Nein, es sind nicht die klingenden Namen, die am Montag an der Verleihung der Basler Film- und Medienkunstpreise abgeräumt haben: Nathalie Oestreicher gewinnt mit ihrem Kinodokumentarfilm «Apfel und Vulkan» den mit 20'000 Franken dotierten Hauptpreis.
So sehr ihr der Preis zu gönnen ist: Die Konkurrenz war 2017 äusserst überschaubar. Gerade mal vier Langfilme wurden zur Beurteilung eingereicht.

2017: ein Zwischenjahr? Den Eindruck könnte man haben, wurde doch die Filmförderung der beiden Partnerkantone 2016 substanziell erhöht, neu steht jährlich ein Millionenbetrag zur Verfügung, um diese teure Kunstgattung zu unterstützen. Ein bisschen unglücklich, dass Basel als Filmstadt grad nicht so von sich reden macht wie noch in den Jahren vor der Subventionserhöhung – auch wenn Katrin Grögel von der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt sagt, dass man durchaus von einem erfolgreichen Jahr sprechen könne. Sie verweist darauf, dass Basel beim Schweizer Filmpreis gleich mit sechs Nominationen vertreten war: von Michael Kochs Spielfilmdebüt «Marija», das auch im Rennen um den deutschen Spielfilmpreis war, bis zum Kurzfilm «La femme et le TGV», mit dem Produzent Giacun Caduff sogar an die Oscar-Verleihung reisen konnte.

Filmprojekte dauern Jahre

Tatsächlich aber sind dies Projekte, die noch gar nicht von der neuen Basler Filmförderung profitiert haben, sondern schon vor 2016 angedacht und finanziert worden waren. Das weiss auch Grögel. Sie hat in der Abteilung Kultur die Neuorganisation der Filmförderung betreut und umgesetzt. «Die Filme, die wir seit Einführung des neuen Modells, also in den letzten zwei Jahren gefördert haben, sind noch nicht fertiggestellt. Das ist gar nicht möglich in dieser kurzen Frist.»

Dazu muss man wissen: Von der Idee übers Drehbuch bis zur Fertigstellung verstreichen bei Filmen oft Jahre. Unmöglich, dass die cineastischen Grossproduktionen gleich wie Pilze aus dem Boden schiessen.

Trotzdem wirkt die Eingabe von nur gerade vier Langfilmen für den Filmpreis 2017 sehr bescheiden. «Es wird immer schwanken, denke ich, im vergangenen Jahr hatten wir zehn Langfilme zur Auswahl», sagt Grögel.

Zunahme in der Medienkunst

Ganz generell aber seien 2017 mehr Projekte für die drei Preiskategorien eingereicht worden, freut sie sich. «Wir haben über 40 Eingaben erhalten, ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr.» So verzeichnete man 15 Eingaben bei den Kurzfilmen und noch deutlich mehr in der Medienkunst. «Wir stellen fest, dass bei den Kunstschaffenden nun angekommen ist, dass wir unter Medienkunst mehr als Videokunst verstehen.»

So wie etwa die Videoinstallation mit dem ellenlangen Titel «Cool Clouds that look like they should be spelling something, but they don’t», für die Stefan Karrer mit dem Medienkunstpreis ausgezeichnet worden ist. Damit hat er sich unter anderem gegen das renommierte Duo Monica Studer & Christoph van den Berg durchgesetzt, die ebenfalls nominiert waren.

Die Nominationen, sie hatten bei der erstmaligen Verleihung durch den Kanton 2016 gefehlt. Und wurden vermisst, weil sie für mehr Aufmerksamkeit und mehr Spannung sorgen. «Das war vielleicht ein Anfängerfehler unsererseits, den wir für die zweite Ausgabe korrigiert haben», räumt Grögel ein.

Zu einer weiteren Korrektur gehört, dass man die Kategorie Kurzfilme wieder installiert hat. Das sind Finetunings, die man im Austausch mit dem Verein Balimage vorgenommen hat, der die Interessen der Filmszene vertritt. Und der für den Standort Basel gekämpft und politisch lobbyiert hat, um den «Brain Drain» in der Region zu stoppen.

