S-Bahn

Im Herzstück steckt der Wurm drin

So sieht die favorisierte Variante Mitte des Herzstücks aus: Eine mehrheitlich unterirdische Verbindung zwischen dem Basler Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof mit Haltestellen in der Innenstadt.

So sieht die favorisierte Variante Mitte des Herzstücks aus: Eine mehrheitlich unterirdische Verbindung zwischen dem Basler Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof mit Haltestellen in der Innenstadt.

Das Herzstück der Regio-S-Bahn ist das Schlüsselprojekt für den ÖV-Ausbau in der Nordwestschweiz: In 15 Jahren soll eine unterirdische Stadtbahn den Basler Bahnhof SBB mit dem Badischen Bahnhof verbinden.

Die Planer in den Verwaltungen von Stadt und Land basteln derzeit an einem Vorprojekt für diese auf 1,05 Milliarden Franken veranschlagte Variante Mitte.

Zumindest im Baselbiet scheint man es mit der Planung des Jahrhundertprojekts nicht allzu eilig zu haben: «Ob das Herzstück je gebaut wird, ist nicht sicher», stellt Kantonsplaner Martin Kolb klar. Zuerst müsse geklärt werden, ob die hohen Investitionen gerechtfertigt seien. Kolb gibt zu bedenken, dass als Basis fürs Herzstück vorgängig das Bahnnetz mittels teurer Projekte wie dem Ostkopf des Bahnhofs SBB und neuen Überwerfungsbauten in Muttenz, Pratteln und Liestal ausgebaut werden müsse.

Baselbiet soll die Planung leiten

Derweil wünscht sich der Basler Stadtentwickler Thomas Kessler vom Landkanton mehr Begeisterung für den Ausbau der S-Bahn: «Schliesslich würden die Baselbieter von den besseren Verbindungen in die Stadt am meisten profitieren», ist er überzeugt. Konkret fordert der Stadtentwickler, dass sich Baselland klar zum Herzstück bekennt und die Planung übernimmt. Damit - so glaubt Kessler - würde in Bern die Akzeptanz für das Milliardenprojekt erhöht, was im Hinblick auf die Kostenbeteiligung des Bundes entscheidend sei. Kessler stellt klar, dass mit der Übernahme der Planung nichts über die Finanzierung gesagt sei; diese muss in einem zweiten Schritt ohnehin erst ausgehandelt werden.

Im Baselbiet kommt das Vorpreschen Kesslers nicht gut an: Ganz sicher werde die Region von der Optimierung des S-Bahn-Netzes gesamthaft profitieren. Welcher Kanton oder welches Land vom Bau des Herzstücks den höheren Nutzen habe, müsse erst noch untersucht werden, führt Kolb aus, für den Herzstück durchaus eine «Herzensangelegenheit» sei. Derselben Meinung ist Rolf Richterich, FDP-Fraktionschef und verkehrspolitischer Vordenker im Landrat: Zwar würden wohl mehr Baselbieter als Städter die neue S-Bahn benutzen. Wo der Hauptnutzen anfalle, stehe auf einem anderen Blatt: «Die Basler Wirtschaft wird stark profitieren, wenn die Menschen aus dem Umland leichter zum Arbeiten und Einkaufen in die Stadt gelangen.»

Das hat es noch nie gegeben

Vom Vorschlag Kesslers hält Richterich nichts: Damit würde das Territorialprinzip geritzt. «Ein Grossprojekt, das zu 100 Prozent auf Stadtboden liegt und vom Land geplant wird - das hat es noch nie gegeben.» Der Laufner plädiert dafür, dass jeder Kanton die S-Bahn-Projekte auf eigenem Territorium leitet: Basel-Stadt das Herzstück, Baselland die dazugehörigen Projekte auf den Zufahrtsstrecken im Ergolz- und Birstal.

Ähnlicher Meinung ist der Basler Verkehrsingenieur und FDP-Grossrat Christian Egeler: «Es kommt besser heraus, wenn die beiden Kantone das Herzstück gemeinsam planen.» Egeler kann sich nicht vorstellen, dass Baselbieter Planer an Details zu den Haltestellen in der Stadt tüfteln. Die Zurückhaltung im Landkanton können weder Richterich noch Egeler nachvollziehen: «Das Herzstück ist für die Attraktivität der Region entscheidend», stellt Richterich klar.

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