Leserzahlen
Im Basler Medienmarkt gibt es grössere Verschiebungen

Die gestern publizierten Wemf-Zahlen geben zu reden. Die bz hat innert eines Jahres 28000 Leserinnen und Leser dazugewonnen, während die BaZ 40000 verlor. Der Baselbieter Medienprofessor Roger Blum analysiert die Situation.

Moritz Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Roger Blum findet es falsch, «auf den Zahlen zu verharren»

Roger Blum findet es falsch, «auf den Zahlen zu verharren»

So viel ist klar: Es ist Bewegung im Markt. Gestern wurden die Zahlen der Wemf AG für Werbemedienforschung veröffentlicht. Im Basler Zeitungsmarkt gab es grössere Verschiebungen.

bz mit 62 Prozent mehr Lesern

Die bz hat innert eines Jahres satte 28'000 Leserinnen und Leser dazugewonnen und ist um 62 Prozent gewachsen. Die bz weist damit heute 73'000 Leser aus (Normalauflage, in der Grossauflage sind es 121'000 Leser).

Die BaZ verliert gleichzeitig 24,5% Leser. Das ist das Resultat der neusten Studie der Wemf AG für Werbemedienforschung.

Eine strukturelle Verschiebung

Der langjährige Journalist und Medienprofessor Roger Blum findet es deshalb falsch, «auf den Zahlen zu verharren», wie er sagt. Für ihn zeigen die Ergebnisse der Wemf-Studie vor allem, «ob ein Medium überhaupt bei den Leuten ist». Sprich: Kommt die Bevölkerung überhaupt in Kontakt mit einer Zeitung.

Auf dem Basler Medienmarkt sieht Blum eine Verschiebung, die «strukturell, und nicht nur konjunkturell», sein könnte. «In den 80er-Jahren konnte man als enttäuschter BaZ-Leser in der Stadt nicht einfach die Zeitung wechseln», sagt er. Damals gab es noch die Basellandschaftliche Zeitung, die Nordschweiz und die Basler AZ, die im Vergleich zur BaZ alle «Zwerge» gewesen seien. «Diese Zeitungen boten wenig Service-Leistungen, schrieben teilweise parteipolitisch einseitig oder waren, wie die damalige bz, zu sehr auf Liestal ausgerichtet.»

Dass man heute als Leser eine täglich erscheinende Alternative habe, hinter der ein starkes Medienhaus steht, sei «fundamental neu», sagt Blum, der seine Journalistenkarriere einst in Liestal und Basel begonnen hatte. «Wenn heute jemand wechselt, ist das eher ein Wechsel, der stabil ist», meint er.

Die Entwicklung bereitet ihm aber auch Sorgen. «Die BaZ zählte und zählt zu den wichtigsten Zeitungen der Schweiz.» Mit der gegenwärtigen Entwicklung bestehe die Gefahr, dass der ökonomische Rückhalt weiter schwindet und die BaZ irgendeinmal publizistisch nicht mehr die bisherige Qualität bieten kann.