Der Sommer macht Pause: Es regnet seit Tagen und Gewitter sorgen für niedrige Temperaturen. Wer zu Hause bleiben kann, tut das. Was aber tun die Leute, die kein Zuhause haben? Seit 2006 gibt es in Basel das Soup & Chill, eine Wärmestube für «randständige Menschen», die zu einer wichtigen sozialen Institution in Basel geworden ist. Seit zwei Jahren hat es sein festes Domizil an der Solothurnerstrasse im Gundeli-Quartier.

Neben Versorgungsleistungen trägt das Soup & Chill auch zur Beruhigung des früher sehr konfliktgefährdeten Bahnhof-Areals bei: «Randständige Menschen nicht mehr wegweisen, sondern ihnen den Weg weisen», war das Motto. In der Winterzeit bietet die Suppenküche ihren Gästen Erholung vom Leben auf der Strasse und eine warme Mahlzeit. Seit 2011 wurde im Soup & Chill auch an den Sommerwochenenden gekocht: Dieser SommerBetrieb muss nun mitten in der Saison geschlossen werden: Die finanziellen Mittel fehlen.

Grossratsbeschluss enttäuscht

Mit 45'000 Franken unterstützt der Kanton für die nächsten drei Jahre das Soup & Chill: Geld, das für den Winterbetrieb vorgesehen ist, und nur 15 Prozent der Betriebskosten deckt – 250'000 Franken erwirtschaftet der Betrieb pro Saison selbst. Trotzdem sind neben den Ausgaben für den Winter die Sommerwochenenden kaum mehr finanzierbar. 40'000 Franken, also fast die ganzen Subventionsmittel, verbraucht alleine die Anstellung eines Sicherheitsmannes im Winter. Aus diesem Grund hat das Soup & Chill beim Grossen Rat einen Antrag zur finanziellen Entlastung im Bereich des Sicherheitsdienstes eingereicht: Die Sicherheitskosten von Non-Profit-Organisationen, die einen Dienst für die Allgemeinheit erfüllen, seien Sache des Kantons. Das sah der Grosse Rat anders und lehnte den Antrag ab.

Für Claudia Adrario de Roche, Präsidentin des Soup & Chill, ein unverständlicher Beschluss: «Ich war enttäuscht und fassungslos.» Der Grosse Rat hatte ihren Antrag für den falschen Weg gehalten: Die Anfrage für die Finanzierung des Wachmannes hätte stattdessen über erneute Subventionsverhandlungen erfolgen müssen. Weiter wertete der Grosse Rat die Notwendigkeit eines Sicherheitsmannes als Zeichen dafür, dass die Mitarbeiter des Soup & Chill nicht gut genug ausgebildet seien, um die alltäglichen Situationen im Betrieb alleine zu bewältigen. Bei früheren Verhandlungen hatte sich Christoph Brutschin, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, jedoch ebenfalls für den Einsatz einer Wachperson ausgesprochen, erzählt Adrario de Roche. «Auf unsere Argumentation wurde bewusst nicht eingegangen», glaubt sie.

Resigniertes Schulterzucken

Der negative Grossratsbeschluss hat für die Gäste des Soup & Chill Folgen. Weil die Gassenküche in Basel am Wochenende geschlossen hat und die Notschlafstelle weder Frühstück noch Abendessen ausgibt, musste das Angebot von Soup & Chill eine Lücke in der Sozialversorgung füllen. Dieses Wochenende werden die Mitarbeiter noch «verkochen, was im Haus zu finden ist». Dann ist die kurze Sommersaison schon wieder vorbei. Als Adrario de Roche ihren Gästen vor zwei Wochen die Hiobsbotschaft mitteilen musste, seien ihr lediglich Schulterzucken und Resignation entgegengeschlagen: «Unsere Gäste sind es sich gewohnt, vor verschlossenen Türen zu stehen. Das Soup & Chill ist ein weiterer Ort, der nicht für sie da sein kann.»

Am 1. November wird der Winterbetrieb wieder aufgenommen. Bis dahin hofft Adrario de Roche auf die Veröffentlichung einer Studie vom Seminar für Soziologie an der Universität Basel, die die Wirkung des Soup & Chill auf Kriminalität und Krisensituationen untersucht. Sie könnte den Nutzen und die Notwendigkeit der Suppenküche für die Stadt belegen und in späteren Verhandlungen entscheidendes Gewicht haben. In der Zwischenzeit wollen die Betreiber ihre Gäste dennoch nicht ganz alleine lassen: Vereinzelt werden sie kleine Veranstaltungen organisieren. Den Wochenendbetrieb kann das aber nicht ersetzen.