Am Anfang war ja ehrlicherweise Augenrollen angesagt. Noch eine Messe, die man sich in der übervollen Art-Woche zu Gemüte führen sollte. Noch mehr Kunst, noch mehr Galeristen und noch mehr Stände, die für uns Normalverdienende unbezahlbare Werke präsentieren. Musste das wirklich sein?

Es musste. Die Paper Positions ist nach Berlin und München nun auch in Basel zu sehen. Ihr Erfolgsversprechen: Sie konzentriert sich, anders als ihre grossen Mitspieler, auf ein Mini-Segment der Kunst. Papier. Das ist erschwinglicher, die Preise bewegen sich zwischen 800 und 4000 Franken. Auch in Sachen Präsentation will die Messe neue Wege gehen: Bei Paper Positions gibt es keine Kojen, sondern offene Wände, wie in einem Museum. Die Besucher und Galeristen sollen sich frei bewegen können, ins Gespräch kommen.

Das Konzept stammt von Kristian Jarmuschek. Der deutsche Galerist hat gemeinsam mit einem Kollegen vor zwei Jahren die Messe ins Leben gerufen. In Berlin war kurzfristig ein Standort freigeworden. Die beiden schauten ihn sich an und sahen sofort: Für normalgrosse Kunst war der Raum ungeeignet. Aber Papierarbeiten – das könnte klappen. Sie luden befreundete Galerien ein und nannten die Messe «Paper Positions», eine Messe für Papierarbeiten.

Spürbare Vielseitigkeit

Wieso Papier? «Die Zeichnung», so Jarmuschek, «steht im Gegensatz zur Malerei weniger unter Beobachtung. In ihrer Beiläufigkeit entstehen unerwartete, reizvolle Werke.» Die Messe zeigt aber bei weitem nicht nur Zeichnungen, sondern hat sich das Medium Papier in seiner Vielseitigkeit auf die Flagge geschrieben.

Eine Vielseitigkeit, die man der Messe anmerkt. Es gibt sie schon, die klassischen Zeichnungen auf Papier, zum Beispiel von Alberto Giacometti bei der Tessiner Galerie Artrust. Es gibt auch die eine oder andere wenig aufregende Collage. Wirklich spannend wird es da, wo Ungewöhnliches ausprobiert wird, ohne auf die dekorative Schiene zu rutschen. Der junge belgische Künstler Fabrice Souvereyns etwa (bei Hopstreet), der mit einem harten Bleistift minutiöse Landschaften auf dickes, weiches Papier zeichnet und wieder ausradiert. Zurück bleibt die Ahnung einer Landschaft, ins Papier geprägt. Oder die Madonnenbilder der deutschen Künstlerin Esther Burger (bei Addaux), die übriggebliebene Plakatfetzen von Prozessionen mit fetten Schichten aus Acryl versieht.

Dieselbe Galerie zeigt auch Dorthe Goeden, eine deutsche Künstlerin, die mit dem Chirurgenskalpell feinste, abstrakte Scherenschnitte macht. Das ist hohe Handwerkskunst, genau so wie die Mobiles aus selbst geschöpften Papier der deutschen Künstlerin Rosali Schweizer (bei Barbara Ruetz). Gerade solche Werke tendieren zum Dekorativen – eine schwierige Gratwanderung für die Paper Positions, die sich als Kunstmesse verstehen will. Man verzeiht es ihr, der grösste Teil der Papierarbeiten überzeugt künstlerisch und der Rest? Der sieht gut aus.

 

Paper Positions Bis 17. Juni, Ackermannshof, St. Johanns-Vorstadt 19–21, Basel.