Konfilkt

Im Historischen Museum Basel gilt: Jeder gegen Jeden

Die Entwicklungen der vergangenen Tage belegen, dass sich die Bruchlinien innerhalb des Museums tatsächlich verschoben haben.

Die Entwicklungen der vergangenen Tage belegen, dass sich die Bruchlinien innerhalb des Museums tatsächlich verschoben haben.

Die Hintergründe über die Freistellung von Marc Fehlmann als Direktor des Historischen Museums Basel lichten sich. So hat sich die Trennung aufgedrängt, nachdem sich der Konflikt zwischen dem Direktor und der Belegschaft zum Konflikt innerhalb der Geschäftsleitung ausgeweitet hatte.

Am Anfang war der Mops. Die Meissner Porzellanfigur, die Kurfürst Friedrich August seiner Geliebten geschenkt hatte, stand in einer Vitrine neben dem Rednerpult. Es war im Dezember 2017, als Marc Fehlmann, seit kurzem Direktor des Historischen Museums Basel (HMB), eine Medienkonferenz mit der frischgebackenen Kulturchefin Sonja Kuhn abhielt. Die Szenerie enthielt alle Elemente, die das Bild der Zerwürfnisse und der Bruchstellen um das HMB ausmachen.

Der Mops stand stellvertretend für die privaten Mäzene und Stiftungen, die das Historische Museum diskret mit Geld und Exponaten versorgen. Die vormalige Direktorin Marie-Paule Jungblut hatte offen deklariert, dass eine Porzellan-Sammlung nicht mehr in das eng mit der Kulturabteilung abgestimmte Konzept passe. Pikiert zog die Basler Pauls-Eisenbeiss-Stiftung, die den Porzellan-Mops besitzt, ihre Exponate vom Basler Museum ab.

Der Mops aus der Sammlung der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung wartet darauf, ausgestellt zu werden.

Der Mops aus der Sammlung der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung wartet darauf, ausgestellt zu werden.

Eine Provokation, die durchaus verstanden wurde

Fehlmann überredete als eine der ersten erkennbaren Amtshandlungen die Stifter zur Rückkehr und machte sich damit zum Fürsprecher der diskreten Geldgeber. Dass sich die ebenfalls neue Kulturchefin Kuhn neben dem Mops zu präsentieren hatte, war eine Provokation, die durchaus verstanden wurde: Der Mops war zwar zurück, doch das Porzellan zwischen dem Museumsdirektor und dem zuständigen Präsidialdepartement erhielt Sprünge. Anfang dieses Jahres war offensichtlich, dass das Alltagsgeschirr zwischen Fehlmanns Geschäftsleitung und der durch die Kuratorin Gudrun Piller angeführte Belegschaft in Bruch lag. Die Mitarbeiter, sozialisiert im Geist des früheren Direktors Burkard von Roda, hatten mit dem Verein für das Historische Museum und durch gute Kontakte in die Kulturabteilung eine Lobby, Fehlmann stand vor der Entlassung.

Die bereits ausgehandelte Abgangslösung war dem Präsidialdepartement aber zu teuer; dem Vernehmen nach steht Fehlmann mehr als ein voller Jahreslohn zu. So liess sich Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann auf einen Konfliktklärungsprozess ein. Sollte dieser scheitern, so sieht die Vereinbarung vor, komme die ausgehandelte Entschädigung zur Auszahlung. Vergangene Woche war für Ackermann dieser Punkt erreicht: Sie stellte Fehlmann per sofort frei und verkündete, die Abgangsmodalitäten seien ausgehandelt. Dass es dennoch zu einer personalrechtlichen Auseinandersetzung kommt, liegt daran, dass Fehlmann die Mediation nicht als gescheitert erklärt haben will.

Die Entwicklungen der vergangenen Tage belegen, dass sich die Bruchlinien innerhalb des Museums tatsächlich verschoben hatten: Moderiert wurde zuletzt weniger zwischen der Geschäftsleitung und der Belegschaft, als vielmehr zwischen Fehlmann und seinen Kollegen in der Geschäftsleitung, die während Fehlmanns krankheitsbedingter Absenz die Leitung übernommen hatten.

Elisabeth Ackermann hat im Mehrfrontenscharmützel Fehlmann mit der Freistellung aus dem Spiel genommen. An den Fronten hat sich dadurch allerdings nichts verändert.

Der Basler Anwalt Mark Eichner hat in einem Gastkommentar in der «Basler Zeitung» gefordert, das staatliche Museum sei nun von staatlichen Fesseln zu befreien. Gezeichnet hat Eichner als FDP-Politiker, unterschlagen hat er dabei, dass er ebenso dem Stiftungsrat der Stiftung für das Historische Museum wie der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung angehört. Als Partei will er sich aber nicht verstanden wissen: «Es wäre falsch, wenn sich die Stiftung in die personalrechtlichen Streitigkeiten einmischen würde.»

Die Kommission zwischen Stuhl und Bank

Im Rollenkonflikt steckt auch die Kommission für das Historische Museum. Diese hat formell eine Begleitfunktion und ist mehrheitlich mit Fachleuten der Universität bestückt. Für den Präsidenten, den Banker Urs Gloor, war Fehlmanns Ernennung eine Erleichterung, weil die Kommunikation mit Jungblut zuvor auf dem Nullpunkt war. Doch die Zusammenarbeit mit Fehlmann blieb Stückwerk; an der Ausarbeitung einer neuen Strategie war die Kommission kaum involviert. Nach der Freistellung stellte sich Gloor in einer ersten Reaktion noch hinter Fehlmann. Mittlerweile ist er in Schweigen verfallen. Auf mehrfache Anfragen dieser Zeitung reagierte er nicht.

Der Mops hatte an der Medienkonferenz übrigens seinen letzten öffentlichen Auftritt: Das Versprechen, ihn bald wieder auszustellen, konnte Fehlmann nicht einhalten. Immerhin dies dürfte der Kulturabteilung gefallen haben.

Autor

Christian Mensch

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