Seitdem es 2003 auch im nordelsässischen Soultz-sous-Forêts beim dortigen Pilotprojekt für Geothermie Probleme mit Erdbeben gab, haben die Franzosen die Methode geändert. «Wir spalten das Gestein nicht mehr mithilfe von Wasserdruck auf, sondern benutzen die bestehenden Spalten», erklärt Sandra Gauthier, Mediensprecherin beim Betreiber Electricité de Strasbourg (ES). Mithilfe der Methode «Enhanced Geothermal System» (EGS) habe es seitdem an der Erdoberfläche keine spürbaren Erdbeben mehr gegeben.

Pilotprojekt startete schon 1987

Während die Geothermie in Basel keine Chance mehr haben dürfte, hat die Energieform im Elsass beständig Fortschritte gemacht. Das erwähnte Pilotprojekt startet bereits 1987 mit Bohrungen bis in 3600 und 5000 Meter Tiefe. Soultz-sous-Forêts liefert seit 2008 Wärme für 6000 Haushalte, im Sommer 2016 wurde die Leistung erhöht und das Pilotprojekt mit einer Wärmeleistung von 11,4 Megawatt zur Industrieanlage.

In Rittershoffen, ganz in der Nähe, produziert eine weitere Geothermie-Anlage seit Sommer 2015 die Wärme für die Agrofirma Roquette. Die beiden Bohrungen in 2500 Meter Tiefe haben zu einer Wärmeleistung von 24 Megawatt geführt und könnten 27 000 Haushalte versorgen.
Weitere industrielle Geothermieprojekte sind in Illkirch-Graffenstaden bei Strassburg und in Wissembourg im Nordelsass geplant. Auch hier wird ES der Betreiber sein. Ein weiteres Vorhaben in der Nähe von Mulhouse ist laut Mediensprecherin Sandra Gauthier erst im Anfangsstadium und noch nicht spruchreif.

Investition von 70 Millionen Euro

Auf dem ehemaligen Gelände der Raffinerie Reichstett, nördlich von Strassburg, wird die Firma Fonroche in den nächsten drei Jahren 70 Millionen Euro in Geothermie investieren. Hier sollen 25 000 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig die Elsässer die Geothermie nehmen, ist die Einrichtung des ersten französischen Lehrstuhls für Geothermie an der Universität Strassburg im April 2014. Hier werden drei berufsbegleitende Ausbildungsgänge zur Geothermie angeboten.

Schlecht zu sprechen auf Erdwärme dürften die Bewohner des Dorfes Lochwiller sein. Hier drang bei der Bohrung für eine private Wärmetauschanlage Wasser in 140 Meter Tiefe in quellfähiges Gestein. Im Nachhinein wurden Strassen und 40 Häuser durch Risse beschädigt.
In ganz Deutschland bekannt ist der Fall des südbadischen Faust-Städtchens Staufen. Beim Rathaus war bei Sondierungsbohrungen für Erdwärme ebenfalls in 140 Meter Tiefe gebohrt worden. Wie in Lochwiller stiess das Wasser auf Anhydrit, Gipskemper, der danach begann, sich auszudehnen. Die Folge waren geplatzte Wasserrohre und über 270 durch Risse geschädigte Häuser.