Die Bühne wirkt eher düster. Weisse Larven hängen von einem Gestell, das bestückt ist mit Velo-Rädern, Schlagwerk und einem Malblock. Natürlich sind Basler Trommeln dabei, aber es wird den ganzen Abend keinen einzigen Ton klassische Fasnachtsmusik geben.

Dafür grooven, jammen und singen sich Martin Bammerlin, Christian Hürner, Florian Volkmann, Florens Meury, Pascale Pfeuti und Jeanne Hürner kreuz und quer durch alle Stilrichtungen. Sie mischen Marsch-Zitate auf unkonventionelle Weise ein und produzieren alles in allem ein herrlich unterhaltsames Durcheinander. «Rundum lätz gwigglet», so lautet der treffende Titel des Abends.

Zum Schreien komisch

Die behandelten Themen sind durchaus klassisch. Der Morgestraich, den sie allerdings mit Gospel einleiten und in einen Dixie-Crossover von «Z Basel a mym Rhy» und dem Baselbieterlied überführen. Den «Arabi» performen sie dann mit Zahnbürsten und Wasser gurgelnd, bevor Pascale Pfeuti zu den Vocal-Beats von Meury eine Hip-Hop-Nummer abzieht, die einfach nur schreiend komisch ist. Solche Einlagen kratzen ja meist an der Peinlichkeitsgrenze, nicht jedoch diese. Die Aussensicht anderer Kantone wird vorgeführt und das Unverständnis eines «Baslerstab-shaped Härzlis».

Im Handumdrehen wird man in die nächste Situation geschleudert. Eine Gruppensitzung der anonymen Akkuholiker. Es geht um Smartphone-Probleme. Nicht die stärkste Nummer, aber die Pointe sitzt, vor allem, weil der kollektive Lachanfall der Gruppe gleich wieder zu einem Marsch wird. Und daraus machen sie den Morgestraich mit Smartphones. Brillant.

Es ist eine unglaubliche Spielfreude und Verschmitztheit, die einem da entgegenfliegt. Manches mag etwas gar heiss gestrickt sein, der Abend entstand an zwei Wochenenden und in einer aufreibenden Endprobenzeit. Die hohe Musikalität der Akteure und ihre darstellerischen Qualitäten lassen einen das aber zu keinem Zeitpunkt merken.

Zum Thema FCB singen sie ein dreistimmiges Stück mit Fangesängen, clever verschachtelt und mit vielen kleinen Pointen. Über die Fifa gelangen sie zum Flüchtlingsdrama. Starker Tobak. Allgemein bewegen sie sich eher im heftigen Bereich der Satire, ohne aber jemals die Geschmacksgrenze zu überschreiten, politisch wird es selten. Dafür haben sie eine durchaus kritische Sicht auf die Fasnacht selbst.

Bammerlin kotzt sich förmlich über die Qualität der Esswaren an der Fasnacht aus, um dann seine Bekehrung zum Veganismus zu verkünden. Dazu gibt es lüpfigen Ska zum Mitwippen.

Das Spiel mit Worten und Klängen

Dazwischen geben sie sich ganz der Rhythmik hin. Sie spielen mit Worten, Klängen und machen daraus virtuose kleine Kunstwerke. So mit dem Wort Druggede, das zu einem vertrackten Beat gesteigert wird. Eine der besten Nummern ist ihr «The lion sleeps tonight». Sie beginnen mit der klassischen a cappella Nummer und beschreiben dann einen Gang durch die Stadt, in der jede zweite Gugge dieses Lied spielt. Auch gelungen ist der Versuch der FHNW, wie Fasnächtler klingen, wenn sie die Treppe runterpurzeln. Oder Florian Volkmann als Bayer, der die Fasnacht als Ausbildungslager für Extremisten beschreibt. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist eine Bollywood-Farce rund um das Thema Luxus und Bling-Bling.

Gegen Ende verliert der chaotische Zug etwas an Fahrt, erst ganz zum Schluss folgt eine letzte kitschige Dankeschön-ans-Publikum-Nummer, in der auch der Satz fällt: «Leider isch d Fasnacht nonig vrbi.» Das nennt sich Ironie.

Chaotisch, wild und doch aus einem Guss, so setzt dieser Teil der Wirrlete ihre Geschichte fort, der andere Teil folgt am Sonntag im Teufelhof.

Vorstellungen täglich bis zum 30. 1. jeweils 20 Uhr ausser Montag 25. 1., www.fauteuil.ch