Nachtleben

Im düsteren Basel leuchtet nachts nur das Münster

Die Stadt Basel ist in der Nacht fast stockdunkel. Zum Leidwesen von Basel Tourismus. Dabei käme Basels Silhouette beleuchtet wunderbar zur Geltung. Vizedirektor Christoph Bosshard wünscht sich, die Stadt würde so beleuchtet sein, wie es Prag ist.

Eines der strahlkräftigsten und meistfotografierten Sujets der Stadt ist das Münster. Am besten kriegt man es von der Kleinbasler Uferseite aus vor die Linse. Zusammen mit der direkt darunterliegenden Pfalz. Problem: Wirklich strahlend kommt die Silhouette nachts nicht daher. Das liegt weniger am Münster, als viel mehr an der stockdunklen Grossbasler Rheinpromenade. Vor allem zwischen der Wettsteinbrücke und der Mittleren Brücke - da brennt kein Lichtlein.

Ein Fakt, der Basel Tourismus bewusst ist. Diese möchte 2014 etwas dagegen unternehmen. «Basel kann sein Tafelsilber besser ins Schaufenster rücken», fasst Basel-Tourismus-Vizedirektor Christoph Bosshardt das Anliegen zusammen. Im Fokus stehen historische Bauwerke: «Die Beleuchtung und Inszenierung dieser Gebäude kann man besser machen.»

Von den Bauten am Grossbasler Rheinufer sehe man nachts überhaupt nichts. «Das Münster wird beleuchtet, aber sehr schwach.» Als Vorzeigebeispiel bringt Bosshardt Prag ins Spiel. Das Stadtbild der tschechischen Metropole ähnelt dem von Basel: Durch Prag fliesst die Moldau, darüber führt die Karlsbrücke, und im Hintergrund ragt die Prager Burg in den Himmel. Ebenso eine Basel ähnliche Silhouette zeigen Nantes, Dresden, Lyon oder Edinburgh.

Basel nachts attraktiver machen

Das Anliegen von Basel Tourismus kommt für Erik Rummer von den Industriellen Werken Basel (IWB) überraschend. Schliesslich wurde in den vergangenen Jahren das Lichtkonzept in der Stadt erneuert. 2005 hat der Grosse Rat einem Rahmenkredit von acht Millionen Franken zugestimmt - zur Planung, Projektierung und Ausführung des Beleuchtungskonzepts für die Innenstadt. Ziel war, die Attraktivität der nächtlichen Innenstadt durch eine akzentuierte, aber möglichst blendfreie und räumliche Lichtführung zu steigern. «Grösste Beachtung ist dem Rheinraum zu widmen», heisst es im Ratschlag vom November 2004. «Der Flussraum ist zu dunkel, Uferlinien sind nur teilweise sichtbar. Die Uferpromenaden müssen heller beleuchtet sein.» Vor 2004 war der öffentliche Raum der Stadt vor allem auf verkehrsbezogene Funktionen reduziert.

Gerade die Beleuchtung des Münsters sei mit dem Rahmenkredit komplett geändert worden, wie Erik Rummer erklärt. «Wir haben die alten Strahler ersetzt. Nun strahlt weniger Licht in den Himmel als zuvor.» Also keine Lichtverschmutzung mehr - im Gegensatz zu Prag. Zudem sei die Farbgebung viel natürlicher. Und auch die Pfalz sei beleuchtet: «Es soll keine Akzentbeleuchtung sein. So, wie die Pfalz heute optisch wirkt, ist es gewollt.» Überhaupt ging es beim neuen Lichtkonzept nicht darum, einzelne Gebäude hervorzuheben, sondern mit einer natürlichen Beleuchtung in Szene zu setzen.

Nur 0,4 Prozent an Stromverbrauch

In den letzten zehn Jahren hat sich einiges getan in Sachen Beleuchtung. Der Marktplatz, die Freie Strasse und die Mittlere Brücke erhielten ein natürlicheres Licht. Der Lohnhof und das Gymnasium Leonhard waren einst unsichtbar, im Gegensatz zu heute. Die öffentliche Stadtbeleuchtung verbraucht lediglich 0,4 Prozent des Stromkonsums in Basel.

Dennoch: Bosshardt sieht Verbesserungsmöglichkeiten. «Wir haben das Thema Stadtbeleuchtung vorerst aufgegriffen. Nun überlegen wir uns, wie wir dem Kanton unser Anliegen vortragen können.»

«Nachts darf es dunkel sein»

Nicht begeistert vom Vorhaben von Basel Tourismus ist Grossrätin Mirjam Ballmer (Grüne). Sie ist Mitglied der Bau- und Raumplanungskommission. «Ich stehe dem Thema Totalausleuchtung kritisch gegenüber.» Man habe in der Altstadt einiges unternommen, um die Ausleuchtung zu verbessern und die Lichtverschmutzung zu minimieren. Gegen punktuelle Veränderungen im Beleuchtungskonzept hat Ballmer nichts, wenn der Energieverbrauch nicht steigt. Aber: «Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es nachts einfach dunkel sein darf.»

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