Jetzt wirds ernst. Die heisse Wahlkampfphase hat begonnen – und ist auch fast schon zu Ende. In vier Tagen wissen wir, wer uns Städter und die Bewohner der zwei Randgemeinden auf dem Land in den nächsten vier Jahren regieren wird. Alles ist offen, alles möglich. Jede Stimme zählt.

Zur Wahl stehen wie schon im ersten Wahlgang die Bisherigen Baschi Dürr (FDP) und Hans-Peter Wessels (SP) und die Neuen Heidi Mück (Basta) und Lorenz Nägelin (SVP). Während Nägelin wegen seines Parteibuches und des schlechten Abschneidens im Oktober kaum Chancen eingeräumt werden, glauben die Polit-Beobachter der Region, Baudirektor Hans-Peter Wessels werde es im zweiten Anlauf locker schaffen. Wessels bekam im ersten Anlauf mehr Stimmen als seine erneuten Mitstreiter, warum sollte das jetzt anders sein?

Trotzdem kämpft er bis zur letzten Minute um jede Stimme. Dafür hat er eine Strategie gewählt, die schon den «Bluemefritz» unsterblich gemacht hat: Er verteilt Rosen. Wessels’ «Guete n’Obe mitenand, schöni Rose» dürfte nicht minder charmant klingen als jenes des Stadtoriginals, wenn auch nicht baslerisch, sondern ostschweizerisch. Im Unterschied zu Fritz gibt «Hampe» die Rosen den Barbesuchern aber gratis ab, wie am Wochenende im Kleinbasel beobachtet werden konnte. Er verdient ja auch genug, um sich nicht mit dem Verkauf einzelner Blumen über Wasser halten zu müssen. Daran dürfte sich kaum etwas ändern. Bloss: Wen wird er ab Februar an seiner Seite haben?

Gesetzt sind drei Bisherige – zwei Genossen und ein Christdemokrat – und die Senkrechtstarter Conradin Cramer (LDP) und Elisabeth Ackermann (Grüne). Mangels ernstzunehmender Alternativen wird Ackermann am kommenden Sonntag zu 99,9 Prozent auch Regierungspräsidentin.

Maroni, Mosaik und Menschennähe

Die spannendste Frage bleibt: Wer wird der oder die lachende Siebte? Ein «Ü» im Namen hat die Person ziemlich sicher. Vielleicht werden mit Mück und Dürr sogar zwei mit Ü gewählt, sollte es Wessels wider Erwarten doch nicht schaffen. Eben weil alles möglich ist, kämpfen sie nach einem lauen Wahlkampf plötzlich alle wie die Löwen. Gern tun sie das auf den sozialen Medien. Aber nicht nur. Baschi Dürr gibt auf seine Art alles daran, weiter dem Sicherheitsdepartement vorstehen zu können. Er geht auf die Strasse; mischt sich unter seine Wähler und jene, die es noch werden könnten. Was Dürr auf der Strasse genau tut, wissen diejenigen, die ihn in Riehen oder dem Kleinbasel angetroffen haben. Fest steht: Er tut es seiner Kontrahentin Heidi Mück gleich – auch sie buhlt unter freiem Himmel um Stimmen.

Und Mück macht auch auf Kunst. Ein Mosaik, bestehend aus hunderten Fotos von Unterstützern, soll die letzten Unentschlossenen im Netz wachrütteln. Das Mosaik zeigt die Kandidatin, wie sie rennt und lacht. Ebenfalls mit einem Lächeln ist dieser Tage Lorenz Nägelin unterwegs. In Begleitung eines Maroniverkäufers verschenkt er Maroni an Passanten. Denn aufgeben, das kommt für den Sanitäter nicht infrage. Er hat nichts zu verlieren.

Er wäre nach einer erneuten Schlappe ja nicht als Bisheriger gescheitert, sondern als absoluter Neuling. Insofern erginge es ihm nicht wie einem berühmten Parteikollegen, der einst in Bern einfach abgewählt wurde – und erst noch als Bundesrat!

Das mit den Abwahlen ist so eine Sache. Und eine traurige Angelegenheit für Betroffene. So traurig, dass sie sie nach Kräften verhindern: 2004 trat der Bisherige Hans Martin Tschudi nach einem miserablen Ergebnis im ersten Wahlgang nicht mehr an – und überliess seinen Platz zwangsweise einem Neuen.

Eine solches Szenario blüht uns jetzt nicht, stellen sich Wessels und Dürr nach der Schlappe wieder zur Wahl. Eine Abwahl eines Bisherigen im zweiten Wahlgang und damit die Wahl eines Neuen wäre hingegen keine Premiere für Basel: Vor 16 Jahren wurde die Sozialdemokratin Veronica Schaller nicht wiedergewählt. Sie war in guter Gesellschaft: Es war die dritte Abwahl eines Bisherigen innerhalb von acht Jahren.

So gesehen lohnt sich jedes Röschen.