«Recycling»

Im Clara-Brocki gibt es Weggeworfenes zum Wegwerfpreis

Auswählen und ab auf die Waage. Die Geschäftsleiter des Clara-Brockis Andreas Tereh und Martin Becker zeigen wie’s geht.

Auswählen und ab auf die Waage. Die Geschäftsleiter des Clara-Brockis Andreas Tereh und Martin Becker zeigen wie’s geht.

Für die Einen ist es Schrott für die Anderen ein Traum-Schnäppchen: Im Clara-Brocki gibt es jetzt eine Elektro- und Werkzeug-Abteilung mit Nägel, Schrauben und Co. zum Kilopreis.

Die Türe quietsch und der Boden knarrt. Der Boden ist mit alten Teppichen ausgelegt. Brocki-Feeling. Im Keller hämmert und bohrt es. Es sind der Co-Geschäftsleiter Martin Becker und seine Mitarbeiter, die die letzten Vorkehrungen für die neue Abteilung im Haus instand setzen. Ein grosses Schild macht hochgewachsene Kunden darauf aufmerksam, den Kopf beim Betreten einzuziehen.

In dem niedrigen Raum steht, was die einen nicht mehr gebrauchen können und andere schon lange gesucht haben. Das meiste stamme von Hausräumungen, sagt Becker. Früher habe man alles einfach entsorgt. Immer wieder gab es aber im Clara-Brocki Anfragen von Leuten, die auf der Suche nach bestimmten Werkzeugen oder Elektroteilchen waren. «Und so dachten wir: Besser wir verkaufen die Sachen billig, anstatt sie wegzuwerfen», so Becker. Pro Kilo bezahlt man zehn Franken für die Waren. Am Donnerstag eröffnete die neue Abteilung.

Günstiger als beim Baumarkt

Die Mitarbeiter des Clara-Brockis nennen ihn Ali Baba, den freundlichen Marokkaner mit der runden Brille und Dächlikappe auf dem Kopf. Seit 25 Jahren gehe er in diesem Gebäude ein und aus. «Dieser Lift kennt mich besser, als ich ihn», sagt Ali Baba lachend und zeigt auf den Warenlift mit den dicken Eisentüren. Die Besitzer des Gebäudes haben in den letzten Jahren immer wieder gewechselt, vor vier Jahren wurde aus der Lazarus Brockenstube das Clara-Brocki, Ali Baba ist stets treuer Kunde geblieben. Darum freut sich der Stammkunde auch besonders über die Werkzeug- und Elektro-Abteilung. Dass er der Erste war, der die neue Abteilung inspizierte, war selbstverständlich.

Ali Baba steckt seine Finger in die Schachtel mit den grossen Schrauben und wühlt darin herum. Er scheint etwas zu suchen. Ein paar Schachteln weiter wird er fündig: Nagel Kabelschellen, die kleinen Nägelchen mit weissem Plastik, um Kabel sauber entlang einer Wand zu befestigen. Ali Baba nimmt eine gute Handvoll davon und legt sie auf die Waage. 200 Gramm, das heisst nur zwei Franken. Er strahlt und sagt: «In einem Baumarkt hätte ich bestimmt das Doppelte bezahlt.» Ein Grund, sich weiter nach nützlichen Dingen umzuschauen. Hammer, Bohraufsätze, alte Türklinken, Scharniere in allen Grössen. Aber auch Verlängerungskabel, Computermäuse noch mit den alten PC-Anschlüssen und sonstige Kabel deren Verwendungszweck beim ersten Hinschauen nicht klar sind, können hier ergattert werden.

Wer weiss, was das ist?

Und dann sind da noch die kuriosen Gegenstände: Ein Ding, das auf den ersten Blick aussieht, wie eine alte Velopumpe. Statt eines Kompressors steckt vorne auf dem Schlauch ein langes, schmales Metallteil. «Ich habe keine Ahnung was das ist», sagt Becker. Oder das kleine Silberschärchen mit der edlen Verzierung am Griff, das statt zwei Klingen deren drei hat. Wofür ist die dritte Klinge? «Wer es herausfindet, erhält 50 Franken», verspricht Becker. Etwa einmal im Monat wird auf der Facebook-Seite des Brockis ein Foto eines Gegenstandes publiziert, dessen Sinn und Zweck es zu erraten gibt. Der Gewinner wird belohnt.

Derweil kümmern sich die Mitarbeiter um die Gegenstände, die sie kennen. «Was denkst du, für wie viel können wir den Plattenspieler verkaufen?» Was grösser und wertvoller ist, wird in der neuen Elektro- und Werkzeugabteilung mit einem Preisschild versehen. «Vielleicht 80 Franken?», sagt Einer. «Machen wir 50», findet der andere und klebt ein Preisschild auf den Plattenspieler.

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