stadt Zürich können über eine Telefonhotline eine Genehmigung für eine Party beantragen. Die Anfrage muss mindestens acht Tage im Voraus eingehen, zur Party dürfen maximal 400 Personen eingeladen werden und Werbung auf sozialen Netzwerken wie Facebook ist verboten. Drei Partys konnten so laut dem Zürcher Schul- und Sportdepartement bisher bewilligt werden, eine wurde nicht bewilligt. Drei Anfragen werden in den nächsten Tagen definitiv beurteilt, zehn weitere lose Anfragen liegen vor.

Juso wollen Vereinfachung

Juso-Chefin Sarah Wyss setzt sich an vorderster Front für die Einführung der Jugendbewilligung in Basel ein. «Das ist eine Möglichkeit, der Nutzung des öffentlichen Raums durch Jugendliche vermehrt einen legalen Rahmen zu geben», sagt Wyss. Sie unterstützt eine Petition der Jungfreisinnigen, die eine Vereinfachung des Bewilligungsverfahrens verlangen. Wie die Juso vorgehen würden, sei noch nicht entschieden.

Die Jugendbewilligung zumindest für «prüfenswert» hält SP-Grossrat Tobit Schäfer. Als viermaliger Organisator des Jugendkulturfestivals (JKF) hat er Erfahrung mit Bewilligungsverfahren. In der Basler Eventszene bestehe teilweise das Bedürfnis nach einem vereinfachten Verfahren, sagt Schäfer: «Jugendliche Veranstalter werden vom langen bürokratischen Verfahren abgeschreckt und machen dann einfach ohne Bewilligung. Wäre es einfacher, würden sie eine Bewilligung einholen.» Daneben gebe es auch Veranstalter, die aus Prinzip keine Bewilligung einholen würden.

Zu hohe Auflagen an Veranstalter

«Es ist fraglich, ob sich das Konzept aus Zürich eins zu eins auf Basel übertragen lässt», gibt Schäfer mit Blick auf die Komplexität des Themas zu bedenken. Die Auflagen, die allgemein an die Veranstalter gestellt würden, seien zudem hoch: «Es braucht Auflagen, das ist ganz klar. Diese müssen vom Veranstalter aber mit vernünftigem Aufwand erfüllt werden können», sagt Schäfer. Neben einer vereinfachten Bewilligungspraxis plädiert er deshalb für «eine liberalere Haltung der Verwaltung».

Thomas Kessler, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung, sieht die Jugendbewilligung zwar als «unkomplizierte Regelung». Basel sei aber in einer kleineren Dimension von illegalen Partys betroffen als Zürich. «Da stellt sich die Frage, ob eine solche Bewilligung nicht eine Illusion der Vereinfachung ist und das Ganze eigentlich nur komplizierter macht.» Intern liefen daher Abklärungen, inwiefern eine Übernahme des Zürcher Modells Sinn machen könnte und ob nicht stattdessen eine pragmatischere Lösung gesucht werden soll.

Kritik von der Polizei

Polizeisprecher Klaus Mannhart äussert sich ähnlich. Ein Verfahren wie in Zürich brauche Basel nicht. «Wer einen Anlass organisieren will, kann auf der Allmendverwaltung nachfragen, ob das möglich ist und welche Bewilligungen er dazu braucht - das ist bei uns heute schon kurzfristiger möglich als in Zürich», sagt Mannhart. Ausschreitungen wie letztes Wochenende bei der Grosspetergarage könne eine Jugendbewilligung ausserdem nicht verhindern.