War die Basler Filmförderung bis 2015 stiefmütterlich, so ist sie aber noch immer bescheiden, wenn man sie mit Zürich vergleicht. Die Zürcher Filmstiftung hat 2016 knapp elf Millionen Franken ausgeschüttet, in Basel steht jährlich rund ein Fünftel dieses Betrags zur Verfügung – wobei dieser nur ausgeschöpft wird, wenn überhaupt genügend Grossprojekte am Start sind. 2016 war dies noch nicht der Fall.

Was ist die Zwischenbilanz von Balimage nach knapp zwei Jahren? «Basel ist auf der Landkarte, wird in der Filmbranche wahrgenommen», sagt Philipp Cueni, Präsident von Balimage. Auch der Verein selber ist dabei, sich eine professionellere Struktur zu geben. Mit einer Geschäftsstelle, einem neuen Onlineauftritt sowie einer internationaleren Vernetzung. Ganz neu etwa ist ein grenzüberschreitendes Projekt, bei dem namentlich dank EU-Geldern Workshops für Filmschaffende im Elsass, Baden-Württemberg und der Regio Basiliensis ermöglicht werden.

Filmtreffs im Stadtkino

Das läuft hinter den Kulissen. Sichtbarer wird der Basler Film aber durch Abende wie jenem beim Open Air Kino auf dem Münsterplatz. Oder bei den neu eingeführten Filmtreffs, einer Kooperation mit dem Stadtkino, wo zuletzt der international tätige Basler Regisseur Tim Fehlbaum vor vollen Rängen Einblicke in seine nächste Produktion «Shipbreaker» gab. Ein Anlass, zu dem auch seine Produzenten aus München und Zürich anreisten. «Es ist eine Aufbruchstimmung spürbar», sagt Cueni.

Grundsätzlich laufe es in der Förderung gut, sagt Grögel. «Es gibt ein grosses Interesse an Spielfilmen, auch im Kurzfilmbereich. Wir kennen jetzt den Nachwuchs viel besser und stellen fest, dass bei den jungen Regisseurinnen und Regisseuren ein grösseres Interesse für fiktionale Stoffe – und auch für Animationsfilme – auszumachen ist.»

Allerdings: «Der Aufbau eines Produktionsstandorts braucht Zeit», sagt Katrin Grögel und verweist auf einige Firmen-Neugründungen, etwa den jungen Filmemacher David Kläui, der mit seiner eigenen Firma Cupla Film aktiv geworden ist. Oder Peter Zwierko, der lange bei Mira Film (Hercli Bundi, Vadim Jendreyko) arbeitete, sich nun mit der Firma Sulaco Film selbstständig gemacht hat und den neuen Film von Anna Thommen produziert. «Es entwickelt sich durchaus etwas, aber auch das will Weile haben.»

Absicherung bei Film-Groundings

Ein Schritt Richtung Professionalisierung bilden auch die Absichtserklärungen. «Erst wenn ein Budget vorliegt mit einem Finanzierungsplan und dem Nachweis, dass die anderen Förderer zugesagt haben, wird eine Projektvereinbarung und damit eine definitive Förderzusage ausgestellt», erklärt Grögel. «Darin wird der Auszahlungsmodus festgelegt. Die letzte Rate wird erst bei Fertigstellung eines Films ausbezahlt.» Damit will man künftig ein «Gstürm» vermeiden, wie man es bei einem Anne-Frank-Filmprojekt erlebte. Dieses wurde mit 30'000 Franken unterstützt, kam aber nicht zustande. Der Filmemacher Martin Rengel weigerte sich, das Geld zurückzuzahlen, ein Streit entbrannte, dem das Bundesgericht ein Ende setzte: Es ging nicht auf die Beschwerde ein. Der Filmemacher muss das Geld retournieren. Solchen Ärger kann der Kanton neu vermeiden: Für einen Kinodokfilm von Lumenfilm waren 125'000 Franken gesprochen worden. Das Projekt wurde abgebrochen, kein Geld überwiesen.