Wenn Sabine Roth kurz vor 7 Uhr morgens durch die Merian Gärten geht, ist alles noch still. Sie nutzt die Zeit zum Durchatmen, bevor die ersten Spaziergänger den Park bevölkern. Seit 19 Jahren arbeitet sie hier und hat sich noch keinen einzigen Tag gelangweilt.

Sabine Roth ist Gärtnerin. Stauden- und Kleinholzgärtnerin, genau genommen. Zierpflanzen fand sie nie sonderlich interessant. «Ich war auch nie ein richtiges Mädchen, hatte schon immer die kurzen Haare», sagt sie lachend. Lange konnte sie sich für keinen Beruf entscheiden, die Leidenschaft für Pflanzen gab schliesslich den Ausschlag. «Ich war immer mit der Kamera unterwegs und habe Pflanzen fotografiert», erzählt sie.

Roth arbeitete nach der Lehre einige Zeit als Landschaftsgärtnerin, war aber nie ganz zufrieden: «Die Arbeitsbedingungen waren lausig, ich überlegte mir schon eine Umschulung.» Doch dann kam die Stellenausschreibung von den Merian Gärten. «Seit ich hier bin, geht es mir gut», sagt die 56-Jährige.

Die botanischen Gärten liegen neben dem Dreispitz-Areal und wurden 1968 auf dem ehemaligen Besitz von Christoph Merian erbaut. Sie werden durch die Christoph-Merian-Stiftung, durch Gönner und Sponsoren, sowie durch den Verein «Freunde des botanischen Gartens» finanziert.

Pflanzenpflege und Bürojob

Zu Beginn ihrer Arbeitszeit sei das Areal noch ein verschlafener botanischer Garten mit ein paar Sammlungen gewesen, erzählt Roth. Es gab damals noch weniger Helfer und neben der Pflanzenpflege blieb wenig Zeit.

Heute ist Sabine Roth eine von sieben Reviergärtnern und -gärtnerinnen, daneben gibt es ein Team für Umgebungsarbeiten, Teilzeitkräfte und Lernende. Man sie auch mal im Büro, wo sie Pflanzen dokumentiert oder Texte für die Website schreibt. «Am schönsten ist aber, wenn ich ein leeres Beet gestalten kann», sagt Roth. «Staudenpflanzungen sehen zwar wie zufällig gewachsen aus, dahinter steckt aber eine Menge Planung.»

Sie hat miterlebt, wie die Merian Gärten in den letzten Jahrzehnten zum Besucher-Magnet geworden sind. «Viele Leute kommen mit Fragen zu uns. Sie wollen wissen, wie eine bestimmte Raupe heisst oder wie sie ihre Pflanzen zu Hause pflegen müssen», so Roth. Manchmal komme sie wegen den vielen Fragen fast nicht zum Arbeiten. «Ich freue mich trotzdem immer, wenn ich jemandem helfen oder eine versteckte Pflanze zeigen kann.»

Auch sonst hat sich Roths Arbeitsalltag seit 1999 stark verändert. Sie musste sich zum Beispiel mit neuen Pflanzen anfreunden: «Rhododendren mochte ich früher überhaupt nicht. Riesengross und viel zu bunt.» Heute pflegt sie das Rhododendron-Tal und spricht liebevoll von ihren «Rhodos».

Ein weiterer Meilenstein war die Umstellung des botanischen Gartens zu einem Bio-Betrieb im Jahr 2012. Sie ermöglichte die Fusion mit dem Brüglingerhof zu den heutigen Merian Gärten. Das Gärtner-Team musste Pflanzenschutzmittel austauschen und Arbeitsprozesse anpassen. «Wir müssen Schädlinge anders bekämpfen als früher und vermehrt mit resistenten Pflanzenarten arbeiten», erklärt Roth.

50. Geburtstag steht an

Mittlerweile hat sich der Betrieb eingependelt. Sabine Roth ist immer noch dankbar, dass sie vor 19 Jahren die Stellenausschreibung gesehen und die Chance gepackt hat. Sie ist stolz auf die Gärten, die dieses Jahr 50 Jahre alt werden. «Ich freue mich auf das Fest, und hoffe, dass viele Leute die Gärten von einer anderen Seite kennenlernen.»

Die Merian Gärten feiern Geburtstag: Am Samstag und Sonntag gibt es auf dem ganzen Areal verschiedene Installationen zu entdecken, am Samstagabend um 19 Uhr findet ein Festakt statt. Das Programm gibts auf www.meriangärten.ch