Gesamtarbeitsvertrag

Im Basler Taxigewerbe hängt der Haussegen gewaltig schief

Stundenlöhne zwischen 12 und 16 Franken: Taxistandplatz bei der Messe Basel.

Stundenlöhne zwischen 12 und 16 Franken: Taxistandplatz bei der Messe Basel.

Die Gewerkschaften Unia und Syna sind sauer und kündigen den seit 2088 geltenden GAV mit der Basler Taxi-Zentrale AG auf Ende Jahr. Mit der Kündigung will die Unia besser Arbeitsbedingungen erreichen. Der momentane GAV garantiere keinen Basislohn.

«Das ist ein eigenartiges Vorgehen», wundert sich Kurt Schaufelberger, der Delegierte des Verwaltungsrats der Basler Taxi-Zentrale AG. Diese betreibt zusammen mit dem 33er Taxi und Mini-Cab AG rund 250 Taxis.

Gestern Morgen fand eine Sitzung zwischen der Gewerkschaft Unia und dem Arbeitgeberverband (Astag) statt. Dabei habe die Unia mündlich erklärt, dass sie den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) auf Ende Jahr kündigen werde, erklärt Schaufelberger. Dies teilte die Unia gestern über Mittag dann gleich den Medien mit.

Die Unia Nordwestschweiz will mit der GAV-Kündigung bessere Arbeitsbedingungen erreichen. Den Beschluss, den seit 2008 geltenden GAV zu kündigen, hätten die Mitglieder im Taxigewerbe an ihrer Generalversammlung einstimmig gefasst. Laut Unia hat sich auch die Gewerkschaft Syna als zweite GAV-Partnerin auf Arbeitnehmerseite für diesen Schritt entschieden.

«Wir haben noch nichts Schriftliches», erklärt Kurt Schaufelberger, «aber zum Künden bleibt ja noch Zeit bis Ende Monat». Der GAV sei in der Praxis unbedeutend, die Taxichauffeure seien überhaupt nicht daran interessiert. Denn sie seien nicht breit gewerkschaftlich organisiert, fährt Schaufelberger weiter.

Unia kritisiert Taxihalter

Die Unia wirft den Arbeitgebern vor, «seit Jahren jegliche Weiterentwicklung und Umsetzung des Vertrags zu blockieren». Diese Kritik begreift der Verwaltungsratsdelegierte der Taxi-Zentrale AG nicht: «Wir haben immer etwas getan: Ferienregelung, Umsatzbeteiligung, Garantielohn», zählt Schaufelberger auf.

Auch den Vorwurf, die Arbeitgeber verhinderten Kontrollen, um den GAV durchzusetzen, kontert Kurt Schaufelberger: Die Polizei habe vor Kontrollen abgeraten, weil der GAV rechtlich gar nicht durchsetzbar sei. «So machen Kontrollen keinen Sinn, sonst landen wir noch vor Gericht.»

Gemäss Unia garantiert der geltende GAV den Basler Taxifahrern zwar eine Umsatzbeteiligung von 43 Prozent, jedoch keinen Basislohn.

Die durchschnittlichen Stundenlöhne lägen zwischen 12 und 16 Franken. Die Unia fordert als erstes weniger Taxis und einen Mindestlohn. Kurt Schaufelberger bestätigt, dass es keinen Mindestlohn gibt, jedoch einen Garantielohn. Dieser basiert auf einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 43 Stunden. Diese Zeit muss ein Taxichauffeur ausschöpfen, erst danach verdient er mehr.

Taxigesetz wird revidiert

Weniger Taxis, wie dies die Unia fordert, sind angedacht in der Revision des Taxigesetzes, das in den nächsten Monaten in die Vernehmlassung geht. «Weniger Taxis bedeuten aber auch weniger Arbeitsplätze», kommentiert Schaufelberger.

Ob die Arbeitgeber den Gewerkschaften Hand zu Verhandlungen für einen neuen GAV reichen werden, müssten sie sich zuerst überlegen. «Vor dem GAV waren wir jahrzehntelang ohne unterwegs. Und das ging ganz gut», blickt Schaufelberger zurück.

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