Es ist ruhig geworden um den gefrässigen Försterschreck aus China, der ganze Bäume durchlöchern und zum Absterben bringen kann. Doch die Ruhe täuscht, der Asiatische Laubholzbockkäfer kann jederzeit bei uns auftauchen, sobald Sendungen in Holzverpackungen aus China, aber auch aus andern asiatischen Staaten, nicht richtig behandelt wurden. Sprich: Sie müssen vor der Abreise begast werden. Offenbar wird dabei des Öftern geschlampt.

Auf jeden Fall ist der Käfer jetzt wieder da: Mitte März wurden im Hafenareal von Weil mehrere Larven gefunden. Sie wurden im oberen Geäst einer gefällten Pappel entdeckt, die danach geschreddert und verbrannt wurde. «Diese Larven wären im April oder Mai geschlüpft und ausgeflogen», sagt Rolf Hess vom Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamts Lörrach. Durch den Fund alarmiert, liessen die Behörden weitere Bäume und Sträucher in einem näheren Umkreis fällen. Doch bei diesen Gehölzen seien keine Laubholzbockkäfer gefunden worden, berichtet Hess. Und er ergänzt, dass in nächster Zeit auch noch Pappeln am Rheinbord vom Schiff aus gefällt würden.

Das Szenario beunruhigt auch Schweizer Fachleute. Denn die vom Käfer befallene Pappel wurde nicht in erster Linie aufgrund eines Verdachts gefällt, obwohl der Baum offenbar in einem relativ schlechten Zustand war, sondern weil sie mitten im Areal im Wege stand. Das Beunruhigende nun: Weil hat um das Hafenareal, das letztmals 2012 vom Laubholzbockkäfer befallen wurde, eine mehrere Quadratkilometer grosse Quarantäne-Zone ausgeschieden. In dieser Zone wird ein verstärktes Monitoring durchgeführt. Das heisst unter anderem, dass ankommende Holzpaletten aus dem asiatischen Raum regelmässig untersucht werden – dabei kamen schon wiederholt Larven und tote Käfer zum Vorschein – und Laubbäume beobachtet und teils auch von Baumkletterern begutachtet werden.

Kantonsförster will handeln

Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel, sagt: «Nach diesem Fund besteht auch für uns Handlungsbedarf. Als Erstes müssen wir nun zuerst einmal mit unseren deutschen Kollegen reden.» Er kenne deren Monitoring nicht im Detail, doch wenn es genau gleich wie in der Schweiz ausgeübt werde und trotzdem der Käfer nur durch Zufall gefunden worden sei, dann brauche es Anpassungen. Wie diese allenfalls aussehen, kann Meier im Moment nicht sagen. Zunächst müsse nun die Stadtgärtnerei Basel, die fürs Offenland zuständig sei, ihre Überwachung des Grenzbereichs zu Weil intensivieren.

Bezüglich Wald stehen die Gebiete um die Häfen in Birsfelden und Muttenz im Fokus. Denn auf Schweizer Seite werden praktisch alle Lieferungen in Holzverpackungen in diesen beiden Häfen gelöscht. Letztmals herrschte im Birsfelder Hafen vor drei Jahren Alarmstimmung, als in chinesischem Verpackungsholz Ausfluglöcher mit frischen Bohrmehl-Rückständen entdeckt wurden. Doch die Käfer wurden nie gefunden. Dazu Meier: «Wahrscheinlich hatten wir Glück, und die ausgeflogenen Tiere waren alles Weibchen oder Männchen und konnten sich somit nicht vermehren.» Denn das eigentliche Problem ist nicht der adulte Käfer an und für sich, der nur vier Wochen lebt, sondern dessen Vermehrung während dieser Zeit mit Eiablage und den späteren, gefrässigen Larven.

Allerdings hat dem Laubholzbockkäfer die Erkenntnis etwas von seinem Schrecken genommen, dass er ein behäbiger Zeitgenosse ist, der nach Möglichkeit nur bis zum nächsten Nahrungsbaum – das sind vor allem Weichhölzer wie Pappeln, Weiden, Birken und Ahorne – fliegt. Diesen Umstand hat sich nun auch der Hafen Weil zunutze gemacht. Dazu Rolf Hess: «Wir haben als Fangbäume Ahorne gepflanzt und halten sie klein, damit wir sie besser überwachen können.» Die befallene Pappel konnten die Baumkletterer nämlich wegen deren schlechten Zustands nicht besteigen.